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III Was macht Animes so speziell? Es gibt viele Gründe, weshalb sich Animes von anderen Zeichentrickfilmen so stark unterscheiden. Wenn man einen Anime mit einem Trickfilm aus dem Westen vergleicht, fallen einem meistens die großen Augen der Animecharaktere auf. Stilistische Unterschiede sind also von entscheidender Bedeutung.
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Der
Hintergrund dieses Bildes besteht aus einigen dunklen Streifen; kombiniert
mit |
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3.2 Dramaturgische Unterschiede Wie schon in Kapitel 3.1 erwähnt, besteht der Unterschied
zwischen dem traditionellen europäischen und japanischen Drama darin,
dass man bei uns versucht, die Handlung möglichst real darzustellen
und den Zuschauer von der Echtheit des Geschehens zu überzeugen.
Dadurch wird dessen Einfühlungsvermögen so verstärkt, dass
er zwischen Wirklichkeit und Fiktion nicht mehr unterscheiden kann.
Ein Unterschied zwischen der japanischen und der westlichen
Animationsindustrie ist die große Anzahl der Animationsstudios in
Japan, von denen viele bei den größeren Studios unter Vertrag
stehen. Der Konkurrenzkampf ist dadurch ziemlich groß. Japan besitzt
auch eine extrem große Comicindustrie (Mangaindustrie), die um einiges
größer ist, als die Animationsindustrie. Daher ist es auch
kein Wunder, dass über 50% des Papierverbrauchs in Japan der Mangaindustrie
zugerechnet wird. Mangas sind eine große Quelle für Animegeschichten.
Wenn ein Animationsstudio einen erfolgreichen Manga umsetzt, ist die Aussicht
auf den Erfolg des Animes recht groß, weil man dann schon von Anfang
an ein großes Publikum besitzt. Immer wieder kritisieren im Westen die Zuschauer den
hohen Anteil von Sex und Gewalt in japanischen Animationsfilmen und behaupten,
dass diese einen schlechten Einfluss auf die hiesige Jugend haben. Man
darf jedoch nicht vergessen, dass es sich bei solchen Animes nicht unbedingt
um einen repräsentativen Teil des Gesamtangebots handelt.
Das Spezielle an den Geschichten ist, dass man das Ende
meistens nicht voraussagen kann und dann völlig überrascht ist.
Immer wenn ich eine Serie schaue, versuche ich, so viele Alternativen
wie möglich für das Ende zu erfinden. Bis jetzt ist aber noch
nie eine eingetroffen. Als weiteres Merkmal erwähnen kann man, dass
es nicht unüblich ist, dass einer der Hauptcharaktere stirbt, seine
Freunde verliert oder an einem Vorhaben scheitert.
Es ist immer wieder lustig, englische Wörter oder Sätze in Animes zu hören, da entweder der Gebrauch oder die Aussprache völlig falsch sind. In der japanischen Sprache gibt es recht viele Wörter, die aus dem Englischen (manchmal auch aus dem Deutschen, seltener dem Französischen) übernommen und dem Japanischen angepasst wurden. Dabei unterscheidet sich die Bedeutung des Wortes meist vom ursprünglichen Sinn. Es gibt in Japan beispielsweise Herzchen, die man jemandem, den man liebt, schenkt. Diese Herzchen heißen “Airabiyu“ (I love you).
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Bei Animes würden sich
die Charaktere bei den stark stilisierten Gesichtern sehr ähnlich
sehen. Deshalb sind die Frisur, die äußere Kontur oder die
Augen das wichtigste Mittel, um sie voneinander zu unterscheiden ohne
lang nachdenken zu müssen. Aber auch Gemütszustände werden manchmal durch visuelle Effekte dargestellt. So wird die Nervosität eines Charakters häufig durch einen übergrossen Schweißtropfen dargestellt. |
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| Schweißtropfen – Der Charakter rechts muss wohl gerade etwas Peinliches miterleben. | ||
3.7.1 Augen |
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Animeaugen sind
nicht nur groß, sondern sehen auch nicht gerade besonders asiatisch
aus. Einige behaupten, dass die Japaner gerne große Augen zeichnen,
weil sie selber kleine Augen haben. Diese Aussage mag in gewisser Hinsicht
sogar stimmen, denn eine der häufigsten Schönheitsoperationen
in Japan ist die Umwandlung von asiatischen Augen zu “großen“
europäischen Auge. Der wahre Grund ist aber, dass sich mit Hilfe der Augen die Gefühle der Charaktere wie Freude, Trauer, Hass oder sogar schwieriger auszudrückende Gefühle wie Neid, gut darstellen lassen. Grosse Augen sind ebenfalls dazu da, die Unschuld eines Charakters zu zeigen. Deshalb haben jüngere Charaktere auch meist größere Augen als Erwachsene. In Ranma ½ haben die beiden Hauptcharaktere Ranma und Akane große Augen, doch |
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| Was
diese Person wohl gerade verspürt? Augen
können sehr viel über den Gemütszustand eines Charakters aussagen. |
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| die Augen ihrer Eltern sind ganz normal. Auch Kuno,
einer der Feinde Ranmas hat keine großen Augen. Dies hat aber
nicht nur damit zutun, dass er älter als Ranma ist, sondern auch
weil er eine böse Seite hat und ständig etwas im Schilde führt.
Schließlich gibt es aber auch Charaktere, die ihre Augen praktisch die ganze Zeit geschlossen haben. Ich kann mir dieses Phänomen eigentlich bis heute nicht erklären. Otohime Mutsumi aus Love Hina hat ihre Augen über alle 26 Episoden hinweg immer geschlossen. Da sie eigentlich ein ziemlich niedlicher Charakter ist, könnte ich mir aber vorstellen, dass man mit den geschlossenen Augen diesen Eindruck verstärken möchte. Wieso haben dann aber auch viele ältere Personen geschlossene Augen? Dies wird mir wohl für immer ein Rätsel bleiben.
Die Haarfarben, die den Charakteren zugeordnet werden, spielen eine beträchtliche Rolle bei der Charakterisierung einer Figur. Unbewusst verbindet der Zuschauer nämlich bestimmte Eigenschaften mit den verschiedenen Farben. Die Bedeutung der Haarfarben ist meistens von der chinesischen Farbsymbolik, manchmal aber auch von der westlichen geprägt. Dies muss natürlich nicht immer zutreffen.
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| Schwarze/Braune Haare |
In Japan und allen anderen ostasiatischen
Ländern haben die Leute praktisch nur schwarze Haare, daher werden
solche ebenfalls in den Anime als „normal“ betrachtet. In
Serien, die in einem eher realistischen Stil gehalten sind, wie beispielsweise
City Hunter, Serial Experiments Lain oder Witch
Hunter Robin haben der Grossteil der Charaktere schwarze oder braune
Haare. Schwarze Haare weisen nicht nur auf Normalität und “Japanisch-Sein“
hin, sondern auch auf eine Verbundenheit mit Traditionen und Werten. So
werden z.B. Shinto-Priesterinnen wie Sakura aus Urusei Yatsura
mit schwarzen Haaren dargestellt. Schwarzhaarige Charaktere neigen auch
oft zu Ernsthaftigkeit und was die Liebe angeht, zählen sie oft zu
den “Spätentwicklern“, wie z.B. Shinji aus Neon Genesis
Evangelion. Braunhaarige Charaktere sind zwar auch “normal“ und neigen zu einer eher |
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| Ein
Charakter aus Witch Hunter Robin. Braune Haare symbolisieren oft Normalität und Ernsthaftigkeit. |
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| ruhigen bis passiven, zurückhaltenden Art, sind jedoch dabei häufig viel sanfter (z.B. Belldandy aus Ah! My Goddess).
Blonde Haare kommen sehr oft in “nicht-realen“
Animes vor. Die für Japaner ungewohnte Haarfarbe, dazu das Setting
– meist in einem fernen Land oder einer vergangenen Zeit –
befreien die Charaktere von den Konventionen und Zwängen der japanischen
Gesellschaft, machen die Geschichte zu einem Märchen, das teilweise
auf die eigene Welt übertragbar ist – aber eben nur teilweise.
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| Rote Haare | |
| In Japan gilt Rot als Farbe
der Sonne und des Feuers und drückt damit Vitalität, die Essenz
des Lebens, aus. Rothaarige sind in der Regel aktiv bis aggressiv, als
Mädchen häufig burschikos und besitzen nicht selten
ein aufbrausendes Temperament und einen gewaltigen Dickschädel.
Lina Inverse aus Slayers ist wohl das beste Beispiel dafür.
Oft handelt es sich dabei um geborene Einzelgänger/-innen,
die nur eine große Leidenschaft in ihrem Leben kennen. |
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| Die
temperamentvolle Lina Inverse aus Slayers. |
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Grüne Haare Grünes Haar ist bei Animes eher selten zu finden. Und wenn, dann meist bei Außerirdischen oder Wesen aus anderen Welten (z.B. Lum aus Urusei Yatsura). Grünhaarige Charaktere erweisen sich als extrem zuverlässig und loyal; so sehr, dass sie ohne weiteres dazu bereit sind, für die betreffende Sache/Person andere oder sich selbst zu opfern. Wie die blauhaarigen neigen sie ein bisschen dazu, als Einzelgänger/-kämpfer aufzutreten und sich zu isolieren (wenn auch nicht ganz so extrem).
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| Rosa Haare |
Ein harmloses, oft kindliches Äußeres,
hinter dem gewaltige Kräfte oder eine dunkle Seite verborgen liegen,
finden wir häufig bei Charakteren mit rosa Haaren. Sie zeichnen sich
häufig durch einen starken Willen und ein naives Auftreten aus. |
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| Hasegawa Chaco aus Cosplay Complex strahlt durch ihre rosafarbenen Haare ein kindliches Aussehen aus. |
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Blaues Haar wird gelegentlich als besondere
Schattierung von schwarzem verwendet, geht aber häufig
auch ins grüne über: Charaktere mit blauen oder grünen
Haaren werden nicht selten alternativ mit grünen bzw.
blauen Haaren dargestellt, was einfach damit zusammenhängt, dass
das japanische Wort für blau, “aoi“ sowohl grün
als auch blau bedeutet. Die mit den Farben blau und grün
verbundenen Vorstellungen gehen also teilweise ineinander über. Blaues Haar suggeriert vor allem Kühle, Unnahbarkeit, oft auch Einsamkeit oder Fremdheit. Rei Ayanami aus Neon Genesis Evangelion verkörpert praktisch alle diese Eigenschaften in sich. |
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Rei Ayanami aus Neon Genesis Evangelion: Kühler und unnahbarer geht es kaum. |
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Violette Haare Purpur war schon immer schwer zu gewinnen und dadurch
ein teurer Spaß, der den Reichen vorbehalten blieb – im
Osten wie im Westen. Etwas Besonderes eben. Man findet deshalb im Anime
violette Haare häufig bei Charakteren von vornehmer Geburt oder
in gehobener Position, mit einer ruhigen, zurückhaltend-vornehmen
Art.
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| Weiße Haare |
| Charaktere mit weißen, gewöhnlich lang getragenen Haaren werden fast immer mit anderen Sphären oder Dimensionen verbunden. Sie besitzen meist eine große, verborgene Macht. Im alten China galt Weiß als die Farbe des Gewaltigen, Übernatürlichen, des Tages, der Sterne und des Mondes. Es ist eine recht seltene Haarfarbe und meist nur bei (Halb-)Göttern, besonders starken Kriegern oder außergewöhnlichen Persönlichkeiten vorzufinden. |
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Inuyasha: Seine weißen Haare weisen darauf hin, dass in ihm eine große Macht verborgen liegt. |
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