|
Die Moderation von Neutronen spielt bei Kernkraftwerken eine entscheidende Rolle. Bei der Spaltung eines Uran 235 Atoms werden zwei bis drei schnelle Neutronen freigesetzt. Damit eine Kettenreaktion stattfinden kann, müssen sie aber abgebremst werden, da sie sonst vom viel häufigeren U 238 absorbiert werden. Dieses Abbremsen kann zum Beispiel mit Wasser oder Graphit erreicht werden.
Wie kommt es, dass langsame Teilchen unter Umständen mehr ‘Zerstörung’ anrichten als schnelle? -Auch dieses Phänomen ist nur verwunderlich, wenn wir vergessen, dass die Teilchen immer auch wellenartig sind (siehe dazu Doppelspaltversuch).
In der Wellenlehre, z. B. in der Akustik, ist das Phänomen wohlbekannt. Wenn Sie auf einem Klavier ein c spielen, so schwingt eine c-Stimmgabel mit, wenn Sie diese auf das Klavier stellen. Die Stimmgabel nimmt also die Energie der Schallwelle auf. Man sagt, es tritt Resonanz auf. Spielen Sie jedoch einen höheren Ton, z. B. ein d, so bleibt die Stimmgabel unberührt, obwohl der Ton d eine höhere Energie hat als c. Höhere Energie bedeutet also nicht unbedingt grössere Wirkung.
Nun sind nach der Quantentheorie Teilchen immer auch wellenartig. Schnelle Teilchen haben eine kurze Wellenlänge, langsame Teilchen eine längere. Trifft ein Neutron auf eine Cadmiumplatte, so wirkt das Cadmium wie eine Stimmgabel, das die langen Wellenlängen absorbiert, die kurzen dagegen passieren lässt. Die energiereichen Neutronen gehen ungehindert durch das Cadmium hindurch, während die langsamen ihre gesamte Energie abgeben.
2. Was wir über ferne Sterne wissen können
Ein wichtiges Gebiet, das ebenfalls einen Resonanzeffekt ausnutzt, ist die Spektroskopie mit elektromagnetischen Wellen, die in der Chemie und in der Astronomie eine grosse Rolle spielt. Jedes Atom hat ganz bestimmte Wellenlängen, die es gerne absorbiert oder aussendet. Wie die Stimmgabel absorbiert es dieselben Wellenlängen gerne, die es auch gerne aussendet. Diese Wellenlängen sind so typisch, dass man die Teilchen daran erkennen kann, wie einen Menschen an seinen Fingerabdrücken.
Als die Physiker eines Tages im Sonnenlicht Wellenlängen entdeckten, die sie auf der Erde nicht kannten, schlossen sie daraus, dass es auf der Sonne ein unbekanntes chemisches Element geben müsse, das diese Wellenlängen aussendet. Nach weiterer Forschung entdeckten sie auch auf der Erde ein neues Gas, das ebenfalls gerade diesen ‘Fingerabdruck’ hatte, und sie nannten es nach dem griechischen Sonnengott Helios ‘Helium’. Dank den ‘Fingerabdrücken’ im Sternenlicht wissen wir, dass auf den Sternen keine anderen Elemente zu finden sind, als bei uns auf der Erde und dass im ganzen sichtbaren Universum dieselben physikalischen und chemischen Gesetze gelten.
(Zur Spektroskopie siehe auch Bohrs Atommodell.)
3. Resonanz in der Teilchenphysik
Auch in der Teilchenphysik spielt die Resonanz eine wichtige Rolle. Hier werden in einem Teilchenbeschleuniger verschiedene Teilchen zusammengeschossen und die Physiker schauen, was dabei geschieht. Wenn die Bewegungsenergie der Teilchen genug gross ist, kann sich diese Energie nach Einsteins berühmter Formel E=mc2 in Masse, also in neue Teilchen umwandeln. Dabei entstehen immer gleichzeitig ein Teilchen und das dazugehörige Antiteilchen. Wenn nun die Bewegungsenergie gerade die Energie eines solchen Teilchen-Antiteilchen Paares ist, entsteht beim Zusammenstoss Resonanz, so dass plötzlich sehr viele Teilchen-Antiteilchen Paare entstehen.
Viele dieser Teilchen zerfallen extrem rasch, so dass wir sie nicht direkt beobachten können. Sie zerfallen aber in beobachtbare Teilchen, so dass oft eine ganze Lawine von Teilchen ausgelöst wird, die wir sehen können. Wenn Physiker sagen: “Wir haben ein neues Teilchen entdeckt”, dann haben sie also oft nicht das Teilchen selber gesehen. Vielmehr stellen sie fest: “Immer, wenn zwei Teilchen mit einer ganz bestimmten Bewegungsenergie zusammenstossen, entsteht kurz darauf eine Lawine von Teilchen.” Aus dieser Beobachtung schliessen die Physiker, dass es ein Teilchen-Antiteilchen Paar mit genau der Masse gibt, die der Bewegungsenergie der ursprünglichen Teilchen entspricht.
4. Weiterführende Artikel auf dieser Homepage: Doppelspaltversuch Schrödingers Katze
5. Weiterführende Bücher:
|