Gesund oder krank,
 eine Frage der Opportunität!

 


 

Im Wortschatz der buddhistischen Philosophie finden wir viele Ausdrücke, die bedingt durch unsere Kultur, für uns ganz andere Bedeutungen haben als für die Leute (in Indien) vor mehr als 2000 Jahren.

Oft ist es so, dass uns schon beim Gedanken an Buddhismus automatisch ein paar unbefriedigende stereotype Geistesblitze von Karma, Wiedergeburt und Tibet durch den Kopf schiessen und spätestens bei der ersten Lektüre einer Sutta haben wir dann möglicherweise Schwierigkeiten mit Begriffen wie "moralisch verwerflich", "edel", "Erhabener", "sinnliche Begierde", oder sogar "Buddha" oder "Mönch", um nur einige Beispiele zu nennen.

Worte sind eine relativ ungenaue oder grobe Art die Wirklichkeit zu beschreiben und weisen auf etwas hin, das viel komplexer ist als nur Worte. Das "hinter" die Worte zu schauen, hat mir persönlich sehr geholfen und das buddhistischen Grundgedanken überhaupt erst "eröffnet".

Das richtige Verstehen der Worte und der Dinge die von diesen Worten beschrieben werden ist von zentraler Wichtigkeit und ein Schlüssel zu mentalem Fortschritt. Worte sind Konzepte von Etwas und dieses Etwas ist die Realität oder besser die sich präsentierenden Realitäten.

Wenn Worte durch kulturelle Umstände und Veränderungen andere Bedeutungen annehmen und andere Assoziationen hervorrufen, muss diesem Umstand Rechnung getragen werden. Uns durch die Worte zu arbeiten ist wie der Berg aus Griesbrei durch den man sich durchessen muss um ins Schlaraffenland zu gelangen. Es sieht vielleicht eintönig aus und schmeckt einigen sicher auch ein wenig fad, ist aber durchaus nicht ungesund und das Ziel ist die Anstrengung wert.

Lass dich also nicht verwirren durch Worte, geh den Worten auf den Grund entkleide sie ihrer religiösen und kulturellen Fassade und entdecke ihre wahre Bedeutung. Die Konzepte verstehen und die Realitäten dahinter sehen. 

Viele Menschen haben so starke vorgefasste Ideen und Ängste wenn sie nur schon das Wort "Buddhismus" hören, dass sie nie zur wahren Bedeutung der Lehre Buddhas durchdringen können. Lass dich nicht entmutigen durch kulturelle oder religiöse Vorurteile. Die "überlieferte" Buddha-Lehre ist weder Religion noch Glauben, sondern eine präzise Beschreibung der Wirklichkeit und eine praktische Methode um das Beschriebene zu überprüfen und selbst zu beobachten. Die Anstrengung hinter die religiöse Fassade des Buddhismus zu kommen ist sehr lohnenswert, was dann zum Vorschein kommt ist gewaltig, die grösste Bereicherung eines Lebens.

Die Lehre Buddhas (kann) helfen beim "Hörer" die Grundlagen und Bedingungen zu schaffen, damit (beim "Hörer") Erkenntnis des "Buddhadamma" aufsteigen kann. Das "eigene" Entdecken des Dhammas geschieht jedoch nicht durch Auswendiglernen oder Kopieren eines fremden Konzeptes oder "göttlichen Programms", sondern durch entwickeln von authentischen "eigenen" Bildern und Konzepten, das Beobachtete gedanklich verstehen, in Worte zu fassen und be-handeln zu lernen. Denken und Bilder machen wir alle (fast) immer, denken ist eine Realität, es kommt nur darauf an was gedacht wird, welche Art von Bildern und Konzepten gedacht werden. Handeln-Wollen, tun wir auch fast immer, es kommt nur darauf an was gewollt wird.

Nicht alles ist beliebig und Wirklichkeiten sind wie sie sind und richten sich nicht nach Interpretationen. Die Realität gleicht sich nicht einem falschen Bild an, was ist, das ist und was nicht existiert, existiert eben nicht. Ein "gutes" Bild ist immer noch eine Karikatur der Wirklichkeit, aber mit den Darstellungen der tatsächlichen Eigenschaften der Wirklichkeit, die "gute" Ab-Bildung einer Hand mit fünf Fingern zeigt nicht sechs oder sieben Finger.

In diesem Sinn ist die Bedeutung von "richtig" oder "falsch", "gut" oder "böse", "gesund" oder "ungesund", "edel" oder "gewöhnlich" zu verstehen. 

 

Richtig ist angemessen, angemessen ist richtig

gut ist angemessen,  angemessen ist gut

falsch ist unangemessen

böse ist unangemessen

gute Moral ist die angemessene Moral.

 

Angemessen oder unangemessen um die Aufgabe zu erfüllen. Die Aufgabe die zu erfüllen ist, ist das Ziel, das wir erreichen wollen. 

Abhängig vom Ziel ist etwas gut oder schlecht. Wenn wir in sozialem Frieden leben wollen, müssen wir die Gesetze halten. Wenn wir reich werden wollen müssen wir uns an die ökonomischen Gesetze halten. Für Menschen mit unterschiedlichen Zielen sind verschiedene Dinge angebracht und richtig, das selbe kann für eine Person richtig sein und für die andere nicht. Um konventionelle Ziele zu erreichen sind konventionelle Konzepte angemessen, um aber ultimative Ziele zu erreichen braucht es ultimativ gültige Ansichten und Konzepte. Daher ist "richtige" Ansicht das Erkennen der Realitäten und Dinge, so wie sie sich präsentieren und ultimativ "sind".
(was natürlich nicht bedeutet, dass sie ewig oder ungeschaffen sind)

Richtig oder falsch in buddhistischer Denkweise ist im Zusammenhang zu sehen mit dem deklarierten Ziel. Das Ziel ist:

Dukkha zu erkennen
die Ursache von Dukkha zu erkennen
die Möglichkeit der Beendigung von Dukkha  zu sehen und
den praktischen Weg, der zur Beendigung von Dukkha  führt zu entwickeln.

Alles was diesem Ziel dienlich ist, ist gut, edel, gesund oder angemessen. Alles was diesem Ziel nicht dienlich ist, ist schlecht, böse, unedel, ungesund, unangemessen, gewöhnlich und weltlich .

Ein Mensch, eine Person oder eine Wanderer, der sich dieses Ziel (Dukkha zu erkennen) selber gesetzt hat,  für ihn ist diese Definition von "Gut und Böse" hilfreich. Alles sogenannt Gute ist immer ein Mittel um mit Stress umgehen zu können und Freiheit zu erreichen und gleichzeitig immer nur ein Mittel zum Zweck. Richtige Moral rettet nicht selber und ist schon gar nicht das Ziel.

Nur weil jemand nicht lügt, kommt er der Befreiung vom Stress nicht gezwungenermassen näher. Auf dem Weg zur Stressfreiheit hört die Lüge jedoch gezwungenermassen auf. Das zu sehen hilft mit uns selbst ehrlich und objektiv zu sein. 

Das führt zur Stressfreiheit:
        Richtiges Wissen, richtige Moral und richtige Konzentration.

Das richtige Wissen ist:

Rechte Ansicht, Erkenntnis (sammá-ditthi) 
Die Wirklichkeit so zu sehen wie sie ist.

Rechte Absicht, Besinnung (sammá-sankappa) 
Freiheit von Böswilligkeit und Gier.

Die richtige Moral ist:

Rechte Rede (sammá-vácá)

Rechte Tat (sammá-kammanta)

Rechte Lebensweise (sammd-djiva)

Die rechte Konzentration (samádhi) ist:

Rechte Anstrengung (sammá-váyáma)

Rechte achtsame Betrachtung (sammá-sati)

Rechte Konzentration, Sammlung (sammá-samádhi)

Das angemessene Wissen, die angemessene Moral und die angemessene Konzentration, das heisst das nötige und dienliche zum Erreichen des Pfades, der zur Stressfreiheit führt.

Das ist die praktische Methode, der praktische Weg um Stress zu erkennen, die Ursache von Stress zu kennen, die Aufhebung dieser Ursache zu sehen und die nötigen Fähigkeiten zu entwickeln um das Ziel der Stress-Freiheit zu erreichen.
Der noble achtfache Pfad.

 

Wie eine Krankheit, hat man
den Stress zu betrachten,
wie die Ursache der Krankheit,
die Begierde,
wie die Heilung der Krankheit,
das Überwinden der Begierde,
wie die Arznei,
den achtfachen Pfad.

 

Das Schlechte und Böse oder das Unangemessene ist alles was uns hindert das Ziel zu erreichen.

Das führt nicht zur Stress-Losigkeit: 
        Falsches Wissen, falsche Moral und falsche Konzentration.

Das falsche Wissen ist:

Falsche Ansicht, Erkenntnis
Die Phänomene nicht der Wirklichkeit gemäss zu erkennen.

Falsche Absicht, Gesinnung
Durch Gier und Hass geprägte Einstellung.

Die falsche Moral ist:

Falsche Rede

Falsche Tat

Falsche Lebensweise

Die falsche Konzentration ist:

Falsche Anstrengung

Falsche (unachtsame, oberflächliche) Betrachtung

Falsche Konzentration
Sich auf das falsche Objekt oder Ziel zu konzentrieren oder sich auf das rechte Objekt/Ziel nicht genügend zu besinnen.

Das unangemessene Wissen, die unangemessene Moral und die unangemessene Konzentration, das heisst, das hindernde und nicht dienliche zum Erreichen des Pfades, der zur Stressfreiheit führt.

 

Die Wurzeln oder Ursachen für das Ungesunde sind:

Ignoranz (Unwissen, Hilflosigkeit, Täuschung)

Gier (Sinnliche Lust, Begierde, Anhaften)

Hass (Abneigung, Ekel)

Die "ungesunde Grundwurzel" ist Unwissen, durch Unwissen bedingt entsteht Gier oder Hass,
Begehren und Ablehnung, Anhaften und Verwerfen usw.

Die Wurzeln oder Ursachen für das Gesunde sind:

Wissen, Amoha

Gier-Losigkeit,  Nicht-Gier (Freigiebigkeit), Alobha

Hass-Losigkeit, Nicht-Hass (Freundschaft, Zuneigung) Adosa

Die "gesunde Grundwurzel ist Wissen oder Nicht-Täuschung, bedingt durch  
Nicht-Täuschung entsteht Nicht-Gier und Nicht-Hass, Freigiebigkeit und Freundschaft usw.

Um objektiv sein zu können, braucht es Wissen, Nicht-Anhaften und Zuneigung.

Ignoranz, Gier und Hass verunmögliche jedoch eine Unvoreingenommenheit der Umwelt und dem Leben gegenüber. 

Objektivität und Unvoreingenommenheit sind in jeder korrekten Beobachtung unerlässlich.

Der Weg der Unvoreingenommenheit ist der Weg der zur Stress-Freiheit führt. 
Sich selber unvoreingenommen betrachten, heisst ehrlich sein mit sich selber und die Dinge sehen wie sie sich präsentieren. 
Denn erst wenn wir unsere Gedanken und Gefühle, unseren Körper und unsere Wahrnehmung, Absichten, Ansichten und Ideen, so erkennen wie sie tatsächlich sind, können wir "an uns arbeiten" oder den "noblen achtfachen Pfad" entwickeln, der zur Überwindung von Stress führt.

Durch erkennen der illusionären Natur eines "Uns" oder "Ich" steigt so die Erkenntnis der Ungebundenheit auf.  

Achtsame, unvoreingenommene und genaue Betrachtung von Körper, Gefühl, Bewusstsein und mentalen Objekten (Realitäten und Konzepte), ist die Grundlage auf der die Erkenntnis der Ungebundenheit aufsteigt.

 

 


 

Gesund

 

Unvoreingenommenheit ist gesund
Objektivität ist gesund
Einbildung ist Wahnsinn
Wahn im Sinn
es ist der Sinne Wahn
die Illusion
ungesund
nicht
vorteilhaft

Ein Ding das nicht vergänglich,
nicht stressbehaftet,
ein Ich und ein Mein
ist Illusion.
Für den Unwissende
ein Ich-Wahn,
begleitet von Stress.
Einbildung macht den Stress real.
 Der Wahn wird wahr.
Das ist die
real
existierende
Illusion,
der Stress.

Einbildung ist ungesund
Voreingenommenheit ist ungesund
nicht opportun.
Die Schönen, die Reichen
und die
Gescheiten,
die sich etwas einbildend, auf
Schönheit, auf
Reichtum und Macht, auf
Erleuchtung,
der Schöne bin Ich,
der Reichtum ist Mein
Ich bin erleuchtet
Wahnsinnige
den Wahn nicht durchschaut
ungesund, gestresst 
gefangen im Ich und im Mein.

Unvoreingenommen, gesund und frei
ohne Einbildung
ohne Vorurteil
zu sehen so wie es ist
vergänglich
von Stress begleitet
ohne ein Ich
so sind
Eindruck, Gefühl, und Wahrnehmung,
 das Materielle und das Mentale
alle Dinge

Begehren nach den fünf,
Identifikation mit den fünf
anhaften an die fünf
bewahren der fünf
ungesund ist das und "schlecht"
Nachteilig
Stress erzeugend
mordende und Sterbende
Illusion
und

U
N
G
E
S
U
N
D


NACHTEILIG
die Welt brennt

 

 


 

Stress und Umwelt

Reise zur Stress-Losigkeit