Der Tod des Leibes und das ewige Leben der Seele

 

 

Teil 2

 

  

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

12. Die Komplettierung der Seele im Jenseits

13. Das Erscheinen vor dem Richterstuhl Gottes

14. Die Unterschiede der geistigen zur materiellen Welt

15. Das Erwachen in der anderen Welt

 

 

 

 

12. Die Komplettierung der Seele im Jenseits

 

Die Seele muß im Jenseits noch das zu ihr Gehörende aufnehmen, bis sie wieder so komplett zusammengesetzt ist, wie sie es bei der Erschaffung der geistigen Schöpfung einmal war. „Der menschliche Leib besteht aus puren Seelenpartikeln“, sagt Jesus, „aber jene, die den Leib machen, sind noch grob, arg und unlauter, daher sie auch noch zuvor wieder in die Erde kommen, dort verwesen müssen und dann erst von da auf die euch schon bekanntgegebene Weise aus der Verwesung aufsteigen, um sich zur Komplettierung desjenigen Wesens, dem sie einst leiblich angehörten, anzuschicken. Dies ergibt sich gewöhnlich in der dritten oder obersten Erdgeistersphäre, wodurch dann natürlich erst ein jeder reine Geist vollkommen wird, wenn er nämlich all das Seinige wieder in sich aufgenommen hat, – welches Aufnehmen die sogenannte Auferstehung des Fleisches ist und den Spruch Pauli rechtfertigt, der da spricht: „Ich werde in meinem Fleische Gott schauen.“ (EM 40,6)

Vom groben Fleische wird nach dem Tod nicht ein Atom groß der Seele wieder hinzugefügt werden, aber in der Materie des Fleischleibes befinden sich noch Seelenätherteile, die der Seele gehören und ihr wieder zugeführt werden müssen. (10.GEJ 9,15) Das grobe Fleisch verbrennt oder verwest und wird von Würmern oder anderen Tieren aufgefressen. „Da ist es dann ganz gleichgültig, von wem oder durch was“, sagt Jesus. „Was an ihm noch Substantielles und der Seele Angehöriges ist, das wird der Seele auch wieder gegeben; alles andere geht wieder als Nährstoff in tausend andere geschöpfliche Lebensformen über.“ (6.GEJ 53,11) „Das Fleisch… wird verwesen, übergehen in Würmer und Pflanzen und in deren Seelen, und es werden aus ihm ganz fremde Wesen, die dann ewig mit deiner Seele und mit deinem Geiste nichts mehr zu tun haben werden.“ (5.GEJ 237,12)

Zwar werden die Seelenätherteile des irdischen Leibes durch die Verwesung frei und vereinigen sich mit der Seele, aber der Fleischleib selbst verwest, wird verbrannt oder von Würmern aufgefressen, die wieder von anderen Tieren gefressen werden oder sie verwesen. Der Verbrennungs- und Verwesungsäther geht in Pflanzen oder Tierseelen über und durchläuft den ganzen Naturseelenentwicklungsprozeß, bis der ursprüngliche Fleischleib zu einem Bestandteil der Seele eines ganz anderen, zukünftigen Menschen geworden ist. Was aber an Seelenätherteilen zu der Seele gehört, die den Fleischleib einmal bewohnte, das wird von ihr aufgenommen. Sie werden nicht Bestandteil der lebendigen Seele, die ihrem Innern nach durch die Wiedergeburt zu einem puren Geist wird, sondern sie ergänzen die äußere Form oder den geistigen Leib und die Bekleidung der Seele. (10.GEJ 9,15)

„Während des Lebens auf dieser Erde“, sagt Jesus, „eignet sich die Seele aus ihrem Fleische das ihr Verwandte an und verkehrt es in ihr Wesen und eignet sich nach dem gänzlichen Abfalle des Leibes, und zwar aus dem Verwesungsäther nach und nach auch noch das ihr Entsprechende zu ihrer Bekleidung an.“ (8.GEJ 61,11)

Schon während des Erdenlebens geht aus dem Fleischleib manches der Seele verwandte in die Seele über, zur Bildung ihrer Form. Je mehr ein Mensch nach dem Willen und der Ordnung Gottes gelebt hat, umso mehr ist dabei in die Seele übergegangen. Ist nun eine Seele in ihrem Fleische sehr sinnlicher und begierlicher Natur gewesen, so konnte die Seele das zu ihr gehörende Seelische aus dem Fleische nicht aufnehmen, erst durch den Verwesungsprozeß kann es aus dem Fleisch frei und der Seele zugeführt werden. (4.GEJ 90,6)

Kein Geist kann in den Himmel eingehen, solange noch etwas im Erdkörper zurückgeblieben ist, was zu seinem Wesen gehört. Erst, wenn er den letzten Rest dessen, was ihm angehörte, veredelt und vergeistigt in sein Wesen aufgenommen hat, kann er in die erste Stufe des Himmelreiches eingehen. (EM 28,4) Jesus sagt: „Der Geist zwar an und für sich, als das Urprinzip des Lebens aus Mir, braucht freilich wohl nichts aus dem Erdkörper zu seiner Vollendung; aber seine formelle Wesenheit, die da ist die Seele, diese muß das wieder in sich vereinen bis auf das letzte Atom, was ihr einst aus der endlosen Fülle Meiner sie formenden Idee gegeben ward. Dieses Gegebene besteht in den endlos vielen Intelligenzpartikeln, welche natürlicherweise beim Absterben des Menschen nicht auf einmal flottgemacht werden können. Da sind Teile seines Leibes und Spezifika, die er Zeit seines Lebens ein- und ausgehaucht hat, auch alle Abfälle seines Leibes, seine Tränen, auch sonstige Auswürfe seines Leibes, sogar seine Kleidung, seine Behausung; kurz alles, was er irgendwann durch seine Kraft hervorgebracht und getan hat, das alles muß mit der Zeit als gewisserart ein geläutertes psychisches Spezifikum von der Psyche (Seele) aufgenommen werden, damit der Geist dann in sich selbst eine vollendete Beschauung und durch diese Beschauung eine klarste Rückerinnerung an alles das hat, was mit seiner kompletten Wesenheit vor sich gegangen ist.“ (EM 28,5) Wie beim fleischlichen Leib nicht das grob Materielle, sondern nur die Seelenätherteile, die sich im Fleisch befinden, der Seele zugeführt werden, so wird auch bei den materiellen Dingen, die ein Mensch einst auf Erden besessen hat, wie Kleidung und Behausung, nur das Ätherische in diesen Dingen, das zu ihm gehört, wieder mit ihm vereinigt. Das Ätherische ist durch die Ausstrahlung seiner Außenlebenssphäre (Aura) in diese Dinge hineingekommen, weil sie sein Besitz waren, den er geliebt hatte und mit dem er sich beschäftigte. Nach dem Tode des Besitzers einer Sache wird z.B. sein Haus in den Besitz eines anderen Menschen übergehen. Das Ätherische des verstorbenen Vorbesitzers wird nach und nach daraus frei und wird von seiner Seele aufgenommen. Vom neuen Besitzer strahlt nun Ätherisches von seiner Seele aus und geht in die Materie des Hauses über. Das Materielle selbst gehört nie den Besitzern einer Sache und wird nie in ihre Seele übergehen, denn sie werden in ferner Zukunft einmal zu einer ganz anderen Seele gehören.

Jesus sagt: „Das ist als etwas Sicheres und Wahres anzunehmen, daß bei einer reinen und nach Meinem Willen gelebt habenden Seele mehr von ihrem irdischen Leibe in sie übergehen wird denn bei einer unreinen und sündigen Seele; denn war ein keuscher Leib hier schon eine Zierde der Seele, so wird er es in einem verklärten geistigen Zustande sicher noch desto mehr sein.“ (8.GEJ 61,12)

Je mehr ein Mensch im Erdenleben nach dem Willen Gottes gelebt hat, umso schneller findet nach seinem Tode der Verwesungsprozeß statt. Wer diesen Weg der Vollendung im Jenseits eifrig weitergeht und nach kurzer Zeit in die brennende Liebe zum himmlischen Vater in Jesus übergeht, dessen Leib wird im Grabe verwandelt werden. „Ich sage dir“, sagt Jesus, „auch in den Gräbern geschehen Wunder, die von den Fleischaugen der Erdenmenschen nicht gesehen und beobachtet werden!“ (BM 188,16) Die Verwandlung selbst ist zwar nicht gesehen worden, aber als auf einem Züricher Friedhof wegen eines Straßenbaus eine ganze Reihe Gräber geöffnet werden mußte, fand man einige Särge völlig leer vor.

Es war von Adam angefangen des Menschen Bestimmung und Ziel, durch ein Leben nach Gottes Geboten, seine Seele und mit der Seele auch den materiellen Leib zu vergeistigen, so daß der Leib, ohne vorher zu sterben, verwandelt worden wäre. Aber da schon Adam sündigte, kamen das Leid und der Tod über die Menschheit. Der Tod des Leibes wird in der neuen Zeit nach und nach von der Menschheit weichen, denn es steht geschrieben: „Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein.“ (Off. 21,4)

Wir wissen, daß einige wenige Menschen die Verwandlung des Leibes während ihres Erdenlebens erlebt haben, unter denen sich Henoch, Elias und Maria, die Mutter des Leibes Jesu befanden. Auf welchem Wege das erreicht werden kann sagt uns Jesus: „Kindlein, dies merket: Wessen Liebe zu Mir so heftig und mächtig ist, als da ist die Liebe dieser drei, der wird auch schon im Leibe verwandelt durch die heftige Liebe zu Mir. So daß sein Fleisch vom Feuer seines Geistes alsbald zersetzt, geläutert und in das eigene Leben und Wesen des Geistes aufgenommen wird, ohne daß vorher der Leib gänzlich vom Wesen des Geistes getrennt zu werden braucht.“ (BM 188,10)

 

 

13. Das Erscheinen vor dem Richterstuhl Gottes

 

In der christlichen Religion besteht die Vorstellung, daß die Menschen nach ihrem leiblichen Tod wie bei einer irdischen Gerichtsverhandlung sofort vor Gott als dem Richter erscheinen müßten und dieser Gericht über sie halten würde. Nach dem Richterspruch Gottes würden sie dann entweder in den Himmel, ins Fegefeuer oder in die Hölle kommen.

Diese Vorstellung ist wohl so falsch nicht, kann aber nur als bildhaftes Gleichnis aufgefaßt werden. Jesus sagt: „Ich lasse Meine Sonne scheinen über Gute und Böse, Gerechte und Ungerechte gleich. Erst jenseits werden sich die großen Unterschiede zeigen, und ein jeder wird seinen Richter in sich tragen.“ (6.GEJ 164,12)

Jeder Mensch hat sich bereits im Erdenleben selbst gerichtet dadurch, daß er seinen göttlichen Geist im Herzen entweder verkümmern ließ oder aber ihn entwickelte. Das heißt, ein jeder Mensch gestaltet sich bereits auf dieser Erde seinen jenseitigen Zustand selbst. Dadurch kommt er dann in die Sphäre, welche seinem geistigen Entwicklungstand entspricht. Etwas Ähnliches wie eine irdische Gerichtsverhandlung vor Gott in einer Gerichtshalle findet nicht statt. Nach dem Hinübertritt ins Jenseits kommt eine Zeit, in der eine Seele alles das, was sie im irdischen Leben getan, gedacht und gefühlt hat, vor ihrem geistigen Auge, wie einen Film noch einmal erleben kann. Dabei muß sie dann den Schmerz, den sie einem anderen zugefügt hat, in der eigenen Seele selbst fühlen und sei es nur der seelische Schmerz gewesen, den der andere auf ein ungerechtes, hartes Wort hin empfunden hatte. Mit dem geistigen Fortschreiten kommt dann auch die Zeit, in der einer Seele alles, was sie falsch gemacht hatte, unendlich leid tut. Es kann aber auch sein, daß einer Seele auf die Sprünge geholfen werden muß, wenn sie noch nicht einsieht, was sie alles falsch gemacht hatte. Da wird ihr dann vom Führer- oder Schutzengel oder auch manchmal von Jesus selbst alles das vorgehalten, was sie falsch gemacht hat. Im Jenseits hilft kein Verstellen, kein Leugnen dessen, was jemand an Bösem getan hat, denn da fällt die Maske der Freundschaft vom Gesicht eines Heuchlers ab. Der Intrigant wird von seinem Opfer bloßgestellt, denn dieser weiß es längst, was der andere im Erdenleben gegen ihn unternommen hatte. Alles, was jemand getan, gedacht und gefühlt hat, ist in der Seele aufgezeichnet, und da eine vom materiellen Leibe freie Seele sozusagen ein vollkommenes Gedächtnis hat, kann sie sich an alles genau erinnern, selbst an den flüchtigsten Gedanken, den sie irgendwann einmal gedacht hat.

Ein in der jenseitigen Welt neu Angekommener wurde von einer früheren Bekannten begrüßt, der er vor ihrem Tode aus einer großen Not geholfen hatte. Als sie ihn mit sich nehmen wollte, um ihm von dem, was sie seit ihrer Ankunft im Jenseits erfahren hat, zu erzählen, zögerte er, denn er wisse noch nicht, wo er hingehöre.

„Das wirst du ganz von selbst erfahren“, sagte sie ihm, „komm jetzt nur mit.“

„Aber muß ich denn zu niemanden hin“, gab er zur Antwort, „gibt es kein…?“

„Ist es der Thron des himmlischen Gerichts, nach dem du suchst?“ fragte sie ihn.

„Ja“, sagte er, „denn im Augenblick weiß ich nichts über meine Lage, noch wohin ich mich wenden soll.“

Sie lächelte und sagte: „Mein Lieber, je schneller du die irdischen Vorstellungen ablegst, desto besser. Du hast die Halle des Gerichts schon durchschritten und zeigst seinen Spruch auf dem Gewand, das du trägst.“

„Durchschritten?“ fragte er, „Wo? Ich weiß nichts davon!“

„Vielleicht nicht“, sagte sie, „aber das Gericht liegt in jenen Nebelschleiern, aus denen du so viele hervorkommen siehst.“ (Zwischen der Welt der Materie und der des Geistes liegt ein Nebelschleier.)

„Bin ich dort hergekommen?“ fragte er.

„Ja“, sagte sie, „es ist die einzige Eintrittspforte zu diesem Leben!“

„Ich habe keine Erinnerung daran“, sagte er, „ich weiß nur, daß ich plötzlich hier aufwachte, wo wir jetzt stehen.“

„Das ist durchaus möglich“, gab sie zur Antwort, „denn du gehörst zu denen, deren Austritt aus der materiellen Welt so schnell vor sich ging, daß sie keine Erinnerung daran haben...“ (Er starb sofort bei einen Unfall.)

„Ich würde gerne noch etwas über jene ‚Halle des Gerichts‘ wissen“, fragte er. „Wenn ich sie ohne Bewußtsein passiert habe, wie konnte dann ein gerechter Spruch über mich gefällt werden?“

„Die Vorstellung von einem Richterstuhl ist ein Mißverständnis“, antwortete sie. „Man hat die Heilige Schrift an einer Stelle wörtlich ausgelegt, wo sie nur eine Parabel enthielt.“

„Meinst du damit, daß es diesen Ort überhaupt nicht gibt?“, fragte er aufs höchste überrascht.

Sie antwortete: „Ja, es ist ein Trugschluß, soweit man sich darunter ein Erscheinen vor den Schranken eines Gerichts und den Spruch durch eine Richterpersönlichkeit vorstellt. Der wirkliche Urteilsspruch vor dem Gericht Gottes ist viel gerechter und unfehlbarer. Kein Beweismaterial wird dabei verlangt, außer dem, das der Angeklagte von selbst anbietet. Erinnerst du dich an den Spruch, der über meinem Krankenbett hing? ‚Vor Gott besteht keine Täuschung, denn was der Mensch sät, wird er auch ernten‘. Gottes Gericht kann sich nicht irren, denn kein Mensch wird vor dieses gerufen, um als Zeuge über seinen Mitmenschen auszusagen… Wie töricht ist der Mensch, der angesichts des Todes, von Furcht getrieben glaubt, durch äußere Annahme irgend einer Glaubensform die bösen Taten seines ganzen Lebens ungeschehen zu machen und freien Eintritt zu erhalten in das Reich der ewigen Freude. Nein, wenn das Sterbliche abfällt, bildet sich aus der Substanz des Geistigen eine natürliche Hülle, deren Farbe von unseren Werken auf der Erde, unserer Haltung in der Vergangenheit bestimmt wird, nicht aber von unseren Lippenbekenntnissen. Und diese Farbe ist der gerechte Urteilsspruch, den die Seele kraft des unbestechlichen göttlichen Gesetzes über sich selber gesprochen hat.“ (1.RidU Seite 32-35) „Nur Taten und Gedanken reiner selbstloser Liebe haben Bestand vor diesem unbestechlichen Gericht, durch das wir alle hindurch müssen.“ (1.RidU Seite 150)

„Dann setzt ihr also die Taten über den Glauben?“, fragte er.

„Glaube ist nichts ohne Taten“, antwortete sie. „Jesus hat gelehrt: ‚Gott vergibt jedem nach seinen Werken‘, nicht nach seinem Glauben und nichts als Liebe und gute Taten können die Seele auf ihrem Weg in dieses Leben begleiten. Alle Glaubensformen zählen nach dem Hinübertritt nichts.“

„Wer kann dann gerettet werden?“, war seine Frage.

Sie antwortete: „Wir glauben, daß jeder Einzelne, als Kind Gottes, schließlich gerettet wird; und würde es einer nicht, so wäre es allein seine eigene Schuld.“

„Und warum?“, fragte er.

„Weil das Gericht kein endgültiges ist“, gab sie zur Antwort. „Es bestimmt nur die Stellung, die die Seele beim Eintritt in dieses Leben annehmen muß. Unbenommen bleibt ihr das Vermögen, sich höher zu entwickeln und die Hilfe derer anzunehmen, die immer bereit sind, anderen zu helfen, die noch nicht die gleiche Stufe erreicht haben wie sie. Der Richterspruch ist daher weder endgültig, noch rachsüchtig, er läßt jeden Bewährungs- und Gnadenweg offen.“

„Willst du damit sagen, daß es etwas wie eine Hölle nicht gibt?“, fragte er erstaunt.

„Keinesfalls will ich das sagen“, war die bestimmte Antwort. „Wir haben Höllen, deren Qualen weit schlimmer sind als deine Phantasie es ausmalen kann. Aber auch sie sind nur Purgatorien (Reinigungsorte) zur Reinigung der Seele und so ein Werkzeug der Liebe Gottes, wie du bald einsehen wirst…“ (1.RidU Seite 35)

„Das Gesetz der Liebe, das uns hier allein regiert, paßt sich jedem Einzelfall (eines Neuankömmlings) an, wobei nur das Ziel immer das gleiche bleibt: die größte Wirkung in jeder Hinsicht zu erzielen. Aus diesem Grunde prüfen die Wächter an der Nebelwand jede ankommende Seele, nicht um sie zu richten, sondern um ihnen so weit wie möglich zu helfen. Sie haben Erfahrung im Lesen der Charaktere, erfassen die seelische Entwicklung jedes Einzelnen und geben im Gedankenflug ihre Berichte an übergeordnete Stellen, die über die im Einzelfalle notwendige Hilfe entscheiden. In kürzerer Zeit, als ich jetzt zur Erklärung benötige, sind alle Vorkehrungen getroffen und einer oder mehrere Helfer ausgesandt, um den Neuankömmling zu empfangen.“ (1.RidU Seite 74-75)

Das „Gericht“ ließ ihn noch nicht los, und er stellte die Frage: “Wenn der Richterspruch sich nur nach unseren Taten auf Erden richtet, was hatte es dann mit der reichen Belohnung auf sich, die den Gläubigen so großzügig versprochen wird?“

„Bei diesem Gericht“, war ihre Antwort, „wird jede Handlung, jeder Beweggrund und was sonst dazugehört, in der ihm zukommenden Form gewogen und nach seinem Reingehalt beurteilt. Ist die Ursache einer wohltätigen Handlung aus reinem Eigennutz für den Spender entstanden, wird sie nach den Hintergedanken beurteilt und schlägt sich nicht auf der Waagschale des geistigen Lebens nieder. Großzügige Spenden für philanthropische (menschenfreundliche) Zwecke beispielsweise, die aus politischen oder anderen persönlichen Gründen gegeben werden, sind wirkungslos durch ihren Nutzen für den Spender. Der Bau einer Kirche oder eines Krankenhauses mit Geldern, die auf unmoralische Weise verdient wurden, wird ausgelöscht durch das Elend der Menschen, die das Opfer des Geldverdieners waren. Opferbereite Liebe dagegen, die Schmerz und Not aus Mitgefühl für den schwachen und unglücklichen Bruder lindern will, abseits vom Blick der Öffentlichkeit, die Bereitschaft, etwas zu geben, was man selber braucht, das Erdulden aller Widrigkeiten, bis Gott sie von selbst aufhebt, der Beistand für den Schwachen gegen den Starken – auch wenn er mit bösen Nackenschlägen verbunden ist –, die Bereitschaft, über nichts zu richten, wo nur die äußeren Umstände bekannt sind: das sind Dinge, die vom himmlischen Gericht mit einem ‚Wohl getan‘ belohnt werden. Du siehst, alle Menschen haben hier die gleichen Chancen, und diejenigen, denen auf der Erde Reichtum und Macht anvertraut war, tragen umso mehr Verantwortung.“

„Würdest du dann sagen, daß man den Besitz von Geld und Gut ablehnen soll?“ fragte er. „Durchaus nicht“, war die Antwort, „aber die Menschen sollten lernen, daß ihnen alles nur von Gott anvertraut ist und daß sie hier über Soll und Haben Rechenschaft ablegen müssen. Gott hat die Erde so eingerichtet, daß für jedes seiner Kinder genug da sein müßte, doch die Starken haben den Schwachen so viel genommen, daß Luxus auf der einen und Not auf der andern Seite herrschen. Vor dem himmlischen Gericht genügt es nicht, zu sagen, daß Geld und Gut auf ehrliche Weise verdient wurden. Gott hat uns aufgegeben, unsere Güter in Liebe zu unseren Nächsten zu verwenden. Nimm einen Mann, der sein Vermögen unter seine Kinder aufgeteilt hat. Würde er ruhig zusehen, wie der älteste Sohn den Teil des Jüngsten an sich reißt? Und sollte Gott weniger gerecht sein, als wir es von einem solchen Vater erwarten? Sicherlich nicht! Das Gesetz der Nächstenliebe gilt mehr vor Gott als das bürgerliche Recht und der Spruch seines Gerichts richtet sich nur danach, ob wir diese Liebe anwendeten oder nicht.“ (1.RidU Seite 36-37)

 

 

14. Die Unterschiede der geistigen zur materiellen Welt

 

Die Welt der Geister sieht im Prinzip genauso aus wie die materielle Erde. Auch die Geister haben einen gleich aussehenden Leib wie im Erdenleben. Deswegen merken viele Verstorbene nicht, daß sie nicht mehr auf der materiellen Erde, sondern auf der geistigen Erde leben. Alles was auf der Erde vorhanden ist, ist auch in der geistigen Welt vorhanden. Es gibt dort Steine, Gras, Blumen, Sträucher, Bäume, Hügel, Berge, Bäche, Flüsse, Seen, Meere, Boote, Schiffe, Häuser, Paläste, Kirchen, Dörfer, Städte und alle Tiere, wie sie auch auf der Erde leben. Und dennoch gibt es in der geistigen Welt große Unterschiede zur materiellen Welt.

In der jenseitigen Welt gibt es kein Zeitgefühl, denn der Wechsel von Tag und Nacht und der Jahreszeiten findet dort nicht statt. Auf der Erde können wir durch die Umdrehung des Planeten um sich selbst die Tage zählen. Die Tageszeit kann am Stand der Sonne geschätzt werden und natürlich haben wir modernen Menschen äußerst genau gehende Uhren, an denen wir die Zeit bis auf die Sekunde genau ablesen können. Durch die geneigte Achse der Erde und ihre elliptische Bahn um die Sonne ändern sich die Jahreszeiten und wir können die Jahre zählen. Durch diese Himmelsmechanik haben wir ein Zeitgefühl bekommen. Im Jenseits gibt es diesen regelmäßigen Wechsel der Zeit nicht. Zwar gibt es dort auch Tag und Nacht, Sommer- und Winterlandschaften, aber sie unterliegen keinem regelmäßigen Wechsel, sondern sie sind die äußeren Erscheinlichkeiten der inneren, geistigen Zustände ihrer Bewohner. So sind die Gegenden der Vorhölle und Hölle finster wie die Nacht auf der Erde. In den Winterlandschaften wohnen Geister, die kalt und selbstsüchtig berechnend waren und in ihrer Seele jegliches Mitgefühl ersterben ließen, deren Herz nicht gerührt wurde, wenn sie Not und Leid bei ihren Mitmenschen sahen.

Die Straßen in den Städten sind dort nicht mit Autos befahren, wie wir das gewohnt sind. Sie würden nicht funktionieren, genauso wenig wie auch alle anderen Maschinen. Und dennoch existieren dort auch Autos, denn ein Autoliebhaber kann auch im Jenseits nicht auf ein Auto verzichten. Er kann sich durch seine Gedanken und sein Wollen ein Auto herstellen. Es würde sogar fahren, aber nicht mit einem Motor, der mit Benzin angetrieben wird, sondern allein mit der Willenskraft dessen, der es ins Dasein rief. Aber niemand braucht im Jenseits ein Auto, denn will sich ein Geist irgendwo hinbegeben, so braucht er nur zu wollen und schon gleitet er los, ohne mühsam Schritt für Schritt seinen Körper schleppen zu müssen. Die Geister in den lichteren Sphären können auch mit großer Schnelligkeit durch die Luft schweben. Das können die Geister in den mehr dunklen Sphären nicht, da sie noch einen zu schweren Seelenleib haben. Die vollkommenen Geister aber können sich in einem Augenblick, ohne Zeitverlust an einen beliebigen Ort hin versetzen. Auf ihren Reisen sind sie keinerlei Beschränkungen von Raum und Zeit mehr unterworfen.

Die Jenseitigen sind mit keiner Lärmbelästigung durch Autos und Flugzeuge geplagt. Auf der Erde hören wir neben dem Auto- und Flugzeuglärm auch sonst ständig irgendwelche Geräusche. Wir hören das Surren von irgendwelchen Maschinen und Computern, Arbeitsgeräusche von Handwerkern, Geräusche von Schritten und Treppensteigen, Uhrenticken, Radio und Fernseher vom Nachbarn und dergleichen noch mehr. Im Jenseits sind diese Erdengeräusche nicht vorhanden, aber man hört dort die Stimmen von Menschen und Naturgeräusche wie Tierstimmen, das Säuseln des Windes, das Rauschen der Blätter am Baume, das Meeresrauschen oder das Plätschern eines Baches oder Flusses.

Viele Menschen haben die Vorstellung, daß die Geister im Jenseits schemenhafte Gebilde seien, die irgendwo im All herumschweben würden. Ihr Leib sei halb durchsichtig und man könne durch ihn hindurchfassen, weil er nicht so fest wie der materielle Leib sei. Das ist aber nicht der Fall. Die Geister sind nur für die Menschen, die in der Lage sind, Geister zu sehen, oftmals halb durchsichtig. Ihr eigener geistiger Leib ist für sie genauso fest, wie für uns der materielle. Geister können durch Materie, auch durch materielle Menschen, hindurchgehen. Aber durch Gegenstände und Geister, die der gleichen Sphäre angehören wie sie, können sie nicht hindurchgehen, denn diese Dinge sind für sie genauso fest, wie für uns die materiellen.

Die Geister können sich neben dem Sprechen auch telepathisch verständigen, selbst über große Entfernungen hinweg, wie auch wir uns mit Hilfe des Telefons mit weit entfernten Menschen unterhalten können. Wenn ein Geist in einer unbekannten Sprache spricht, so versteht ihn der andere durch Gedankenübertragung und weiß, was er gesagt hat.

In den lichten Sphären können die Geister bis in weitester Ferne klar sehen, denn es gibt dort keinen Dunst in der Luft wie auf der Erde. Will sich z.B. jemand ein fernes Gebäude genauer anschauen, so braucht er dazu kein Fernglas, denn das Gebäude vergrößert sich dann vor seinem Auge so groß, als wenn er durch ein Fernglas schauen würde. In den finsteren Sphären ist die Sicht wegen der Dunkelheit eingeschränkt. Aber es wird dort, selbst in der untersten Hölle, nie so finster, wie es auf der Erde finster sein kann und man die eigene Hand vor den Augen nicht sieht. Es sind immer, trotz der pechschwarzen Nacht, die Umrisse von Personen und der Umgebung zu erkennen.

Es ist die Frage gestellt worden, ob die jenseitigen Geister auch essen und trinken? – Die Antwort lautet Ja und Nein. Grundsätzlich müssen die Geister nicht essen, um am Leben zu bleiben, da sie natürlicherweise nicht sterben können. Aber sie können dennoch Hunger leiden, wenn sie keine Taten der Liebe ausüben, denn die Liebe ist das sättigende Brot für die Seele. Der Hunger und der Durst werden im Jenseits als Erziehungsmittel gebraucht und haben noch fast jede Seele zurechtgebracht. (JdS 7,12)

Die Höllengeister leiden unter großem Hunger und brennendem Durst. Aber was sie an ekelhaften Speisen haben und verzehren, vergrößert nur ihren Hunger, und was sie an Trank hinunterspülen, brennt ihnen wie Feuer in der Kehle und vergrößert ihren Durst. Die besseren Geister essen köstliche Früchte, denn mit diesen Früchten nehmen sie das zu sich, was aus ihrem verwesenden Erdenleib frei wird und dem Seelenleib hinzugetan werden muß. (6.GEJ 53,11; EM 28,11)

„Im Himmel der reinen Geister wird auch gegessen und getrunken“, sagt Jesus, „aber geistig und nicht materiell. Die geistige Speise aber besteht in der reinen Liebe und in der Weisheit aus Gott. Diese durchdringt die ganze Unendlichkeit und nährt alle die zahllosen Wesen.“ (7.GEJ 61,4) Im Himmel hält der Herr ab und zu das wahre Abendmahl mit seinen Kindern, bestehend aus Lamm, Brot und Wein. Diese Speisen werden aber nicht sinnlich fühlbar wie auf der Erde genossen, sondern sie werden als Sättigung und Belebung für den Geist empfunden. (2.GS 7,17) Durch dieses Mahl werden die Blicke in die unendlichen Tiefen der göttlichen Gnade erweitert und die Flamme der ewigen Liebe im Herzen fängt heller zu lodern an. (2.GS 8,15) Jesus sagt: „Wer einmal Mein Brot gegessen und Meinen Wein getrunken hat, den wird es weder hungern noch dürsten in Ewigkeit! Denn Mein Brot ist eine wahrhafte lebendige Speise, die, nährend Seele und Geist, sich im Magen deiner Seele stets von neuem wieder erzeugt. Ebenso ist auch Mein Wein ein rechter Trank, dem kein Durst mehr folgt. Daher könnt ihr ganz getrost hinausziehen, denn von nun an wird euch nimmer hungern und dürsten.“ (2.RB 280,10)

Im Erdenleben waren die Menschen durch ihren Erdenleib imstande, nur nach den materiellen Gesetzen zu leben. Die geistigen Gesetze beachteten sie zumeist zu wenig oder auch gar nicht. „Was sicher für ewig währt“, sagt Jesus, „das zu erreichen setzet alle eure Kräfte und Mittel in die vollste Bewegung; ums Irdische für den Leib aber sorget euch nur insoweit, als es vernunftgemäß nötig ist! Daß ein Mensch essen und trinken muß und seinen Leib schützen gegen Kälte und große Hitze, das ist eine ganz natürliche Sache; aber wer eben für den Leib mehr tut als für die Seele und am Ende gar für den Leib allein sorgt, dagegen für die Wohlfahrt der Seele gar nicht, die doch ewig leben soll, der ist ein wahrhaftigst blinder und überdummer Narr.“ (7.GEJ 222,15)

In der geistigen Welt, wo es nichts Materielles mehr gibt und die Seele den Außenleib darstellt, gelten nur noch die geistigen Gesetze. Das bedeutet, daß es dort nur noch um die geistige Entwicklung der Seele geht. Eine jede Seele kann dort nur in der Sphäre leben, die ihrer geistigen Entwicklungsstufe entspricht. Sie fühlt sich weder in einer tieferen, noch in einer höheren Sphäre wohl und könnte auch in einer höheren Sphäre nicht leben, wie auch ein Fisch nicht in der Luft leben kann. Eine geistig niedrigstehende Seele wird nicht durch Zwang in die Sphäre eingewiesen, die ihrer niederen geistigen Entwicklung entspricht, denn sie wird wie magnetisch von der ihr entsprechenden Sphäre angezogen. Ihr geistiger Leib ist noch zu schwer, um sich in die nächst höhere Sphäre erheben zu können, wie auch ein Schaf sich nicht wie ein Adler in die Luft erheben kann.

Einmal wurde es einem Mann, als er in die Welt der Geister kam, erlaubt, in den Himmel geführt zu werden, obwohl er ein schlechtes Leben geführt hatte. Er hatte die Engel beschimpft, als sie ihm helfen wollten und sagte: „Gott ist ganz und gar ungerecht. Er hat den Himmel für solche schmeichlerischen Sklavenseelen, wie ihr seid, bereitet, und das übrige Menschengeschlecht wirft er in die Hölle. Und dennoch nennt ihr Ihn Liebe.” Die Engel erwiderten: „Gewiß ist Gott Liebe. Er hat die Menschen geschaffen, daß sie für immer in seliger Gemeinschaft mit Ihm leben sollten; aber die Menschen haben sich in ihrer Hartnäckigkeit und durch den Mißbrauch ihres freien Willens von Ihm abgewandt und haben sich selber die Hölle bereitet. Niemals wirft Gott einen Menschen in die Hölle, sondern der in Sünde verstrickte Mensch schafft sich selber die Hölle. Gott aber schuf niemals eine Hölle.“

In demselben Augenblick vernahm man von oben die Stimme eines hohen Engels, welcher sagte: „Gott erlaubt, daß dieser Mensch in den Himmel geführt werde.“ Zwei Engel führten den Mann; aber als er den lichtdurchfluteten Ort und seine verklärten, seligen Bewohner sah, fühlte er ein Unbehagen. „Sieh nur“, sagten die Engel zu ihm, „was für eine schöne Welt das ist! Geh nur weiter und schau unsern teuren Herrn an.“ Da erblickte er den Herrn, und als er in der Sonne der Gerechtigkeit die Unreinheit seines sündenbeschmutzten Lebens erkannte, prallte er in heftigem Ekel über sich selbst zurück und floh mit solcher Überstürzung, daß er selbst in dem Zwischenstadium der Welt der Geister nicht haltmachte, sondern wie ein Stein durch sie hindurchflog und sich kopfüber in die abgrundlose Tiefe stürzte.

Da hörte man die milde, liebliche Stimme des Herrn, welche sagte: „Seht, meine Kinder, es ist niemandem verwehrt, hierher zu kommen, niemand hat es diesem Mann verboten oder ihn aufgefordert, fortzugehen. Sein eigenes unreines Leben zwang ihn, von diesem heiligen Orte zu fliehen; es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (Joh. 3,3). (GjW, Seite 41-43)

Solch eine Seele könnte dort die größere Lichtfülle genauso wenig ertragen, wie wir es nicht ertragen können, direkt in die Sonne zu blicken. Die Stärke der Lichtausstrahlung und das Aussehen des Seelenleibes und der Kleidung sind auch ein Gradmesser dafür, wie ein Mensch geistig an sich gearbeitet oder nicht gearbeitet hat. Die Kleidung ist umso heller, in je höheren Sphären eine Seele lebt. In den mittleren Sphären ist sie hellgrau, in den dunklen Sphären geht sie von dunkelbraun ins Schwarze über und ist geflickt oder sogar zerlumpt.

Der materielle Leib ist träge, weil er an sich tot ist. Wenn ein Mensch auf der Erde geistige Fortschritte oder Rückschritte macht, verändert er dadurch seine äußere Erscheinung nicht. Nur das Alter ist ihm anzusehen. Im Jenseits ist das anders. Dort verändert sich der Leib mit dem Alter nicht. Dort ist die Seele der Außenleib, und diese verändert sich im Aussehen je nach ihrer seelisch-geistigen Entwicklungsstufe. Je weiter ein Geist fortschreitet, umso schöner und jünger sieht er aus, bis er nach irdischem Alter gemessen etwa wie fünfzehnjährig aussieht wenn er die höchste Lebensvollendung erreicht hat. Dabei strahlt er einen Glanz aus, der stärker ist als der Glanz der Sonne am Mittag. Er ist dann ein Engel. Wenn ihn ein Geist einer niedrigeren Sphäre anschaut, so könnte er meinen, der Engelsgeist würde brennen, denn er sieht den ausstrahlenden Glanz wie Flammen aus ihm hervorlodern. Engel haben übrigens keine Flügel, denn auch die Engel waren einmal Menschen. Daß Engel mit Flügel dargestellt werden, auch in Visionen mit Flügeln gesehen werden, ist nur ein sinnbildliches Zeichen für die Schnelligkeit des Geistigen. (7.GEJ 56,7)

Ein Geist sieht umso häßlicher aus, je unvollkommener er ist. Ein Mensch, der mit starken seelischen Verletzungen ins Jenseits gegangen ist, kann einen entstellten Seelenleib haben, wie auch manchmal verkrüppelte Kinder, z.B. die Contergankinder, auf der Erde geboren wurden. Umgekehrt hat ein Mensch mit einem verkrüppelten Erdenleib im Jenseits einen vollständig normalen Seelenleib, wenn er ein gutes Erdenleben geführt hatte. „Eine Seele, die schon hier (im Erdenleben) pur Liebe war“, sagt Jesus, „sieht jenseits gleich allerreizendst, üppigst und somit der Form nach überaus vollendet aus. Eine geizige und sehr eigenliebige Seele sieht dagegen sehr mager aus; aber etwas Fleisch und Blut ist noch immer da, weil eine solche Seele doch noch wenigstens die Liebe zu sich selbst hat. Ein Selbstmörder aber ist auch dieser Liebe vollkommen ledig, und seine Seele muß daher notwendig als ein ganz dürres Gerippe im Jenseits erscheinen. Es kommt nun nur noch darauf an, ob als menschliches oder als irgendein tierisches Gerippe!“ (4.GEJ 152,4)

Diese Selbstmörderseelen werden Geistern übergeben, die über solche Gerippeseelen gesetzt sind und sie erziehen können. Mit viel Fleiß und Geduld erreichen sie es durch ihre Erziehung, daß diese Seelen wieder eine menschliche Gestalt bekommen. (JdS 4,15)

Bei ganz materiellen, genußsüchtigen, stolzen oder bösartigen Geistern haben sich Teile ihres Seelenleibes in Tierformen umgestaltet. Seelen, die sich auf das eine oder andere Sinnlich-Materielle zu sehr hinneigen und dadurch ein zu großes Übermaß der für ihre Seele nicht mehr tauglichen und nötigen Spezifika erlangen, bekommen in der geistigen Welt, sobald sie außer dem Leibe sind, eine Menge der seltensten und zumeist grausigsten Auswüchse. Stützköpfe (starrköpfige, widerspenstige Menschen) z.B. bekommen nach dem Maße ihrer Stützigkeit Geweihe oder Hörner, weil das noch eine tierische Eigenschaft ist. (EM 53,5) Einen Teufel stellen sich die Menschen auf der Erde mit Hörnern, Schwanz und Pferdefuß vor. Das ist durchaus realistisch. Solche und ähnliche Geister gibt es in den finsteren Sphären des Jenseits in allen Variationen. Die am tiefsten gesunkenen Geister haben ganz die Form eines Tieres angenommen und sind dabei oft kohlrabenschwarz. Da gibt es z.B. Seelen, die eine Affen-, Tiger- oder Krokodilsgestalt haben. Jesus sagt: „Die Tiergestalt hat darin ihren Grund, weil solche Menschen ihr wüstes Leben hindurch die feineren Menschenseelen-Spezifikalpartikel völlig vergeuden durch ihre Wollust (Herrschlust oder Grausamkeit) und nur die gröberen tierischen in resto (als Rest) behalten. – Bei diesem (von dem die Rede war) ist doch noch wenigstens die Affenseele geblieben. Aber da gibt es andere, die bis zu den scheußlichsten Amphibien sich ganz verpfuschen!“ (JdS 4,14) (Die vergeudeten Seelenpartikel) „sind nach der Abscheidung der Seele vom Leibe nicht mehr da, daher die Gestalt der Seele außerhalb des Leibes nur eine höchst unvollkommene sein muß.“ (EM 53,5) Allerdings erscheinen diese Seelen nur als Tierseelen, wenn sie im göttlichen Licht betrachtet werden. Sich selbst sehen diese verkümmerten Seelen noch immer so, wie sie sich auf der Erde gesehen haben. (JdS 6,10) Das ist ihre Phantasie, daß sie sich z.B. noch immer als vornehme Reiche oder Fürsten in glänzenden Palästen sehen, aber der Blick für ihre wahre, scheußliche Gestalt und Umgebung wird ihnen von Zeit zu Zeit aufgetan.

 

 

15. Das Erwachen in der anderen Welt

 

„Der Mensch bleibt nach dem Ablegen seines Erdenleibes“, sagt Jesus, „ganz derselbe Mensch mit Haut und Haaren, mit seiner Sprache, seinen Ansichten, Gewohnheiten, Sitten, Gebräuchen, Neigungen und Leidenschaften. Ebenso seine daraus hervorgehenden Handlungen, wie sie auf der Welt bei seinem Leibesleben stattfanden. Dies alles, solange er nicht die völlige Wiedergeburt im Geiste erlangt hat.“ (JdS Seite 8) Der Mensch ist kurz nach seinem Tode noch der gleiche Mensch, wie er kurz vor seinem Tode war, mit all seinen Gliedern, mit seinem Aussehen und all seinen Fähigkeiten. Man sagt auch: „Wie der Baum fällt, so bleibt er liegen.“ Das bedeutet aber nicht, daß die Menschen dann ewig so bleiben müßten, sobald sie in die geistige Welt eingetreten sind, denn auch ein Baum bleibt nicht ewig so liegen, wie er gefällt wurde. Ein guter Baum wird zersägt, abtransportiert und weiterverarbeitet. Ein schon halb morscher Baum wird liegengelassen und vermodert weiter, bis er sich im Laufe einer langen Zeit aufgelöst hat. So ist es auch mit den Menschen, wenn sie ins Jenseits gelangen, sie können in ihrer geistigen Entwicklung vorwärts oder auch rückwärts schreiten. Der gute Baum, der zersägt und weiterverarbeitet wird, entspricht dem Vorwärtsschreiten, wenn die Seelen sich von höheren Geistern und Engeln führen lassen. Der morsche Baum entspricht dem Rückwärtsschreiten, wenn die Seelen in eigensinniger Weise ihr gottwidriges Leben weiterführen wollen. Sie werden sehr lange Zeiten brauchen, bis sich ihr materieller Sinn aufgelöst hat. So setzt ein jeder Mensch im Jenseits sein Leben so fort, wie er es im Diesseits beendet hat.

Geistig vollkommenere Menschen, die an Jesus tatkräftig glaubten, werden des Fleisches Tod weder fühlen noch schmecken. „Denn wann Ich diesen die Türe ihres Fleisches öffnen werde“, sagt Jesus, „werden sie aus ihrem Fleische wie die Gefangenen aus ihren Kerkern heraustreten.“ (1.GEJ 48,8-9) „Aber zu den harten Weltmenschen, die entweder keinen Glauben haben oder, ob sie schon Glauben haben, dennoch nicht handeln darnach, wie sie der Glaube lehrt, werden weder Ich noch Meine Jünger kommen und ihnen nehmen völlig der Zweifel Nacht aus ihren Herzen. Wann aber über ihr Fleisch das Ende kommen wird, so sollen sie das Übel ihres Unglaubens und die Folgen der Nichtbeachtung Meiner Lehre in der Tat fühlen, während jene, die an Mich tatkräftig glauben werden, des Fleisches Tod weder fühlen noch schmecken sollen!“ (1.GEJ 48,8)

Wenn wir von Gott aus berufen werden, diese Welt zu verlassen, dann wird zuvor ein Engel Gottes in einem Augenblick alles dem Geiste Angehörige aus der Materie frei machen, die Materie der vollen Auflösung übergeben, die Seele aber und ihren inneren Lebensgeist, sowie alles, was in der Materie der Seele angehört, in vollkommenster Menschengestalt vereinigend in die reine Welt der Geister hinüberführen nach dem ewigen, unwandelbarsten Willen Gottes! (2.GEJ 195,2)

Menschen, die auf Erden schon geistig weit fortgeschritten waren, treten voll bewußt aus ihrem Leibe, während unvollkommene Seelen vor lauter Furcht auf Augenblicke bewußtlos werden. (4.GEJ 129,1) Menschen, die durch eine schwere Krankheit aus dem Erdenleben schieden, bedürfen eines Ruheschlafes, denn die Krankheit hat eine Erschöpfung ihrer Seelen verursacht. Sie müssen durch Engel aus dem Leibe gehoben und in ein Ruheheim gebracht werden, wo sie noch eine Zeitlang schlafen und sich erholen können. Wer einen starken Lebenswillen hatte und auf keinen Fall sterben wollte, bedarf nach seinem Hinübertritt auch des Ruheschlafes. Die unbeherrschte Trauer von Hinterbliebenen verursacht ebenfalls einen Ruheschlaf. (2.RidU Seite 26) Wachen sie dann auf, so stehen schon Verwandte und Freunde bei ihnen, die vor ihnen hinübergingen und die ihnen im Erdenleben viel bedeuteten, um sie willkommen zu heißen.

Es folgen nun einige Beispiele von Verstorbenen, wie sie in der geistigen Welt erwacht sind: In einem Zimmer eines jenseitigen Ruheheimes lag eine Mutter im Schlaf, umgeben von dreien ihrer Kinder, die vor ihr in die andere Welt gekommen waren. Religiöse Frömmelei und Unduldsamkeit der Verwandten hatte sie und ihren Mann auf Erden in großes Leid gestürzt, das sie tapfer ertrugen, um vor ihrem eigenen Gewissen zu bestehen. Ihr Leben war ein Übermaß an Entbehrung und Arbeit, aber auch an Liebe zu ihrem Mann und ihren Kindern gewesen. Jetzt lag sie hier – eine Heldin des Lebenskampfes, der schließlich ihre körperlichen Kräfte überstiegen hatte, liebevoll beobachtet von ihren Kindern, zwei Knaben und einem Mädchen, die in ihren weißen Gewändern wie Engel aussahen. Sie waren gerufen worden, weil das Erwachen kurz bevorstand. Wer es sich auf Erden verdient hat, wird bei seiner Ankunft oder nach seinem Erwachen in der geistigen Welt von lieben Verwandten oder Freunden in Empfang genommen. Nun war es soweit. Die Schläferin tat einen tiefen Atemzug, dehnte und streckte sich. Nach einem langen Seufzer schlug sie die Augen auf und einem Augenblick ungläubigen Staunens folgte ein „Mein Gott, wo bin ich…?“ „Mutter“, riefen alle drei Kinder zugleich, stürzten auf das Lager und schlossen die Erwachende in ihre Arme. – Wenig später wurde der Vorhang zurückgezogen und die Erwachte hinaus auf die Terrasse geführt, die Welt ihres neuen Lebens zu ersten Mal zu sehen. (1.RidU Seite 130)

Eine Frau, die auf Erden zwar nicht kirchlich und religiös sehr interessiert, aber ein Mensch mit viel Liebe war, berichtete aus dem Jenseits von ihrem Sterben: „Ich habe gehört, daß du Verbindung mit unserer Welt gefunden hast. Das ist sehr gut, denn nun weißt du, daß du nicht sterben wirst, sondern leben, und zwar in einem Leben, welches im Sinne des Wortes das einzig wahre ist. Was ihr auf der Erde ‚Leben’ nennt, verdient diesen Namen nicht. Es ist nur die Vorbereitung auf das wahre Leben, das erst hier in Erscheinung tritt, nachdem das zu Ende gegangen ist, was ihr für Leben hieltet. Ich freue mich deshalb, daß ihr darüber Bescheid wißt und nun das Sterben nicht mehr zu fürchten braucht.

Ich wußte davon leider nichts. Deshalb graute mir vor dem Sterben, und als es so weit war, hatte ich keinen Trost, wie er euch jetzt gegeben ist. Ich war im Zweifel, ob noch etwas darauf folgen werde, da ich mich wenig um die himmlische Welt gekümmert hatte, wie sie die Geistlichen verkünden. Deshalb war ich sehr unglücklich, als der Tod seine genau zu fühlende Hand nach mir ausstreckte. Das waren wirklich keine erfreulichen Stunden, und ich hatte große Furcht, daß es jetzt nun für immer zu Ende sei.

Als ich meine Augen schloß, sah ich sofort, daß das Leben weiterging. Ich erkannte meinen Mann, der neben meinem Bett saß und sehr traurig zu sein schien. Ich sah ganz deutlich meinen Leib, der unbeweglich im Bett lag. Auch hörte ich, wie mein hilflos weinender Gatte mit anderen sprach, ob das nun das Ende sei, da er immer noch geglaubt hatte, ich würde noch gesund werden. Ich sah das ganze Zimmer mit seiner Einrichtung, alles genau, wie es mir bekannt war.

Aber im nächsten Augenblick war das verschwunden, und ich befand mich in einer ganz anderen Umgebung. Helles Licht umleuchtete mich, und ich sah eine freundliche Gestalt in einem leuchtenden Kleid. Es war mein Schutzgeist, von dem ich natürlich nie etwas geahnt hatte, da ich mich mit solchen Dingen nie beschäftigt hatte. Er sagte mir, ich sei jetzt in der anderen Welt, und das erkannte ich auch alsbald.” (WTl Seite 23-24)

Viele Seelen erkennen nicht, daß sie gestorben sind, da sie zunächst in einer Phantasiewelt leben, die sich äußerlich genauso bildet, wie sie in ihrem Gedächtnis vorhanden ist. Ein Mann, der in einem Maklerbüro angestellt war, hatte sich dort eine Vertrauensstellung erworben. Eines Tages trat die Versuchung an ihn heran, indem man ihm Geld anbot, wenn er die Interessen seines Arbeitgebers verraten würde. Zunächst lehnte er ab, dann wurde er schwankend, und endlich willigte er ein, zwar nicht offen Verrat auszuüben, aber gewisse Anfragen auf so zweideutige Weise zu beantworten, daß damit derselbe Zweck erfüllt wurde. Als es herauskam, wurde er entlassen. Mit dem unrecht erworbenen Geld aber hatte er sich inzwischen ein Vermögen aufgebaut. Sein ganzes Streben war fortan darauf gerichtet, dieses Kapital Schritt für Schritt zu vermehren. Mitten aus diesem Streben riß ihn plötzlich der Tod eines Tages fort. Als er nach dem Hinübergang ins Jenseits aus seiner Bewußtlosigkeit erwachte, wunderte er sich zunächst über die fremdartige Umgebung, dann über sein eigenes Aussehen. Aber der Wunsch, in sein Büro zurückzukehren – wo ihn der Schlag getroffen hatte – war stärker als alles andere. Den erdgebundenen Seelen bleiben die Stätten ihres Erdaufenthaltes und die dort lebenden Menschen so sichtbar und wesenhaft wie zuvor, aber für die Erdbewohner sind sie selbst unsichtbar geworden. Allein dieser Umstand verhindert schon, daß sie sich ihres Todes bewußt werden.

Unser Mann kehrte also, von seinem eigenen Begehren unfehlbar geleitet, in sein Büro zurück. Dort stellte er fest, daß seine Abwesenheit offenbar doch von längerer Dauer gewesen sein mußte, denn viele ihm gar nicht genehme Veränderungen hatten sich zugetragen. Die schlimmste davon war, daß sich sein Prokurist in seinem Privatbüro eingenistet hatte und dort offenbar völlig ohne Rücksicht auf ihn selbst die Geschäfte führte. Energisch verlangte er eine Erklärung, aber der Prokurist schien taub und blind, er beachtete ihn überhaupt nicht. Unser Mann tobte, schrie und sprach auch die anderen Mitarbeiter an, aber auch sie beachteten ihn nicht. Voller Wut stürmte er schließlich nach Hause. Aber dort erging es ihm eher noch übler, denn er stellte fest, daß seine Angehörigen ihn offenbar als tot betrachteten. In seiner völligen Verwirrung sprach ihn sein Schutzgeist an, aber er ließ sich nicht davon abbringen, an die Stätte seines Erdenwirkens zurückkehren, um sich für die vermeintliche Schmach rächen zu können. Die Schutzgeister können solchen Seelen nicht eher helfen, als bis sie ermüdet und ausgelaugt selber darum bitten. (2.RidU Seite 60-61)

Bei einem geistig weit fortgeschrittenen Menschen besteht nach seinem Tode keine Anziehungskraft seines Leibes auf seine Seele mehr und er selbst hat auch keine Sehnsucht auf eine Rückkehr in seinen Leib. Aber bei Seelen, die sehr an ihrem irdischen Leben gehangen haben, ist das anders. Bei ihnen besteht noch eine magnetische Anziehungskraft des Leibes, und die Seelen wollen wieder in ihren Leib zurück. Deshalb werden solche Seelen von den Engeln möglichst rasch von ihrem toten Leib weggebracht. Doch manche törichte Seelen wollen das nicht und bleiben bei ihrem Leibe. Da werden sie wieder wie magnetisch in ihren Leib hineingezogen und wollen ihn wieder beleben, was manchen auch gelingt. In solch einem Fall spricht man vom Scheintod. Noch schlimmer steht es mit äußerst genußsüchtigen und selbstsüchtigen Menschen. Da ist die Anziehungskraft ihres Leibes so stark, daß die Seele ihn gar nicht verlassen kann. Da müssen sie miterleben, wie ihr Leib verwest oder sie müssen die Qualen des Verbrennens miterleben. „Hat eine Seele (während ihres Erdenlebens) …zu viel Materielles aus ihrem Leibe in sich aufgenommen“, sagt Jesus, „so erreicht der Leibestod auch sie, und sie muß mit dem Leibe verwesen und dann erst nach mehreren Erdenjahren als natürlich höchst unvollendet erwachen, wo es ihr dann sehr schwer wird, sich in ein höheres Licht emporzuschwingen, weil ihr alles ein finsteres Erdending ist, in dem wenig Leben und viel Finsternis in allen Winkeln rastet.“ (4.GEJ 90,7)

Im folgenden Bericht können wir miterleben, wie es jemandem erging, der zunächst an seinen toten Körper gebunden blieb: „Auf der Welt war ich darauf aus, mir den höchsten Grad an weltlichen Genüssen zu verschaffen. Dann, plötzlich, wie der Dieb in der Nacht kam für mich der schreckliche Tag, an dem ich ohne Warnung, mir zuvor noch über meinen Seelenzustand klar zu werden, unerwartet dem Leben entrissen wurde, und in jenen Tod des Körpers versank, der uns alle erwartet.

Ich wußte nicht, daß ich gestorben war. Ich verfiel nach einigen Stunden des Leidens und der Agonie in tiefen, traumlosen Schlaf – und als ich erwachte, befand ich mich allein in totaler Finsternis. Ich konnte mich erheben, mich bewegen; sicherlich, es ging mir besser. Aber, wo war ich? Warum diese Finsternis? Ich erhob mich und tastete umher wie jemand in einem finstern Raume, aber ich konnte kein Licht finden, keinen Ton hören. Nichts war da als die Stille, die Finsternis des Todes.

Dann wollte ich vorwärts schreiten, um die Tür zu finden. Ich konnte mich, wenn auch langsam und mit Mühe bewegen und tastete mich weiter. Wie lange ich so suchte, weiß ich nicht. Es schienen mir bei der immer größer werdenden Angst und Bangigkeit Stunden zu sein. Ich fühlte, ich mußte irgend jemanden, irgendeinen Ausgang aus diesem Raume finden. Doch zu meiner Verzweiflung schien es, als ob ich niemals auf eine Tür, eine Wand, überhaupt auf etwas stoßen sollte. Alles schien Raum und Finsternis um mich her.

Zuletzt, von Furcht übermannt, schrie ich laut auf! Ich brüllte, aber keine Stimme antwortete mir. Wieder und wieder rief ich, aber immer nur Schweigen; kein Echo, nicht einmal das meiner eigenen Stimme kam zurück, um mich aufzumuntern. Dann dachte ich an alle die Freunde, welche ich gekannt hatte und rief nach ihnen. Keiner jedoch antwortete mir.

Als ich aufschaute, war ich hocherfreut zu sehen, daß meine Geliebte zu mir zurückgekehrt war. Sie stand nahe bei mir und sah so aus, wie ich sie auf Erden gekannt hatte; nur war sie bleich und traurig und ganz in Schwarz gekleidet. Um sie schwebte ein schwacher, fahler Lichtschimmer, bei dessen Schein ich bemerken konnte, daß sie weiße Blumen in den Händen trug. Sie beugte sich über einen niederen Hügel von frischer Erde.

Ich näherte mich ihr immer mehr und gewahrte, daß sie leise weinte, als sie die Blumen niederlegte. Sie kniete nieder und ich näherte mich ihr ganz, wenn ich sie auch nicht berühren konnte. Als ich mich ebenfalls auf die Knie niedergelassen hatte, blickte ich nach jenem länglichen niederen Hügel. Ein Schrecken durchschauderte mich, denn ich wußte nun endlich, daß ich gestorben und dies mein eigenes Grab war.

„Tot! Tot!” schrie ich wild auf. Ach nein, es konnte nicht sein. Die Toten fühlen nichts mehr; sie werden zu Staub; sie vermodern, und alles ist aus, alles ist für sie verloren. Sie haben kein Bewußtsein mehr, – es sei denn, daß meine ganze Lebensphilosophie falsch gewesen ist und die Seele des Verstorbenen weiterlebt, wenn auch der Körper zerfällt.

Die Priester unserer Kirche hatten uns zwar so gelehrt, aber ich hatte sie als Narren, Blinde und Schelme verspottet, die nur ihres eigenen Vorteils willen behaupteten, daß der Mensch weiterlebe und die da sagten, daß wir in den Himmel nur durch eine Pforte gelangen könnten, zu der sie die Schlüssel allein in Händen hätten: Schlüssel, welche nur auf die Bitte derer in Bewegung gesetzt wurden, die zuvor gut bezahlt hatten. Nur für Geld verstanden sich die Priester dazu, für die abgeschiedenen Seelen Messen zu lesen. Jene Priester, welche aus eingeschüchterten Frauen und geistesschwachen Männern Narren machten, die dann eingeschüchtert durch grauenhafte Erzählungen von Hölle und Fegefeuer, alles dahingeben, um ein illusorisches Vorrecht in jener Welt zu erwerben.

Nach diesen verlangte mich nicht. Ich kannte diese Priester und das Privatleben vieler von ihnen zu genau, als daß ich ihren leeren Versprechungen von einer Vergebung, die sie nicht gewähren konnten, hätte Glauben schenken mögen. Ich hatte gesagt, ich wollte dem Tode, wenn er käme, ins Antlitz schauen mit dem Mute derer, die zu wissen glauben, daß er vollständige Vernichtung bedeutet.

Als ich auf jenen Erdhügel näher hinsah, wurde er vor meinen Augen durchsichtig, und ich erblickte unten einen Sarg mit meinem Namen und dem Datum meines Todes. Darin liegend, sah ich die weiße, stille Gestalt, die ich als meine erkannte. Zu meinem Schrecken bemerkte ich, daß dieser Körper bereits begonnen hatte, zu zerfallen, und für das Auge ein ekelhafter Anblick geworden war. Seine Schönheit war dahin, seine Gesichtszüge würde bald niemand mehr erkennen. Und ich stand da, bewußt herabschauend auf ihn und dann auf mich selbst! Ich fühlte jedes Glied, folgte mit den Händen jedem vertrauten Zuge meines Gesichts und wußte, daß ich gestorben war und dennoch lebte. Der Tote lebte – aber wo und in welchem Zustande? War diese Finsternis die Hölle?

Dann redete ich zu meiner Geliebten und nannte sie bei ihrem Namen. Ich erzählte ihr, daß ich da sei, noch bei Bewußtsein und noch derselbe, obgleich ich gestorben wäre. Sie jedoch schien mich weder zu hören noch zu sehen. Sie weinte traurig und ging dann langsam und traurig hinweg.

Mit aller Gewalt suchte ich ihr zu folgen. Vergebens! Ich konnte mich nur wenige Schritte von meinem Grabe und meinem Körper entfernen und bemerkte auch, weshalb. Eine Kette wie von schwarzem Seidenfaden, nicht dicker als ein Spinngewebe, hielt mich an meinem Körper fest. Es gelang mir nicht, diesen Faden zu zerreißen. Sobald ich mich bewegte, dehnte er sich wie Gummi, aber immer zog er mich wieder zurück. Was aber das Schlimmste war: ich begann jetzt zu fühlen, daß die Verwesung des zerfallenden Körpers meinen Geist angriff, – wie ein irdischer Körperteil, der vergiftet ist, den ganzen Körper in Mitleidenschaft zieht. Ein neuer Schrecken befiel damit meine Seele.

Da sprach die Stimme irgendeines erhabenen Wesens in der Finsternis zu mir: ‚Du liebst jenen Körper mehr als deine Seele. Gib nun acht, wie er in Staub zerfällt, und erkenne, für was du so sehr sorgtest und woran du so sehr hingst. Erkenne, wie vergänglich er war, wie wertlos er geworden ist; und dann blicke auf deinen geistigen Körper und siehe, wie sehr du ihn ausgehungert, gefesselt und vernachlässigt hast zugunsten der Genüsse des irdischen Leibes. Sieh, wie ärmlich, abstoßend und verunstaltet nun deine Seele, durch dein irdisches Leben geworden ist, die doch unsterblich, göttlich und ewig dauernd ist!’

Ich betrachtete mich nun selbst. Wie in einem Spiegel, der mir vorgehalten wurde, sah ich mich. O Schrecken! Es war kein Zweifel, das war ich selbst. Aber wie schrecklich verändert erschien ich mir, so gemein, so voll von Niedrigkeit, so abstoßend in jedem Zuge. Selbst meine Gestalt war entstellt. Ich prallte vor meiner Erscheinung entsetzt zurück und wünschte, daß die Erde sich unter meinen Füßen öffnen und mich für immer vor aller Augen verbergen möchte.

Meine Verzweiflung, meine Qual waren unbeschreiblich. Ich schrie wild auf, schlug mich selbst und raufte mein Haar in ungestümem Entsetzen über mich selbst. Dann erschöpfte mich meine Leidenschaft und ich brach noch einmal gefühl- und bewußtlos zusammen.“ (WLG Seite 17-26) So ergeht es denen, die auf Erden ihren sterblichen Körper mehr liebten, als ihre ewig lebende Seele.

Wie gestaltet sich der Übertritt aus dem materiellen ins geistige oder sogenannte jenseitige Leben bei den weltlich Großen? „Dieser Übertritt ist sehr leicht und ganz natürlich zu beschreiben“, sagt Jesus. „siehe, welchen Unterschied macht wohl das Wasser, so entweder ein großer oder ein armer, unbeachteter Mensch hineinfällt? Höre, beide ertrinken auf die ganz gleiche Weise! Oder welchen Unterschied macht das Feuer? Höre, es verzehrt den Kaiser so gut wie den Bettler! Wenn ein Bettler und ein Minister oder Kaiser von einem Turme fielen zur selben Zeit, so wird der eine so gut wie der andere seinen Tod finden durch den jähen Fall.

Welchen Unterschied wohl macht das Grab zwischen groß und klein, zwischen reich und arm, zwischen schön und häßlich oder jung und alt? Siehe, gar keinen! Alles verwest und wird zum Unflate der Würmer und endlich zum nichtigsten Staub. Wie es aber dem Leib im Reiche der sogenannten Naturkräfte ergeht, ebenso ergeht es auch der Seele im Reiche der Geister. Ob sie auf der Welt Bettler oder Kaiser war, das ist im Geisterreich vollkommen gleich. Da wird niemandem eine sogenannte Extrawurst gebraten, auf daß niemandes Eigendünkel genährt werde und der Große nicht mehr von seiner Größe und der Arme nicht mehr von dem Anspruch aufs Himmelreich – da er auf der Welt viel Not gelitten – und der Fromme nicht mehr von seinem „Verdienst ums Himmelreich“ geblendet werde. Wie aber schon öfter gesagt, drüben – wohlverstanden! – drüben gilt nichts als nur die reine Liebe (zu Gott und dem Nächsten).

Alles andere aber ist wie ins Meer geworfene Steine, wo der Diamant gleich dem gemeinsten Sandstein in den ewigen, stinkenden Schlamm versinkt. In sich bleiben sie zwar wohl, was sie sind und was sie waren außerhalb des Meeres, – aber das Los beider ist gleich, höchstens mit dem Unterschied, daß der Sandstein eher aufgelöst wird als der Diamant.

Also ist es jenseits auch mit dem diesweltlichen Adel oder mit der diesweltlichen Geringheit. Diese werden sich im Meeresschlamme der unerbittlichen Ewigkeit wohl in ihrer Einbildung noch lange als das dünken, was sie auf der Welt waren. Der Kaiser wird dort sich noch als Kaiser dünken und der Bettler – mit dem Anspruch auf Vergeltung – als Bettler. Aber dessenungeachtet werden in der großen Wirklichkeit dennoch beide miteinander im Meeresschlamme der Ewigkeit ein gleiches Los teilen. Nur dürfte der Arme eher in die Gärung kommen – und sein Wesen daher auch eher von den wahren, innersten Demutsbläschen angefüllt werden, die ihn dann aus dem Schlamme ziehen und hinauftragen zum ewigen Licht und Leben – als der Kaiser oder ein sonstiger Weltgroßer.

Nach diesem Muster oder nach dieser Kardinalregel könnt ihr den Hintritt eines jeden Menschen genau beurteilen. Haltet euch daher an die Liebe, auf daß ihr dereinst nicht des allgemeinen Loses teilhaftig werdet!“ (JdS Seite 11-12)

Nun folgen einige Beispiele von in der Welt hochgestellten Personen. Ein in der Welt äußerst berühmter Mann liegt auf seinem Krankenlager, voll Verzweiflung und Furcht ob der herbeigekommenen letzten Stunde, der zu entgehen sich für ihn auch nicht die leiseste Hoffnung mehr herausstellt.

Dieser Mann vertrat die politischen und kirchlichen Interessen seiner Nation solcherart, daß seine Äußerungen auf der ganzen Erde vernommen und pro und kontra besprochen und beschrieben wurden.

In einer Art dumpfer, schmerzlichster Verwirrung sieht er – als heimlicher Atheist – bald die ewige Vernichtung seines Daseins, bald fühlt er wieder vermeintliche Schmerzen der Verwesung, darum er sich auch die Einbalsamierung testamentarisch bedingt, – und daß er im Grabe nimmer erwache, müssen Herz und Eingeweide von seinem Leibe getrennt werden… Aber mitten unter solche vernichtende Gedanken mischt sich auch der Katholizismus mit seinen scharfen Höllenandrohungen, über die der Mann bei sich freilich gelacht hatte, solange er noch hundert Jahre zu leben wähnte. Aber sie kehren nun wie leicht entflohene Furien zurück und peinigen das sich so mancher großen Schuld bewußte Gemüt unseres Sterbenden ganz entsetzlich, und es können sein Gemüt weder die Kommunion noch die Ölung, noch die ununterbrochenen Gebete und vielen Messen und das starke Glockengeläut beschwichtigen. Nur stets gräßlicher und stets ewiger sieht seine Seele die Flamme des Pfuhls emporschlagen. Und die Seele, von allen Seiten von höchster Angst bedrängt, sucht noch in den letzten Atemzugsperioden ein Trostfünklein in den schon tot werdenden Furchen des Herzens, das einst soviel irdischen Mut hatte. Aber da ist es überall leer und statt des Trostes starrt ihr überall entweder die ewige Vernichtung oder die Hölle mit all ihren Schrecken entgegen.

Jenseits stehen drei verhüllte Engel am Lager des Sterbenden und der eine Engel spricht zum anderen: „Bruder, ich meine, für den ist es irdisch vollbracht. Auf dieser Dornhecke werden irdisch wohl nimmer Trauben zum Vorschein kommen. Sieh, wie sich seine Seele krümmt und windet und keinen Ausweg findet und wie gar so verkümmert der arme Geist in ihr aussieht! Daher greife du mit deiner Hand in die schon starren Eingeweide und entwinde diese gar jämmerlich elende Seele aus ihrer Nacht, und ich werde sie in des Herrn Namen anhauchen und sie erwecken für diese Welt.“

Als der Gestorbene jenseits die Augen aufschlägt und ganz erstaunt um sich schaut, sieht er nur den dritten Engel und fragt ihn: „Wer bist du? Und wo bin ich? Und was ist mit mir vorgegangen?“

Antwortet der Engel: „Ich bin ein Bote Gottes, des Herrn Jesu Christi, bestimmt, dich zu führen, so du willst, des Herrn Wege. Du aber bist nun für ewig gestorben für die äußere, materielle Welt körperlich und befindest dich nun in der Geisterwelt.

Hier stehen dir zwei Wege offen: der Weg zum Herrn in den Himmeln oder der Weg zur Herrschaft der Hölle. Es kommt nun ganz auf dich an, wie du wandeln wirst. Denn siehe, hier bist du vollkommen frei und kannst tun, was du willst. Willst du dich leiten lassen von mir und mir folgen, so wirst du wohl tun. Willst du aber lieber dich selbst bestimmen, so steht es dir auch frei. Aber das wisse, daß es hier nur einen Gott, einen Herrn und einen Richter gibt – und dieser ist Jesus, der in der Welt Gekreuzigte! Auf Diesen allein halte, so wirst du zum wahren Licht und Leben gelangen. Alles andere aber wird sein Trug und Schein deiner eigenen Phantasie, in der du nun lebst und von mir dieses vernimmst!“

Darauf spricht der Erwachte: „Das ist ja eine neue Lehre und ist wider die Lehre Roms, also eine Ketzerei! Und du, der du sie mir hier an einsamem Orte aufdrängen willst, scheinst eher ein Abgesandter der Hölle als des Himmels zu sein; daher entferne dich von mir und versuche mich fürder nicht!“

Und der Engel spricht: „Gut, deine Freiheit enthebt mich in des Herrn Jesu Namen meiner Sorge um dich. Daher werde dir dein Licht; es sei!“

Darauf entschwindet der Engel, und der Neuerwachte tritt in seine naturmäßige Sphäre und ist so wie unter seinen Bekannten in der Welt und erinnert sich kaum mehr, was da mit ihm vorgefallen ist, und lebt nun – freilich schimärenhaft – wie auf der Welt, tut fort, was er auf der Welt tat, und kümmert sich wenig weder um den Himmel noch um die Hölle und noch weniger um Mich, den Herrn. Denn das alles sind bei ihm drei vage Lächerlichkeiten gleich einem Traumgebilde, und jeder ihn daran Erinnernde wird aus seiner Gesellschaft gewiesen. (JdS 1,1-17)

Der adelige Feldherr, von dem schon die Rede war, wurde wegen seiner sehr starken Schmerzen vor seinem Tod sehr zornig. Nach seinem Erwachen in der geistigen Welt erhebt sich eine dunkelaschgraue, schmählichst verkümmerte Seele und schaut sich verwirrt und noch immer zornig um. „Wo bin ich denn?“ spricht nun der Held. „Welcher Teufel hat mich denn hierher gebracht? Nichts, und abermals nichts! Wohin ich schaue, ist überall nichts. Da seht, auch unter mir ist nichts!

Bin ich denn ein Nachtwandler – oder träume ich? – oder sollte ich denn wirklich gestorben sein? Ah, das ist ja doch ein verflucht dummer Zustand! Ich bin zwar recht gesund nun und fühle keinen Schmerz, erinnere mich an jede Kleinigkeit meines ganzen Lebens, – ich war ja höchst krank; ich habe die dummen Ärzte gemustert, die zwei Heuchler zum Teufel verscheucht und habe auch, natürlich ob des zu starken, unerträglichen Schmerzes, dem Schöpfer einige derbe Grobheiten in meiner Aufwallung ins Gesicht gesagt, – alles dessen erinnere ich mich sehr wohl! Auch weiß ich, daß ich sehr zornig war und hätte alles zerreißen können vor Wut. Aber nun ist mir alles vergangen. Es wäre alles recht, wenn ich nur wüßte, wo ich so ganz eigentlich bin und was da mit mir vorgegangen ist?!

Es ist wohl etwas licht um mich; aber je weiter hinaus ich meine Blicke richte, desto finsterer wird es, und ich sehe nichts, nichts, nichts und abermals nichts! Das ist doch verflucht! Wahrlich, wer da nicht des Teufels wird, der wird es in Ewigkeit nimmer!“

Da der Feldherr nichts und niemanden um sich hat, wünscht er sich ein Menschlein als Gesellschafter herbei und meint, daß er für ein Menschlein gemeinsten Standes den Feldherrn mit seinen fünf Dutzend Großahnen vergessen könnte. Nun spricht er: „Wenn ich aber nur erfahren könnte, wo ich denn so ganz eigentlich bin?! Wenn die Sache noch lange dauern sollte, da dürfte einem dieser Zustand so hübsch verdammt langweilig werden! Hab‘ ja einmal von einem Gott etwas gehört, – will mich doch einmal ernstlich an ihn wenden. Hab‘ freilich ehedem mich etwas barsch benommen gegen ihn; aber er wird mir das, so er irgend einer ist, ja nicht so übel anrechnen. – Heda, mein Gott, mein Herr! So du irgend bist, hilf mir aus dieser sonderbar fatalen Lage!“ Sogleich steht ein Engel vor ihm und spricht: „Freund, in dieser Lage wirst du so lange verbleiben, bis der letzte Tropfen deines Hochmutes aus dir hinausgeschafft sein wird und dadurch bezahlt der letzte Blutstropfen von dem Blute, das du an vielen Tausenden deiner Brüder vergossen hast! Wirf all deine feldherrlichen Insignien von dir, und du wirst dann Boden und mehr Licht und auch Gesellschaft finden, – aber hüte dich vor deinesgleichen, sonst bist du verloren! Vor allem aber wende dich an den Herrn, so wird dein Weg kurz und leicht sein, amen.“ Diesen Rat befolgt der Feldherr jetzt noch nicht. Daher verläßt ihn der Engel, und er wird noch einige hundert Jahre in diesem Zustand verbleiben, bis er bereit ist, seinen Hochmut abzulegen. (JdS 6,11-18)

Ein adeliger Minister, dem alle Welt huldigte ob seiner Weltklugheit, wurde in seinem bedeutenden Alter aufs Krankenlager geworfen, das ihn einen halben Monat folterte und das umso ärger, je mehr Arzneien er zur Behebung seiner Krankheit einnahm. Am sechzehnten Tage versank er in eine Betäubung, aus der er auf dieser Welt nicht mehr erwachte, außer auf eine Stunde kurz vor seinem Ende, in welcher er noch sein Testament machte, was mit seiner großen Habe geschehen sollte. In diesem gedachte er, wie meistens bei solchen Menschen, nur sehr spärlich der Armen. Der Kirche ward mit einer Stiftung gedacht, aber nicht aus seinem Glauben heraus, denn Glauben hat solch ein Mensch entweder nur selten oder gar keinen, sondern nur, weil so etwas der politische Gebrauch erfordert. Er starb, ohne vorher gebeichtet und kommuniziert zu haben, auf welchen Akt er aber für sich ohnehin nichts hielt.

Im Jenseits steht der Minister in seinem kompletten Staatskleide vor vier verhüllten Engelsgeistern. Der Ort stellt genau sein Staatskabinett vor, in welchem er noch Wichtiges zu besorgen und zurechtzubringen sich vorgenommen hatte.

Er ersieht nun genau die vier in seinem Geheimkabinett und kann sich vor Ärger kaum fassen über die entsetzliche Keckheit dieser vier „Gauner“ nach seiner Ansicht. Er springt auf und ergreift die Klingel und will läuten, aber die Klingel gibt keinen Ton.

„Verrat! Hochverrat!“ schreit er aus vollem Halse. „Wie kamt ihr elenden Wichte in dies nur mir allein zugängliche Gemach, in welchem des Staates geheimste und heiligste Mysterien bearbeitet und aufbewahrt sind?! Wißt ihr, daß auf solch einen Hochverrat der Tod gesetzt ist?! Wer von euch hat diese Klingel entschwengelt, daß sie nun in diesem entscheidendsten Moment keinen Schall von sich geben kann? Bekennet es, ihr Verruchten, wer von euch war der Rädelsführer?!“

Der erste Engel spricht: „Höre in Geduld tiefst aufmerksam, was ich dir nun künden werde! Wohl weiß ich die gute Ordnung, derzufolge auf der Welt kein Mensch, außer dem König nur, in dies Gemach treten darf. Wärest du noch auf der Welt, da hättest du uns auch nicht an dieser Stelle erblickt. Aber siehe, du bist nun dem Leibe nach gestorben und bist jetzt in der Geisterwelt, wo es nur einen Herrn gibt, während alle andern Geister Brüder sind, gute und schlechte, je nachdem sie auf der Erde gehandelt haben entweder gut oder böse. Also haben wir auch vom Herrn das stets liebepflichtige Recht, jedermann zu besuchen und ihm unsere Dienste anzubieten, wenn er, wie du, für uns noch zugänglich ist.

Darin aber besteht eben auch des einigen Herrn Auftrag an dich durch uns, daß wir dir eben solches künden sollen und auch eröffnen, daß hier in dieser ewigen Welt für dich alle weltliche Ehre und Stellung aufgehört hat samt aller Politik; und dies Gemach, dein Kleid und alle diese deine vermeintlichen wichtigsten Staatspapiere sind nur Trug und Ausgeburt deiner noch überstark an der Welt hängenden Phantasie und werden verschwinden, sobald du uns folgen wirst. – Wirst du uns folgen, da wirst du einen leichten Weg in das wahre, ewige Lebensreich haben, alldort es Seligkeiten gibt ohne Maß und Zahl; wirst du uns aber nicht folgen, da wirst du einen überharten Stand haben, zum Gottes-Lebensreiche zu gelangen! Denn siehe, du warst auf der Welt wohl mit Gottes Zulassung ein großer Mann und hattest eine große Macht; durch diese Macht ist aber bei dir auch gar mächtigst die Herrschliebe erwacht, die dich zu manchem geführt hat, das da nicht gegründet war in der göttlichen Ordnung. Auch hat dir diese Weltgewalt als Herrschlust auch den Glauben an den Herrn und vielfach die Liebe zum Nächsten genommen und hat dich fürs Reich Gottes völlig untauglich gemacht.

Aber siehe, der Herr weiß es, welch schwere Bürde du zu tragen hattest, und hat große Erbarmung mit dir. Darum sandte Er uns zu dir, auf daß du gerettet werden sollest und erhoben und nicht untergehen durch deine noch mit herübergebrachte große Weltbürde. Denke hier nicht an ein Gericht; denn im Reiche der Freiheit des Geistes gibt es kein Gericht und keinen Richter, außer den eigenen freien Willen jedes Menschen! Denke auch nicht an die Hölle. Diese ist nirgends, außer in jedem Menschen selbst, so er diese in sich durch sein Böses – eben in sich – erst erschafft. Also denke aber auch an keinen Himmel als verheißenen Lohn für gute Werke; sondern des Herrn Jesu Wort sei dein Wille, durch dieses suche Ihn allein! Hast du Ihn, dann hast du alle Himmel und eine ganz andere Macht aus der Liebe, als du sie gehabt hast auf der Welt aus deiner Weltklugheit und hohen Stellung. Nun weißt du alles; tue, was dir dein freier Wille zuläßt im Namen des Herrn Jesus. Amen.“

Der Minister spricht: „Wahrlich, eure Rede ist weise und bürgt mir, daß da alles so ist, wie ihr es mir nun gekündet habt. Auch bin ich nun völlig klar, daß ich leiblich gestorben bin. Aber daß da der gewisse Jude Jesus der alleinige Gott und Herr sein soll, das fasse ich nicht! Was ist dann der „Vater“ und der „Heilige Geist“? Seht, das stimmt mit der eigenen Lehre Jesu nicht zusammen, der doch der erste war, der eine göttliche Dreiheit allenthalben lehrte! Darum verzeiht mir, daß ich euch darum schon nicht so schnell folgen kann, wie ihr es wünscht, – außer ihr überzeugt mich dessen schnell!“

Spricht der Engel: „Bruder, das geht so geschwind nicht, wie du meinst. Lege vorerst dein Staatskleid ab und ziehe ein anderes der Demut und völligen Selbstverleugnung an, dann wirst du alsbald die vollste Überzeugung davon bekommen, das dir jetzt noch als unfaßlich erscheint.“

Der Minister antwortet: „Wohl denn, so übernehmet mich und bringt mich zurecht, und schabet sorglich alles Weltliche von meiner Seele, dann wird es sich zeigen, wie es mit eurer Aussage aussieht.“

Nun treten die drei anderen Engel hinzu, ziehen dem Manne die Staatskleider aus und ziehen ihm dafür aschgraue, sehr zerlumpte und ziemlich schmutzige an. Und der zweite Engel spricht nun zu ihm: „Nun bist du mit dem Kleide der Demut angetan. Aber das allein genügt noch nicht, sondern du mußt auch in der Tat demütig sein. Darum folge uns!“

Der Mann folgt, und seht, sie kommen bei einem Bauernhofe an und sagen zu ihm: „Siehe, hier wohnt ein schroffer Mann und hat große Schweineherden. Bei diesem sollst du dienen und mit allem zufrieden sein, was er dir zum Lohne geben dürfte; und wird er hart und ungerecht sein gegen dich, so sollst du alles mit Geduld ertragen und dir bloß in des Herrn Gnade und Erbarmung Recht schaffen.

Wird er dich schlagen, da schlage nicht zurück; sondern wie ein Sklave halte ihm den Rücken dar, so wie du auf der Erde – zufolge der militärischen Subordination – es oft gesehen hast, wie sich ein armer Soldat ganz willenlos auf die Bank legen mußte und aushalten die harte, oft höchst ungerechte Strafe! Wirst du das alles in rechter Geduld ertragen, dann soll dir ein besseres Los zuteil werden!“

Darauf spricht der Mann: „Ich bedanke mich gehorsamst für diese Führung! Gebt mir nur mein Staatskleid wieder, ihr Betrüger; ich werde schon selbst mir die Wege bahnen! Da schaut's die Lumpen an; aus unsereinem, der wenigstens zwanzig Ahnen zählt, wollen sie so mir nichts, dir nichts einen Sauhalter machen! O wäre ich noch auf der Welt, ich wollte euch dafür zahlen, daß ihr es euch merken solltet! Diese Vagabunden geben sich noch für Gottes Boten aus! Nein wartet, diese Gottesbotenschaft soll euch noch teuer zu stehen kommen!“

Sehet, die Engel geben ihm sein Staatskleid wieder und sagen: „Wie du willst. Da ist dein irdisch Kleid! Willst du die Wege des Lebens nicht wandeln, so wandle deine eigenen; unser Dienst bei dir aber ist zu Ende.“

Nun sehet, in welch ein „Wasser“ unser Mann sich begibt; da wird er lange zu schwimmen haben, bis er auf des verlorenen Sohnes Rückweg zum Vater gelangen wird. Hüte sich darum ein jeder vor der Herrschlust; denn diese hat stets die gleichen Folgen.“ (JdS 8,7-22)

In der jenseitigen Welt hat jeder Geist die Freiheit, ob er Gottes Wege wandeln will oder nicht. Die Engelsgeister verhüllen ihren Strahlenglanz, damit die Neuangekommenen nicht gezwungen sind, sich nach ihnen zu richten.

Ein Geistlicher, der in seinem Kirchenamte in eine Art geistiger Versteinerung, entstanden aus einem mechanischen und unaufrichtigen Formalismus, der jeden geistigen Lebens entbehrte, verfallen war, kam in der geistigen Welt an. Er wurde nicht von Verwandten oder Freunden in Empfang genommen, sondern von einem Geist, der neu Ankommende an den ihnen zugedachten Ort führen sollte. Bald nach dem Empfang beschwerte sich der neu Angekommene und verlangte nach einer für ihn zuständigen Amtsperson. Der Führergeist zeigte auf einen in der Nähe stehenden Engelsgeist, und der andere lief auf ihn zu und rief: „Stimmt es, daß Sie hier eine verantwortliche Stellung innehaben?“

„Wenn ich irgendwie behilflich sein kann“, antwortete der Engelsgeist, „so stehe ich gerne zur Verfügung.“

„Ich suche jemand“, war sein Verlangen, „der einen sehr ernsten Mißstand beseitigen kann; jemand, der Autorität ausübt. Sind Sie befugt, in solchen Dingen zu entscheiden?“

Der Engel antwortete dem erbosten Mann: „Wollt Ihr mir nicht sagen, was Euch bekümmert? Wir alle hier sind nicht nur verantwortlich, anderen Dienste zu leisten, sondern tun es auch gern.“

„Aber sind Ihre Dienste amtlich und befugt?“

„Wollt Ihr mir nicht Eure Beschwerde sagen?“, wiederholte der Engel freundlich drängend. „Wenn ich dann keine Hilfe zu leisten vermag, kann ich Euch sofort zu jemandem bringen, der dazu befähigt ist.“

Muß ich meine Beschwerde denn noch nennen?“ Der neu Angekommene machte eine Gebärde des Abscheus. „Seht mich an, meinen schmutzigen Aufzug. Spricht er nicht für sich selbst?“

„Arme Seele, ja, er spricht nur allzu deutlich für sich selbst. Wer seid Ihr?“

Der Engel bekam eine scharfe Antwort: „Ich habe Sie nicht um Ihr Mitleid gebeten, junger Mann! Ich darf wohl erwarten, daß man mir den Respekt zollt, der meiner Stellung angemessen ist.“

„Dann darf ich nochmals fragen: Wer seid Ihr?“

„Ich bin der Dekan…“

Der Engel unterbrach ihn: „Ihr wollt sagen, Ihr wart der Dekan…“

„Ich bin es immer noch“, war die Antwort, „bis ich über meine Amtsführung Rechenschaft abgelegt habe.“

„Seid Ihr denn nicht durch eine Handlung Gottes aus Eurem Amt entfernt worden?“

„Nach Gottes Beschluß ruhe ich jetzt von meiner Arbeit aus, aber nur, um meinen Lohn entgegenzunehmen. Wollt Ihr etwa sagen, daß die Lumpen, die man mir angezogen hat, ein Teil meines Lohnes sein sollen?“

Der Engel blickte auf den erregten Mann und fragte mit leiser Stimme: „Entspricht der Lohn nicht deinen Erwartungen?“

Der Ton, in dem diese Frage gestellt wurde, überraschte sein Gegenüber und schien ihn zu entwaffnen. Ein wenig zerknirscht kam die Antwort: „Ich hatte mich weniger auf persönliche Erwartungen verlassen als auf Versprechungen.“

„Welche Versprechungen?“, kam forschend die Frage. „Hast du ihrer im Herzen immer entsprochen, oder hast du nur die Bibelstellen auswendig gelernt, weil ihre Nennung zu deinem Amt gehörte?“

Aber noch lebte der rebellische Geist im Kirchendiener. Gereizt fragte er: „Welches Recht habt Ihr zu diesem Kreuzverhör?“

„Das Recht eines älteren Bruders, der, um Hilfe gebeten, sehnlichst wünscht, ein schmerzhaftes Mißverständnis zu beseitigen.“

„Dann sorgt bitte zuerst dafür, daß ich anständige Kleider bekomme. Dieser Lumpenaufzug hier ist ein ganz übler Scherz. Dann bin ich bereit, zu hören, was Ihr sonst noch zu sagen habt.“

„Bist du noch nicht lange genug hier“, fragte der Engel, „um entdeckt zu haben, daß deine Kleidung, so erbärmlich sie ist, einen Teil deiner selbst bildet? Daß sie ganz dir angepaßt, ganz mit dir verwoben ist, und daß niemand sie ändern kann als nur du selbst?“

„Das wollen wir sehen!“ Mit einer ungläubigen, verächtlichen Geste wandte sich der Angesprochene ab und begann an seinen Kleiderfetzen zu zerren. Es gelang ihm nicht, das verhaßte Gewand auszuziehen Die Folge dieser Anstrengung war beredter, als jeder Überzeugungsversuch es hätte sein können. Der Mann ließ von seinem Vorhaben ab und wandte sich verzweifelt wieder dem Engel zu.

„So traurig dein Zustand ist“, sprach der Engel ernst, „so bist du doch ein Mitglied der großen Familie. Deshalb bin ich immer bereit, dir zu helfen. Du kannst wohl nur schwer verstehen, wie ich das meine, denn ein solches Angebot nach so kurzer Bekanntschaft muß dich vermuten lassen, daß ein Hintergedanke dabei im Spiel ist. Nun, du wirst bald begreifen lernen, daß Unehrlichkeit und Heuchelei bei uns nicht verborgen werden können. Jeder von uns trägt seinen Charakter für alle lesbar mit sich. Ich hätte nicht nach deiner Vergangenheit zu fragen brauchen, ich konnte sie an deinem Gewand nur allzu deutlich erkennen. Ich wollte dir nur dein eigenes, so gewohnheitsmäßig ausgesprochenes Bekenntnis in Erinnerung bringen: ‚Wir sind alle wie ein unrein Ding und all‘ unsere Rechtschaffenheit ist gleich schmutzigen Lumpen‘ – aber du wolltest nicht hören.“

Vergeßt Ihr die Sakramente? Sind sie denn nutzlos?“

„Die Sakramente, als Symbole des Himmels, haben nur durch die Liebe einen Sinn. Nur als eine zeremonielle Handlung gebraucht, führen sie zu Irrtum und Sünde. Das eine Sakrament aber, dessen Beachtung Gott den Erdenmenschen gebietet, ist die Liebe. Es kann durch kein Ritual ersetzt werden – es ist einfach, natürlich und allumfassend.“

Der Engel hatte Mitleid mit der armen Seele. „Was kann ich nur tun um dir zu helfen? Warum warst du so blind und taub? Warum bezogst du nicht auf dich, was du anderen predigtest: ‚Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler, daß ihr das Himmelreich vor den Menschen zuschließet! Ihr selbst geht nicht hinein, und die hinein wollen, die laßt ihr nicht hinein‘. (Matth. 23,13) Allzu leichtfertig hast du es gewagt, eine Stellung von heiliger Verantwortung zu übernehmen, obwohl du das geistige Amt nicht verstandst und somit zu ihm nicht berufen warst. Du konntest den Menschen den geistigen Weg nicht weisen, weil du ihn selber nicht gegangen bist. Du mußt nun notwendig die Ernte einbringen, die du selbst gesät hast.“

Von dem Hochmut des Angesprochenen war nichts mehr übrig, als der Engel geendet hatte. Furchtsam meinte er: „Was du gesagt hast, mag stimmen. Aber bin ich nicht irgendwie auch Opfer? Ich habe das von dir gerügte System nicht erfunden, sondern von meinen Vorgängern als geachtetes Erbe übernommen. Muß man mir dafür nicht mildernde Umstände zubilligen?“

Gewiß, mein Bruder. Du hast ein Recht darauf, daß dieses berücksichtigt wird, und so wird es auch geschehen… Dein Platz ist bestimmt und du wirst zu ihm finden, ohne daß dich jemand dorthin zerrt.“

„Willst du ihn mir denn nicht sagen?“, bat der andere, noch kleinlauter als zuvor. „Werde ich mit anderen Geistlichen zusammen sein, da doch jeder an seinen Ort geht?“

„Es gibt keine Geistlichen hier. Solche und andere Unterscheidungen werden von den Nebeln dort drüben restlos fortgewaschen. Das Bühnenspiel irdischer Eitelkeiten ist aus. Der Vorhang hat sich gesenkt, und manch einer der Hauptdarsteller sucht hier das Brot, nach dem er hungert. Ich kann es dir nicht geben, weil du deine Seele durch dein eigenes Verhalten auf Erden so geschwächt hast, daß du zur Zeit noch keine kräftige Nahrung verträgst. Du brauchst sorgfältige Behandlung. Vielleicht wird sie schmerzhaft, ja drastisch sein, vielleicht mußt du durch einen babylonischen Ofen hindurch; aber verzweifle nicht, das Feuer wird nur der Reinigung dienen und kann dich niemals töten.

Vielleicht wirst du es in deinem Schmerz nicht bemerken, aber auf allen deinen Wegen – selbst mitten im Feuerofen, wird Einer bei dir sein und über dich wachen und dich zur Freiheit führen wenn die Zeit gekommen ist. An diesem Tage wirst du ein anderer Mensch sein. Deine Augen werden geöffnet sein, und zurückblickend wirst du mit Verwunderung und Dank feststellen, wie liebend gütig der Vater zu dir war.

Ich wünschte, ich könnte dich vor allem bewahren, was noch vor dir liegt; aber die Saat ist gesät und die Ernte muß eingebracht werden. Doch wenn wir uns dereinst wiedertreffen, wirst du mir bestätigen, daß dein Gewinn weit größer als der Preis gewesen ist, den du zahlen mußtest.“ Damit ließ der Engel den Mann mit seinem Führergeist allein. (2.RidU Seite 291-298)

Einen hohen römischen Ratsherrn versetzte Jesus in das zweite Gesicht, wie wir das aus dem großen Evangelium Johannes erfahren, so daß er seine verstorbenen Verwandten, Freunde und auch Julius Cäsar sehen und sprechen konnte. „Hierauf wandte sich der Ratsherr sonderheitlich zu Julius Cäsar und fragte ihn, sagend: ,Du warst auf der Erde ein gar kluger und mächtiger Held; unter deine Gebote mußte sich alles fügen. Wie lebst du aber nun in der Welt der Geister?‘ Sagte der Geist (Julius Cäsar): ,Ich habe in der Welt schon einen bösen Lohn geerntet für das, was ich nur zu meinem Ruhme getan habe; (Ermordung Cäsars 44 v.Ch) und darum habe ich in mir auch wenig Gutes herübergebracht, und mein Lohn war darum eine große Armut, und mein Weltruhm glich hier einer finsteren Nacht, in der ich nur wenige Sternchen hie und da durch dichte schwarze Wolken schimmern sah.

Ich war lange so ganz allein ohne die allergeringste Gesellschaft und hatte niemanden als mich allein. Ich mochte rufen, bitten, weinen, herumgehen und suchen, wie ich wollte, und es half alles nichts. Ich rief alle Götter; aber es kam keine Antwort. Nach einer langen, traurigen, verzweiflungsvollen Dauer meines elendesten Zustandes kam mir in den Sinn, mich an den Gott der Juden zu wenden. Da ward es heller um mich, und die wenigen Sternchen wurden auch heller, und es schien, daß sie mir näher kamen. Als ich das merkte, da faßte ich mein volles Vertrauen zu dem Gott der Juden und bat Ihn inständigst, daß Er mir helfen möchte aus meiner großen Not und Qual.

Da ward es abermals heller um mich und ein Stern senkte sich ganz in meine Nähe. Und ich erkannte bald, daß der Stern eine vollkommene Menschengestalt annahm, und dieser Mensch war einer, dem ich in der Welt einmal eine wahre Wohltat erwies, und dieser sagte zu mir: ,Wohl dir, daß du in deiner Nacht den wahren Gott der Juden gefunden hast! Verbanne deine falschen Götzen, und verbanne auch deinen eigenen größten Götzen, deinen Cäsar-Ruhm; begib dich in die volle Demut, und ich will dich zu mir in meine Wohnung nehmen!

Da bat ich abermals den Gott der Juden, daß Er mir nähme den Ruhm und alle die falschen Götzen. Darauf kamen auch die andern Sternchen als Menschen zu mir und sagten: ,Wir sind auch wie du auf der Erde gewesen; aber wir waren arme und von deinen Priestern verfolgte Juden; du aber hast uns beschützt, beschenktest uns und halfst uns, wieder in unser Land zu kommen. Nun bist du arm und hast von allen deinen irdischen Schätzen nichts als nur das, was du uns getan hast; und so sind wir nun auch durch die Zulassung Gottes zu dir gekommen, um dir das Gute, das du uns getan hast, zu vergelten. Willst du ohne allen Ruhm mit uns wandeln, so folge uns, und du sollst bei uns eine Unterkunft finden!‘“ (7.GEJ 218,12-15)

Obwohl Julius Cäsar Jahre oder Jahrzehnte in der Einsamkeit verbringen mußte, legte er seinen Stolz und Hochmut doch schneller ab, als die vorhergehend aufgeführten großen Männer und ließ sich von Gott führen. Wer sich nicht von Gott und seinen Engeln führen lassen will, der lebt in seiner Phantasiewelt, und wenn er in der Welt ein großer Mann war, ein König, Kaiser oder Papst, dann bleibt er so lange von anderen Geistern isoliert, bis er bereit ist, sich zu fügen. David, der doch ein Mann nach dem Herzen Gottes war, mußte nach seinem Tode mehrere hundert Jahre in der Geisterwelt harren, bis die völlige Erlösung zu ihm kam, denn so lange dauerte es, bis er seinen Königsstolz abgelegt hatte. (2.RB 211,8)

Jetzt kommt ein Bericht vom frühen Tod eines Sohnes reicher Eltern. Sie ließen ihren über die Maßen verzärtelten Sohn studieren. Aber da er nicht viel Lust zum Studieren hatte, beschäftigte er sich hauptsächlich mit Tabakrauchen, Spielen, Fressen, Saufen und Hofmachen aller schönen weiblichen Welt. Nach zurückgelegten Studien und überall mittelmäßig gemachten Prüfungen versuchte er sich in den Kanzleien zwar, aber diese Papier- und Tintenluft mundete ihm nicht; er bekam von seiner Mutter ja stets so viel Geld, daß er sich auch ohne Kanzlei ganz kavaliermäßig durchbringen konnte. Dabei machte er allen noblen Mädchen den Hof und verachtete auch andere weibliche Wesen nicht, die man um einen leichten Sold haben konnte. Dabei geschah es, daß er mit der Syphilis zu tun bekam und am Ende so stark, daß selbst die erfahrensten Ärzte nicht mehr helfen konnten. Und so mußte am Ende unser Mann, der am Fleische seine größte irdische Seligkeit hatte, unter großen Schmerzen den Weg allen Fleisches wandeln. In der jenseitigen Welt aber sehen wir an seinem Lager einen Engel mit einer Brandfackel in der Hand. Bei solchen Menschen erscheint darum nur ein Engel, weil in ihnen Seele und Geist völlig wie tot sind. Nur der Würgengel, der über das Fleisch und über den Nervengeist gesetzt ist, hat hier das zu tun, daß er nämlich das Fleisch und den Nervengeist möglichst stark peinige und brenne, auf daß er dadurch die zerfetzten Seelenreste und in diesen den ebenso zersplitterten Geist in den Nervengeist zurücktreibe – und auf diese Art den also sterbenden Menschen vor dem ewigen Tod verwahre! Das muß gewöhnlich mit solchen Menschen geschehen, weil sie ohne solche letzte Gnadenmanipulation um das ganze Dasein kämen. Nun hat der Engel das Fleisch – gemeint ist das geistige Fleisch – zu Asche verbrannt, und aus der Asche erhebt sich ein heruntergekommener Pavian. Dieser Affe wird nun Geistern übergeben, die über solche entartete Tierseelen gesetzt sind. Vielleicht bewirken sie mit allem Fleiße in hundert Jahren, daß diese Seele wieder zur menschlichen Gestalt kommt. (JdS 4,1-16)

Der hellsichtige Mathael erzählte im großen Evangelium Johannes, wie er die Kreuzigung von sieben Raubmördern auf Golgatha miterlebte. Sie waren so grausam, daß sie die Menschen, die sie gefangen hatten, bloß so zum Vergnügen mit allerlei unbeschreibbar gräßlichen Marterungen töteten und eine desto größere Lust hatten, je länger sie jemanden quälen konnten. Er sah, wie sich kurz vor ihrem Tode die Seelen von den Leibern lösten, indem ein ganz kohlrabenschwarzer Rauch aus ihrer Brustgegend heraustrat und sich zu schwarzen Tigern mit blutroten Streifen entfaltete. Die Tigerseelen wollten sich mit aller Gewalt von ihren Leibern trennen, weil diese ihnen durch die Kreuzigung große Schmerzen verursachten. Die Tigerseelen bissen in ihren Fleischleib, um ihn zu töten, aber die Lebensschnüre, mit denen sie mit ihren Leibern verbunden waren, erwiesen sich als so hartnäckig, daß sie sich durch gar keine Gewalttat zerreißen ließen. Als der Befehl an die Wächter kam, den an den Kreuzen hängenden die Beine zu brechen und wenn einer noch lebte, ihm mit einem Schlage auf den Kopf und auf die Brust den Garaus zu machen, da kam von oben ein Engelsgeist herab mit einem großen, blanken Schwert in der Hand. Er hieb die Fäden entzwei, mit denen die schwarzen Tigerseelen noch mit den Leibern zusammenhingen. (4.GEJ 130-133)

„Als diese schrecklichen Seelen ihrer Leiber ganz ledig waren“, erzählte Mathael, „bekamen sie auf einmal ein etwas menschlicheres Aussehen, gingen auf den Hinterbeinen einher, aber ganz stumm und höchst traurigen und leidenden Aussehens, und der Geist herrschte sie folgenderweise an: ,Entfernet euch an den Ort eurer bösen Liebe; er wird euch anziehen! Wie eure Taten, also auch euer Lohn!‘ Die sieben Seelen aber schrien: ,Sollen wir verdammt sein, so wäre dazu noch Zeit gewesen! Warum mußten wir uns denn martern lassen, so uns nun hier die ewige Verdammnis erwartet?!‘

Sagte der große, mächtige Geist: ,Alles lag und liegt noch an eurer Liebe! Ändert diese nach der euch bekannten Ordnung Jehovas, und ihr werdet eure eigenen Erlöser sein; aber außer euch kann euch niemand in der ganzen Unendlichkeit Gottes erlösen! Das Leben ist euer, und die Liebe ist euer; könnet ihr eure Liebe (die Liebe oder Lust zum Raubmord) ändern, so wird diese dann auch euer ganzes Leben und Sein umgestalten! Und nun entfernet euch!‘

Bei diesen scharfen Worten des großen und mächtigen Geistes fuhren die sieben unter einem gräßlichen Geheule schnellstens von dannen; ich aber war so keck, den großen Geist zu fragen, was es denn mit den sieben späterhin für ein Ende nehmen werde.

Und der Geist erhob sich wieder und sagte nichts als: ,Ihr höchst eigener Wille! Bei diesen war es nicht Mangel an der Erziehung, nicht an der Erkenntnis, und sie waren auch nicht besessen – denn nur durch ihren bösen Willen. Das Geschmeiß, das du während ihres Ausgesetztseins und während ihrer Stäupung ihnen entfliehen sahst, waren keine fremden Dämonen, sondern lauter Produkte und Ausgeburten ihres eigenen bösen Willens. Also ist dies Gericht ein gerechtes; denn es hatte mit sieben vollendeten Teufeln zu tun, für die es auf dieser Welt keine Lehre, kein Wort und keine Besserung gab! Hier bei uns aber, da alles offenbar wird, wird ihr Los so sein, wie sie selbst es aus ihrer Liebe heraus wollen werden. An Gelegenheiten, wenn auch nur zum Scheine, wird es hier nicht fehlen, sich zu versuchen in noch mehr Bösem oder aber auch in Besserem.“ (4.GEJ 132,8-11) Den Raubmördern werden auch in der Hölle Gelegenheiten gegeben, durch die sie sich bessern oder aber weiterhin ihrer Raubmordlust nachgehen können.

Das Sterben der Raubmörder steht im krassen Gegensatz zum Sterben einer Frau, die ein gutes christliches Leben geführt hatte. Sie berichtete aus dem Jenseits: „Ich fühlte mich von meinem Körper befreit. Es war dies ein so seltsames Gefühl. Ich stand ganz nahe an der Seite des Bettes, auf dem mein Körper lag und sah alles im Zimmer, wie ich es imstande gewesen war, bevor ich meine Augen schloß. Ich fühlte nicht den geringsten Schmerz als ich starb, sondern nur unendliche Ruhe und Frieden. Dann erwachte ich und stand außerhalb meines alten Körpers im Zimmer. Zuerst war nur ich mit meinem alten Körper da. Unwillkürlich wunderte ich mich, daß ich mich so eigentümlich wohl befinde, dann aber merkte ich, daß ich hinübergegangen war.

Ich wartete ein Weilchen, dann öffnete sich die Tür und Frau H. trat ein. Als sie sah, daß ich gestorben war, wurde sie sehr traurig und richtete sich mit ihren Worten an meinen armen Körper, als wäre ich es selbst. Ich stand neben ihr und sah ihr zu, aber alle ihre Gedanken beschäftigten sich nur mit der elenden alten Hülle, die ich zurückgelassen hatte. Es kam mir dies so komisch vor, daß ich lächeln mußte. Zuerst machte ich keinen Versuch zu sprechen; ich wartete, um zu sehen, was weiter geschehen werde.

Dann fühlte ich, daß eine große Flut warmen Lichtes ins Zimmer  gedrungen war und mich umblickend sah ich einen Engel. Sie kam – denn sofort bemerkte ich, daß es ein weibliches Wesen sei – auf mich zu und sprach: ‚Ich bin gesandt, dich die Gesetze des neuen Lebens zu lehren.’ Als ich aufsah, berührte sie mich leicht und sagte: ‚Wir müssen gehen.’

Dann verließ ich meine arme alte Hülle und das Zimmer und trat hinaus. Es war alles so eigentümlich; die Straßen waren voll von Geistern. Ich konnte sie ganz gut sehen, als wir vorüber schritten; sie sahen genau aus wie unsresgleichen. Zuerst gingen wir durch die Straßen, dann schwebten wir durch die Luft, bis wir an einen Ort kamen, wo wir mit den Freunden zusammentrafen, die vorangegangen waren. Sie erzählten mir viel über die Geisterwelt, sie sagten, ich müsse nun ihre Gesetze lernen und mich bestreben, mich so gut ich es könnte, nützlich zu machen. Der Engel, der die ganze Zeit über bei mit blieb, half mir das erklären. Die Geisterfreunde hatten hier ein Leben, wie sie es auf Erden gewohnt waren, und wenn sie auch nicht für ihr tägliches Brot arbeiten mußten, hatten sie dennoch sehr viel zu tun.

Dann fing ich an, deinetwegen (wegen ihrer liebsten Freundin) traurig zu werden und ich wünschte zurück zu gehen; geschwind führte mich der Engel durch die Luft dahin, woher ich gekommen war. Ich trat in mein Sterbezimmer, wo mein Körper lag. Dieser hatte für mich nicht mehr das geringste Interesse, aber ich war sehr betrübt, euch alle um meine ausgetragene Hülle weinen zu sehen und ich wünschte sehr, zu euch zu sprechen. Ich sah dich von Tränen überströmt und es tat mir so leid, dich nicht aufmuntern zu können. Immer mehr wünschte ich, sprechen und dir sagen zu dürfen, wie nahe ich dir sei, aber ich konnte mich nicht bemerkbar machen. So sehr ich mich auch bemühte, ihr nahmt keine Notiz von mir. Ich fragte den Engel: ‚Wird es immer so sein?’ Er sagte: ‚Warte; die Zeit wird kommen, da du mit ihr sprechen wirst. Jetzt hingegen kann sie es weder hören noch verstehen.’

Dann wurde ich weggerufen. Ich befand mich nun in einer großen, ausgedehnten Landschaft, die ich vorher nie gesehen hatte. Ich war ganz allein, wenigsten sah ich niemanden, hörte aber eine Stimme, ohne wahrnehmen zu können, woher sie komme oder wer sprach. Ich vernahm nur die Worte: ‚Julia, derjenige, der dich erlöst hat, ist geneigt mit dir zu sprechen.’ Dann fragte ich: ‚Wer ist es, der spricht?’ Und siehe, ich erblickte eine lodernde Flamme, aber in Wirklichkeit eine Erscheinung, die wie Feuer aussah, jedoch in Menschengestalt. Ich erschrak. Dieses Wesen begann zu sprechen und sagte: ‚Fürchte dich nicht, ich bin es, der auserkoren ist, dich Gottes Geheimnisse zu lehren.’ Dann wurde ich gewahr, daß der scheinbare Feuerglanz nur der Glanz ist, der von der strahlenden Liebe der Unsterblichen ausgeht.

Dieses strahlende Lichtwesen sagte hierauf zu mir: ‚Julia, schaue deinen Erlöser!’ Und als ich mich umsah, erblickte ich ihn. Er saß ganz nahe bei mir und sagte: ‚Geliebte, in meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Da bin ich, den du so lange geliebt hast, ich habe einen Platz für dich bereitet.’

Und ich fragte: ‚Wo, o mein Herr?’ Er lächelte und ich sah, wie im Glanze dieses Lächelns die ganze Landschaft sich veränderte, ähnlich den Alpen, die beim Sonnenuntergang erglühen. Dann sah ich auch, daß ich nicht allein, sondern ganz von lichten, schönen und geliebten Wesen umgeben war, von denen ich die einen gekannt, von den andern nur gehört hatte, während wieder andere mir ganz fremd schienen. Aber alle waren Freunde, und die Luft, die sie umgab, war von Liebe erfüllt. Und inmitten aller saß mein Herr und Heiland; ein Mensch unter Menschen. Über seinem ganzen Wesen lag eine unaussprechliche, wundervolle Milde ausgebreitet. Aus seinem wunderbaren Blick sprach die wärmste Liebe, ein wahrer Lebensodem für meine Seele.

Er ist stets bei uns. Das ist der Himmel, immer mit ihm zu sein. Du kannst es nicht verstehen, wie das Bewußtsein seiner Gegenwart die Atmosphäre dieser Welt so grundverschieden von der eurigen macht. Es gibt da so viele Dinge, von denen ich sehr wünschte, ich könnte dir darüber schreiben. Doch du wärst nicht imstande, sie zu verstehen. Ich kann dir nur so viel sagen, daß ‚Er’ mehr ist, als ich mir vorgestellt hatte. Er ist die Quelle und der Geber aller guten Gaben.“ (BvJ Seite 15-20)

Der Hellseher Mathael war beim Tode des Vaters von Lazarus dabei, der auch Lazarus hieß. Dieser war, wie es Jesus erzählte, ein inkarnierter, urgeschaffener Engelsgeist und hatte ein schweres Prüfungsleben, ähnlich dem des Hiob, hinter sich, das er vorbildlich bestand. Mathael sah die Seele, als sie sich vom Körper trennte, nicht als unförmige Dunstwolke über dem Leichnam schweben, sondern als eine ganz gut ausgebildete Menschengestalt. Der Grund davon war die völlige Furchtlosigkeit vor dem Sterben. Die Seele trat in voller Ruhe aus dem Leibe, wodurch in ihr keine Angstvibrationen erzeugt wurden, welche sie hätte undeutlich erscheinen lassen. Weil sich des Lazarus Sinnen und Trachten schon in seinem Erdenleben vom Irdischen gelöst hatte, so war seine Seele mit dem Leibe nur noch durch einen haardünnen, lichten Faden verbunden, wodurch sie sich leicht und schmerzlos vom Leibe trennte.

Als die Seele des Lazarus ganz vom Leib getrennt war, nahmen mehrere sehr erhaben und weise aussehende Geister sie in ihre Mitte. Über dem Haupt des Lazarus erschien eine Lichtsäule, die sich dann wie ein Gürtel um die Lenden der Seele schlang. Dieses Licht ist ein Produkt der gerechten Tätigkeit nach der Ordnung Gottes und erleuchtet und durchstrahlt das Erkenntnisvermögen der Seele. Lazarus bekam auch einen Lichthut, der nur jenen extra hinzugegeben wird, die sich schon auf der Erde der wahren himmlischen Weisheit beflissen haben und daraus zu Menschen voll Liebe, Weisheit und der wahren himmlischen Gerechtigkeit geworden sind. Wer solch einen Hut auf seinem Haupte trägt, der ist als ein ganz vollendetes und Gott ähnliches Wesen in alle Weisheit und Erkenntnis aller Himmel eingeweiht. (4.GEJ 134-139)

  

 

 

 Quellenverzeichnis

 

GEJ      Das große Evangelium Johannes, Jakob Lorber, 10 Bände, 1981

GS       Die geistige Sonne, Jakob Lorber, 2 Bände, 1955

BM      Bischof Martin, Jakob Lorber, 1960

EM       Erde und Mond, Jakob Lorber, 1958

JdS       Jenseits der Schwelle, Jakob Lorber, 1990

PH       Predigten des Herrn, Gottfried Mayerhofer, 1968

         Lorber Verlag, 74308 Bietigheim/Württ.

EL        Ewiges Leben? Hans Küng, Piper & Co. Verlag, München, 1982

UdT      Um die Todesstunde, Wilhelm Otto Roesermueller, Selbstverlag

          Nürnberg

ÜSI       Über die Schwelle des Irdischen hinaus, Robert A. Monroe,

         Wilhelm Heyne Verlag, München, 2006

ÜTL      Über den Tod und das Leben danach, Elisabeth Kübler-Ross, Verlag

         „Die Silberschnur“ GmbH, Melsbach/Neuwied, 1985

GjW      Gesichte aus der jenseitigen Welt, Sadhu Sundar Singh, 1968

         Christliches Verlagshaus Bern/Stuttgart

DeT      Der entschleierte Tod, Gisela Weigl/Franz Wenzel, 1984

         Aquamarin Verlag, Forstinning

Luk.      Das Evangelium nach Lukas

Joh.      Das Evangelium nach Johannes

Off.      Die Offenbarung Jesu Christi durch Johannes

DaR      Die andere Realität, Nr. 5/6/2002, D-45966 Gladbeck,

RidU      Reise in die Unsterblichkeit, Robert James Lees, 2 Bände

         Drei Eichen Verlag Hermann Kissener, München-Pasing, 1962

HF       Herzensfremd, Claire Sylvia, Bastei Lübbe, 1999

WLG      Ein Wanderer im Lande der Geister, Franchezzo,

         Turm-Verlag, 74308 Bietigheim/Württ. 1961

DLD      Das Leben danach, Bernhard Jakoby, Langen Müller, München, 2001

BvJ       Briefe von Julia, William T. Stead, Renatus-Verlag,

         Lorch/Württemberg, 1936

WTl      Wie die Toten leben, P.H. Landmann, Heinrich Schwab Verlag,

         Argenbühl-Eglofstal, 1979

 

 

Gerd Kujoth

 

 

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