Zwischenlandungen
in:
Genf, Montpellier, Toulouse, Pau, Madrid, Granada,
Faro, Almaria, Reus, Perpignan, Genf,
Piloten:
Otto Juchli, Werner Hartmann, Peter
Schwendemann
Samstag, 08.05.1999
Obwohl die Wetterlage ziemlich klar ist mit einem
starken, stationären Tief über Grossbritannien
besuchen wir am Samstag die Meteozentrale in Kloten. Wir
bekommen die erwartete Bestätigung, dass am Sonntag
Richtung Spanien VFR-Bedingungen herrschen werden.
Sonntag, 09.05.1999
Der Blick aus dem Fenster am Sonntagmorgen lässt
keine Hektik aufkommen, ist die Bewölkung doch
relativ tief und dicht. Alle Crew-Mitglieder treffen dann
gegen 11 Uhr im Birrfeld ein. Otti hat schon den 4. Sitz
demontiert, was doch die Gewissheit aufkommen lässt,
dass wir heute wegfliegen werden. Gemütlich wird das
Gepäck verladen, getankt und von mir die 1. Etappe
bis Genf, zollfrei tanken, geplant. Wir finden noch Zeit
um zusammen mit unseren Angehörigen einen Kaffee zu
trinken.Um 1305 Uhr starten wir dann zu unserer Reise in
den Sommer.
Mit scattered auf 4000 Fuss fliegen wir via Willisau,
Bern, Fribourg Richtung Westen.
Ab Lausanne hört das Auf- und Abspiel wegen der
Bewölkung auf und mit blauem Himmel fliegen wir Genf
zu. Wir bekommen Standard-Einflug via N, NW auf Graspiste
05.
Die Wetterprognose lässt uns verhalten
optimistisch Gerona als Zielplatz planen,
Ausweichmöglichkeiten sind Montpellier und
Perpignan.
Otti fliegt bei schönstem Wetter von VOR zu VOR.
Die Controller haben Sonntag und sind froh wenn wir nicht
zu viel funken. Die paar Transits Chambéry,
Grenoble, Montpellier bringen wir problemlos hinter uns.
Bei Valence und Orange ist erwartungsgemäss kein
(Militär-)-Betrieb. In der Region Bezier werden die
Wölklein immer dichter, sodass ich vom Controller in
Perpignan das Wetter und dasjenige von Gerona verlange.
Sicht Perpignan
7 km, overcast 600 Fuss, Gerona Sicht 8 km, broken
5000Fuss. Die Situation Perpignan und was wir vor uns
sehen, resp. nicht mehr sehen können, lässt uns
nicht lange zögern und wir wenden zur sicheren
Landung in Montpellier. Einmal mehr wird uns das Hotel
Ibis empfohlen. Immerhin kann bei diesem Zimmer die
Türe ganz geöffnet werden.
Montag, 10.05.1999
Der Blick aus dem Fenster am Montag morgen lässt
keine Hochstimmung aufkommen. Dieser Eindruck
bestätigt sich im Meteobüro. Ringsum tiefe
Wolken, auch im Norden Spaniens und über dem Meer
bei den Pyrenäen. Wir entschliessen uns ein Auto zu
mieten und Nîmes zu besuchen.
Die Arena sieht imposant aus und den verschiedenen
Plakaten nach zu schliessen wird sie immer noch für
Stierkämpfe gebraucht. Die Strassencafés sind
in Betrieb wovon wir regen Gebrauch machen. Nach einem
guten Nachtessen logieren wir im Novotel Atria.
Dienstag, 11.05.1999
Mit gemischten Gefühlen fahren wir am Dienstag
morgen zurück nach Montpellier. Wir kommen zum
Schluss zuerst die Meteo zu besuchen und dann das Auto
zurückzugeben oder aber die Miete einen Tag zu
verlängern, was dann eine halbe Stunde später
zur Tatsache wird.
Wir fahren ans Meer und folgen der Küstenstrasse
gegen Süden. Wir halten Umschau nach anderen Hotels
die uns bei einem späteren Besuch als Unterkunft
dienen könnten.
Schon rein von der Ambience her gesehen wäre ein
Aufenhalt am Meer vorzuziehen.
Im Hafen von Carnon essen wir eine Kleinigkeit . Wir
fahren dann weiter Richtung Süden und besichtigen
den Hafen von Cap d?Adge. Am Abend fahren wir wieder ein
Stück zurück. In Palavas finden wir das
schmucke Hotel Brasilia, direkt an der Strandpromenade
gelegen. Im Fischerhafen essen wir am Abend einen guten
Fisch. Otti leidet anschliess-end tagelang an
Kartoffelentzugserscheinungen.
Mittwoch, 12.05.1999
Am Mittwoch morgen ist der Strand in dichten Nebel
gehüllt (kennen wir das nicht irgendwie von zu
hause?), jedoch scheint die Decke nicht sehr dick zu
sein.
Auf der Fahrt zum Flughafen gibt es schon die ersten
blauen Störungen, sprich Löcher.
Die Meteo verspricht jedoch kein durchkommen der
Küste entlang nach Spanien. Aber westwärts
Richtung Toulouse sieht es gut aus. Nun kommt
Betriebsamkeit auf. Im Jeppessen blättern, Special
Notes lesen, Striche ziehen, Kurse messen, Zeittabelle
erstellen. Im Nu haben wir die Planung nach Toulouse
fertig. Die Autoschlüssel abgeben bereitet schon
mehr Mühe. Schalter geschlossen über Mittag.
Nach dem Tanken und Beladen der PAF unternehmen Werner
und Otti einen zweiten Versuch. Da noch niemand Zeit
hatte das Auto zu überprüfen ist eine
Schlussabrechnung nicht möglich.
Montpellier ground fragt an ob wir wirklich starten
wollen, da alle nach Süden gestarteten Flugzeuge
zurückkehren. Werner bestätigt unsere Absicht,
und so beginnt unser Leg nach Toulouse. Wir sehen im
Süden die Wolkenschicht die alle anderen in
Bezier/Perpignan scheitern lässt. Vor uns jedoch
finden wir recht gute Bedingungen die immer besser
werden. So finden wir problemlos unsere Checkpunkte und
geniessen den Flug in vollen Zügen.
In Toulouse müssen wir den GAC-Parking ein wenig
suchen, aber mit den rights und lefts vom Turm finden wir
eine Parkmöglichkeit. Wir briefen sofort wieder das
Wetter und finden noch eine Möglichkeit ein Leg
weiter zu fliegen. Um nicht wieder zu viel Meereinfluss
zu haben verzichten wir auf Biarritz. In Pau finden wir
eine Destination den nicht einmal die ?Alten Hasen?
unserer Crew kennen. Gesagt, getan, planen. Am
AIS-Schalter stellt sich heraus, dass die freundliche
Dame deutsch spricht, da sie früher mal in Waldshut
gearbeitet hatte. Vor lauter witzeln und Sprüche
machen merken wir fast nicht wie die Zeit verrinnt. Wir
können uns dennoch unseres Zieles erinnern, Otti und
ich nehmen Werner in die Mitte und reissen in aus dem
AIS, um dann die kurze Etappe in Angriff zu nehmen.
Die pittoreske Altstadt von Pau bräuchte viel
mehr Zeit um erforscht zu werden. Zum Hotel Commerce
gehört ein feines Restaurant und da wir auf dem
kurzen Stadtbummel nichts besseres gefunden haben
beschliessen wir dort zu speisen. Die gute
französische Landküche schmeckt uns
vorzüglich. Der Hase ist excellent wie auch die
reichliche Portion Gratin. So kann Otti wenigstens
teilweise seine Kartoffelentzugserscheinungen vom Vortag,
zwei Stücklein so gross wie Pommes Frites,
kompensieren.
Donnerstag, 13.05.1999
Sonnenstrahlen und blauer Himmel wecken uns und lassen
Hochgefühle und eine leise Hektik aufkommen. Die
Pyrenäen sind klar sichtbar, Spanien ruft.Die Meteo
zeigt beste Bedingungen auf unserer Route nach
Madrid.
Otti umkurvt elegant ein paar kleine Wolkenfetzen
während dem Steigflug auf FL 65. Gemütlich,
d.h. ohne viel Palaver am Funk fliegen wir Pamplona zu.
Das Crossing erfolgt nach einigen Rückfragen betr.
des Transpondersignals, mehr rauschen als Sprache,
problemlos. Südwestwärts fliegen wir Madrid zu.
Der Controller leitet uns, für uns
unverständlich, von der APP-Route weg zu einem VOR
um uns dann wieder zurück zu unserem geplanten
Checkpoint N zu leiten. Da der Controller (approach)
einen Lefthand-Downwind gibt, obwohl eine Cessna startet
und so unsere Flugbahn schneiden würde, fliegt Otti
kurzentschlossen eine 360-er links.Während dem Kreis
kommt die Freigabe zum Wechsel auf Tower. Ich melde dann
proceeding righthand-downwind was vom Turm auch
bestätigt wird. Um die Cessna nicht zu behindern
verlängern wir unseren Downwind. Im Longfinal merken
wir den starken Wind der Otti zu einigen Korrekturen
zwingt.
Nach dem Zimmerbezug im Hotel Pyramide fahren wir mit
der U-Bahn ins Stadt-zentrum.Beim Bummeln finden wir
einen schönen Platz beim Regierungsgebäude. Auf
einer grossen Bühne probt eine Flamencotänzerin
ihren Auftritt für den Abend. Madrid feiert das
jährliche Stadtfest.
Werner und ich unternehmen eine 2. Erkundungsrunde mit
dem Auftrag ein gutes Speiserestaurant zu suchen.
Zurück bei Otti beschliessen wir, notabene bei einem
Cervesas, an diesem Platz zu bleiben, haben wir doch
Aussicht auf echt spanische Unterhaltung. Bei gutem Wein
und div. kleinen Häppchen lassen wir uns durch die
span./afrikanische Musik berieseln und geniessen die
farbenprächtigen Tänze auf der Bühne. Zu
später Stunde, aber bei immer noch angenehmen
23°C, verlassen wir den Platz und fahren mit einem
Taxi zurück ins Hotel.
Freitag, 14.05.1999
Die Sonne und blauer Himmel bringen uns rasch auf
Betriebstemperatur. Der Drang zum Flugplatz ist
spürbar. Morgenessen und Zimmer bezahlen laufen in
Rekordzeit ab. Das Taxi bringt uns in kurzer Fahrt zum
Flugplatz. Die Meteo zeigt uns verschiedene
Möglichkeiten, eher im Landesinnern als an den
Küsten.Wir entschliessen uns zu einem Trip nach
Granada. Der Flug verläuft wiederum sehr angenehm,
d.h. die Controller wollen nicht gestört werden und
so können wir unsere Checkpunkte der Reihe nach
abhaken. Zwischendurch spielt eine Sabena-Maschine Relais
zu Sevilla Info und gibt uns einen Transpondercode
weiter. Dann hören wir nichts mehr bis wir mit
Granada Kontakt bekommen. Die Controllerin gibt uns ganz
unkompliziert eine Freigabe direkt Base 27. Wir nutzen
die Möglichkeit sofort aufzutanken gerne; was
gemacht ist ist gemacht. Bevor wir den Flugplatz
verlassen drucken wir noch die Meteodaten mit einer
Vorschau bis Sonntag aus.
Nach dem Zimmerbezug im Hotel Don Juan machen wir uns
wie gewohnt auf einen Stadtbummel.
Nach einem ersten Ausgleich des
Flüssigkeitspegels wollen wir nun eines der 7
Weltwunder, Alhambra, besichtigen. Das Problem beginnt
beim Lösen der Eintrittskarten: Ausverkauft für
heute!! Man stelle sich vor, da reisen 3 Personen auf
beschwerlichem Wege nach Granada und dann scheitert alles
an einem kleinen Stück Papier!! Kopfschüttelnd
verlassen wir die (un-)rühmliche Stätte. Bei
verschiedenem gegrilltem Fleisch und dem Spaziergang zum
Hotel geht der Abend aber trotzdem in Minne zu Ende.Durch
überfüllte Gassen, vor allem viele Jugendliche
die plaudern und schäkern, steuern wir dem
Schlummerbecher direkt vis à vis dem Hotel zu. Wir
sind froh an einer ruhigeren Strasse zu logieren.Welch
fataler Irrtum! Die fröhlichen Spanier nehmen nach
Mitternacht keine Rücksicht auf uns und feiern
direkt vor dem Hotel bis am Morgen um 0530 Uhr weiter.
Verschiedene Bemühungen von Otti und mir das Fenster
im Dunkeln ganz zu schliessen scheitern leider.
Samstag, 15.05.1999
Schon im Hotelzimmer versucht Werner krampfhaft eine
Telefonverbindung mit Gibraltar zu bekommen. Alle
Versuche via intern. Auskunft, Umleitung via England,
versch. Vor-nummernvarianten scheitern. Auch mit dem
Natel ist nichts zu machen. Dass wir nicht aus Spanien
nach Gibraltar fliegen können ist hinlänglich
bekannt, dass aber nicht einmal Telefonverkehr
möglich ist erstaunt uns sehr.
So beschliessen wir nach Faro zu planen. Die
Südroute entlang der Küste, wir hätten
dann Gibraltar wenigstens aus der Luft gesehen, scheitert
am zu tiefen Plafond. So wählen wir die Route via
das Landesinnere. Landschaftlich ist auch diese Strecke
sehr zu empfehlen. Bei Cadiz erreichen wir die
Atlantikküste welcher wir dann nordwärts
folgen. Der Approach Faro weist uns an möglichst
tief in die CTR einzufliegen was ich natürlich sehr
gerne befolge, und so hüpfen wir in 400 ft von
Checkpunkt zu Checkpunkt. Auf der TWR-Frequenz ist dann
einiges los, wir stellen uns gedanklich schon auf ein
längeres Holding ein. Dann der überraschende
Funkspruch: ?HBPAF, are you able to maintain 100 knots??
?Affirm?, antwortet mein Funker Werner ohne mich
anzusehen. ?OK, next Final, report 8 miles.? Nun ist es
an mir die vom Controller in uns gesetzten Erwartungen zu
erfüllen. Der besorgte Ruf eines Boeing 737 Piloten
nach unserer Position lässt uns jedoch nicht
erschauern, ganz im Vertrauen auf den Controller. Im
Final meldet Werner gehorsam 8 miles, 6 miles, 4 miles, 2
miles.
Mit 110 Knoten rasen wir der Piste zu, unsere
durch-schnittliche Reisegeschwindigkeit beträgt 100
Knoten. Die Höhe, die Sinkrate stimmen, nur die
Geschwindigkeit muss noch etwas reduziert werden. Gas
raus, Klappen stufenweise setzen sobald im weissen
Bereich, Final check.? HBPAF, are you able for a short
landing and exit via taxiway Charlie??? Affirm.? ? OK, in
this case cleared for landing, HBPAF. ? Kurz darauf kann
Werner ? Runway vacated, HBPAF? melden. Darauf das
ungewohnte ? Thank you for Cooperation? des Controllers,
und schon bekommt die Boeing ihr ? Cleared for landing?.
Man stelle sich das mal in der Schweiz vor!
Wir wählen das bekannte Hotel Eva, direkt am
Jachthafen gelegen, aus. Die positiven Ersteindrücke
in Portugal setzen sich fort als wir an der Reception
noch einen Rabatt mit der AOPA-Karte erhalten. Der erste
Versuch vom Hotelzimmer aus ein Telefon nach Gibraltar zu
machen wird schon von Erfolg gekrönt. Die Nummer im
Bottlang ist doch richtig, nicht wie von der Auskunft in
Granada behauptet. Per Hotelfax können nun alle
relevanten Daten für eine eventuell nötige
Landeerlaubnis in Gibraltar durchgegeben werden. Nach der
Rückkehr vom Nachtessen ist die Bewilligung auch
schon an der Reception eingetroffen.
Sonntag, 16.05.1999
Die Meteo zeigt immer noch die Front über
Frankreich, jetzt jedoch schon den Norden Portugals und
den Nordwesten von Spanien überdeckend. Die Idee der
Küste Portugals folgend nach Biarritz zu fliegen
müssen wir also vergessen. In Südspanien ist
CAVOK, im Südosten und Nordosten Spaniens wird die
Entwicklung eher schlechter prognostiziert. Wir
entscheiden, wieder möglichst schnell durch das
Landesinnere, via Malaga nach Murcia San Javier mit
Ausweich Almeria zu planen und Gibraltar zu
vergessen.
Ein beträchtlicher Rückenwind bläst uns
zügig über die Hügel so, dass wir bis
Malaga einen Vorsprung von 15 Minuten auf die
Marschtablle haben. Der Controller in Malaga traut uns
wiederum eine genaue Einhaltung seiner Anweisungen zu,
lässt er uns doch in 5000 ft seien Anflugsektor
über das Meer traversieren. Wir sehen unter uns die
Airliners auf ihrem ?Stängeli gleitend? die Piste
von Malaga anfliegen. Wieder zurück an der
Küste folgen wir dieser bei immer schlechter
werdenden Sichtverhältnissen. Wir überfliegen
die riesigen Treibhäuser wo ?unsere
Südfrüchte wachsen?. Der Horizont bekommt nach
und nach einen komischen gelblichen Schimmer. Nach
Abklärung der Wetterverhältnisse am Zielort
entscheiden wir in Almeria zu landen. Komischerweise will
uns der Controller über einen Checkpunkt im
Landesinnern anfliegen lassen, mit unserer gemeldeten
Höhe können wir diesen jedoch nicht direkt
anfliegen. Wir umrunden also den Hügel und kurven
ein wenig zurück zum verlangten Checkpunkt. Nach
unserer ?abeam-Meldung? können wir auf einem
logischen Kurs den Platz anfliegen, erhalten wir doch
schon jetzt ?next final 26, Wind 240/30?. Dem ruppigen
Final, dank der Windscherungen an der Küste, folgt
eine saubere Landung. Nach dem Aussteigen erkennen wir
die Ursache des gelblichen Horizontes, Sand. Der Boden
und bald auch unser Flugzeug sind mit einer feinen
Sandschicht gepudert. Nach der Meteokonsultation
beschliessen wir einen Nightstop einzulegen. Die
Zollformalitäten gestalten sich sehr aufwendig,
selbst um das Gepäck zu holen braucht es Formulare.
Die Crew-Karte ist hier unbekannt. Auch der Tankwart
lässt nicht mit sich reden, keine Vergünstigung
für ?Schulflüge?. So tanken wir das teuerste
Benzin unserer Reise.
Auch der Stadtbummel lässt keine Hochstimmung
aufkommen. Stundenlang latschen wir durch die Strassen
und Gassen, der warme Wind trocknet uns aus. Jedes Schild
das ein Restaurant vermuten lässt wird angesteuert,
alles geschlossen. Am Hafen unten ist dann doch noch
Rettung in Sicht, wir finden ein geöffnetes Lokal.
Im Hotel Embajador verbring-en wir die Nacht.
Montag, 17.05.1999
Da am nächsten Morgen die Meteo der Küste
entlang Richtung Norden gute Verhältnisse verspricht
wird ein nächstes Leg nach Gerona geplant. Wir haben
wirklich schöne Sicht entlang der Küste, flache
Strände wechseln mit felsigen Küsten. Vor
Alicante wechseln wir in das Landesinnere um auf der
Transitroute die Flugplatzzone hinter uns zu bringen. Da
das geplante Leg 4:10 Stunden Flugzeit ergibt macht Otti
als Copilot in der Nähe von Valencia eine
Benzinreserveberechnung. Alles ist o.k.
Aber nicht mehr lange. Vor Sabadell wird das Wetter
immer schlechter, Regen setzt ein, die
Sichtverhältnisse nähern sich dem Minimum. Nur
wer nein sagen kann wird in der Fliegerei alt. Diesem
Grundsatz folgend kehren wir um und landen in Reus. Wir
sollen diesen Entscheid auch in anderer Hinsicht nicht
bereuen. Reus ist ein aufstrebender Touristikflugplatz,
freundliches Personal, guter Service beim Zoll, Benzin,
Meteo. Man glaubt fast in einem anderen Land zu sein,
wenn man an den Vortag denkt. Das Hotel Ciutat in
Tarragona wird uns empfohlen. Beim verlassen des Taxi
schauen wir uns mit gemischten Gefühlen an.
Können unsere doch schon ein wenig angezapften
Creditkarten dies noch verkraften? Umso grösser ist
dann unsere Überraschung als die freundliche Dame
uns die Übernachtung für sFr. 215.- für 3
Personen offeriert. Die AOPA-Karte ist hier willkommen.
Um nicht mehr die gleichen Erfahrungen wie in Almeria zu
machen, lassen wir uns von einem Taxi in den Teil der
Stadt bringen wo der Abend sinnvoll zu gestalten ist. Der
Chauffeur macht ein paar Kurven und lässt uns in
einer belebten Strasse aussteigen, nicht ohne uns ein
paar Restauranttipps zu geben. Nach ein paar Schritten
finden wir ein Restaurant welches im Aushang sogar eine
deutsche Speisekarte führt. Wir geniessen das feine
Essen und den guten Service. Wie sagt man doch so
schön? Ein Essen ist erst nach dem Dessert fertig.
Werner und ich begnügen uns mit einem normalen Coupe
mit ein bisschen Glacé und Früchten. Otti
hingegen hat, ganz untypisch für ihn, Lust auf etwas
ganz Süsses. Er findet in der Dessertkarte ein Choc
au mousse. Werner und ich bekräftigen Otti in seiner
Wahl, haben wir doch am Nachbartisch die Portionen
gesehen. Der Kellner bringt bald unsere Desserts, nun
staunt Otti. Er bekommt eine riesige Schüssel Choc
au mousse. Er glaubt mit dem ebenfalls grossen
Löffel sich eine Portion schöpfen zu
müssen. Aber wohin? Wir erklären ihm, dass die
ganze Schüssel für ihn sei, der Tischnachbar
habe auch eine solche Schüssel voll weggeputzt. Otti
kann sich mit der Riesenportion nicht ganz anfreunden, er
ermuntert uns auch zu zugreifen. Nach ein paar
Löffeli zum Versuchen geht dann aber definitiv mehr
als die Hälfte zurück in die Küche.
Dienstag, 18.05.1999
Schon am Vorabend haben wir beschlossen früh aus
den Federn zu kriechen wollen wir doch so weit wie
möglich vorwärtskommen. Wir planen eine Etappe
nach Montpellier. Wenn wir das Rhonetal erreichen
könnte es sogar nach Hause reichen. Diesmal klappt
es, wir kommen problemlos an Sabadell vorbei, über
die Pyrenäen haben wir gutes VFR-Wetter. Wir sehen
im Osten die Küste, auch dieser Weg wäre heute
möglich gewesen. Nach Perpignan hängen wir uns
an die Küste und folgen dieser Richtung Norden. Auf
der Höhe von Bézier treffen wir auf Dunst und
immer tiefere Wolkenbänke die mich zum absinken
zwingen. Kurz vor Sète auf 400 ft kehre ich um und
fliege zurück nach Perpignan. Bei Wind aus 120°
mit 25-35 kn lande ich auf der Piste 15. Auf dem neuen
GAC-Parking tanken wir auf. Anschliessend folgt ein sehr
intensives Meteostudium. Wir entscheiden den Versuch zu
wagen nordwestlich von Bézier im Landesinnern via
Montelimar nach Genf zu fliegen.
Otti als PIC bringt uns dann wie erhofft ins Rhonetal.
Ich bin voll damit beschäftigt die Navigation und
den Funk zu führen, während Werner immer darauf
bedacht ist den Rückweg offen zu halten. Im Rhonetal
treffen wir dann schönstes Wetter an und wir
geniessen den Flug durch das schon vertraute Gebiet. Auch
der Anflug in Genf geht sehr speditiv vonstatten. SW und
direkt Base 05 grass.
Während Werner noch die Schlussetappe plant
organisieren Otti und ich telefonisch das
Empfangskomitee, sprich Taxi vom Birrfeld nach Hause.
Bei starkem Dunst fliegen wir via N, SPR, FRI, Bern
ins Birrfeld. Auch diese letzte Etappe geniessen wir in
vollen Zügen.
Wieder einmal mehr haben wir eine schöne,
kameradschaftliche Flugreise erleben dürfen. Ohne
festes Reiseziel waren wir vor 10 Tagen gestartet,
erreichten die südlichsten Punkte von Spanien und
Portugal, sahen die verschiedensten Topographien, hatten
mit den unterschiedlichsten Leuten zu tun, kämpften
mit allen möglichen Wettersituationen, flogen wenn
wir es verantworten konnten, blieben am Boden wenn es uns
zu riskant erschien.
So macht fliegen Spass, ich danke meinen Freunden
für dieses Erlebnis.
Peter