|
|
II Geschichte
Die ersten japanischen Animationsfilme waren einige zwei-
bis fünfminütige Kurzfilme, die etwa um 1917 entstanden sind.
Hauptsächlich handelt es sich dabei um Märchen japanischen sowie
europäischen Ursprungs, die von Hobbyanimatoren gefertigt wurden.
Diese Animationsfilme hatten im Gegensatz zu heute keine bewegten Hintergründe;
lediglich die Figuren waren animiert.
|
||
| Anfang der 60er Jahre sorgte
vor allem Osamu Tezuka für Aufsehen. Tezuka revolutionierte sozusagen
die japanische Anime- und Comicwelt. Schon in seinen jungen Jahren liebte
er es, Cartoons zu zeichnen.
Als er mit 18 Jahren an der Uni Medizin zu studieren begann, verdiente
er nebenbei mit dem Zeichnen von kurzen Cartoons für verschiedene
Zeitungen sein Geld. Später begann er längere Comics zu erstellen,
mit denen er ziemlich schnell national bekannt wurde. Obwohl er sein Medizinstudium
erfolgreich beendet hatte, entschied er sich dafür, sein Leben den
Comics und der Animation zu widmen. So kam es 1962 zur Gründung von
Studio Mushi; kurz darauf veröffentlichte er schon seinen ersten
Anime: Aru Machikado no Monogatari; der erwünschte Erfolg
blieb jedoch aus. Den entscheidenden Durchbruch schaffte Tezuka 1963 mit
seiner ersten TV-Serie Tetsuwan Atom (Astro Boy), dessen
Geschichte auf seinem gleichnamigen Manga beruhte. Diese Serie, die seit
einigen Jahren auch auf Deutsch erhältlich ist, hatte einen
so großen Erfolg, dass nach einigen Monaten in Amerika |
||
| Osamu
Tezuka, auch be- kannt als “der Gott des Manga“. |
||
| eine synchronisierte Version
davon ausgestrahlt wurde. Nach Tetsuwan Atom veröffentlichte
ebenfalls Tezuka im Jahre 1965 die erste farbige TV-Serie Jungle Taitei
(Kimba, der weiße Löwe), die ebenfalls einen so großen
Erfolg wie Tetsuwan Atom hatte. Nach diesen beiden Titeln war es aber
lange Zeit still um ihn. |
||
|
Tetsuwan Atom ist ein Anime, der
in der Zukunft spielt, um genau zu sein im Jahre 2003. (Man beachte,
dass das Jahr 2003 noch weit in der Zukunft lag, als der Anime produziert
wurde.) Professor Tenma ist völlig verzweifelt, als sein
Sohn Tobio bei einem Verkehrunfall ums Leben kommt. Er vertieft
sich in sein aktuelles Projekt und entwickelt Astro, einen Roboterjungen,
der programmiert ist, stets Gutes zu tun. Kurz danach ist
er aber von seinem Projekt sehr enttäuscht, weil sein
“Ersatzjunge“ nicht wie ein richtiger Junge wachsen kann und
verkauft seine Erfindung an Hamegg, dem grausamen Direktor
eines Roboterzirkus. Glücklicherweise trifft Astro aber den
gutmütigen Professor Ochanomizu, der ihn adoptiert und ihm beibringt,
das Böse zu bekämpfen. Die Handlung mag sich vielleicht
ein wenig simpel und kindisch anhören, man darf jedoch
nicht vergessen, dass es einer der ersten Animes überhaupt war. Die
Thematik von Tetsuwan Atom kommt in Animes oft vor:
Eine Maschine, die eine Seele besitzt (vgl. Pinocchio). Von Tetsuwan
Atom bis zu Saber Marionette (1995)
wurde das Thema über die |
||
|
Astro, ein Roboter,
der programmiert ist, stets Gutes zu tun. |
||
Beziehung von Mensch und Maschine immer
wieder aufgegriffen. In Ghost in the Shell (1995) zum Beispiel
zweifelt Major Kusanagi, eine weibliche Halbandroidin, an ihrer Menschlichkeit,
nachdem fast ihr gesamter Körper durch Maschinen ersetzt wurde. |
||
2.3 Die 70er Jahre – Das Jahrzehnt der Roboter (siehe
auch Kapitel 4.1.1 Mecha) |
||
Die 70er Jahre kann man als Jahrzehnt
der Roboter oder Mecha bezeichnen. Das Wort “Mecha“ kommt
vom englischen “mechanical“ und bedeutet soviel wie “mechanisch“.
Mecha werden Animes genannt, in denen gigantische Roboter die Hauptrolle
spielen. Meistens haben die Roboter, auch Mechs genannt, eine humanoide
Form. Es gibt aber auch einige, die wie Tiere aussehen und andere, die
normale Fahrzeuge sind, welche sich aber in Mechs verwandeln können.
Mechs werden meistens von einem humanoiden Wesen gesteuert. In Mecha Animes
gibt es praktisch immer eine gute und eine böse Seite, die sich bekämpfen.
Ein weiteres Merkmals der Mecha ist auch das Design der Mechs: Sehr oft
tragen diese einen Helm, der einem Kabuto ähnelt. Ein
Kabuto ist ein Helm, der in Japan zu Zeiten |
||
| Ein Mech
aus Gundam Seed, der zurzeit aktuellsten Gundam-Serie. |
||
| der Feudalära von hochrangigen
Samurai getragen wurde. Es gab auch weitere Einflüsse der japanischen
Kampfkunstkultur: In den Kämpfen zwischen Mechs werden meistens Waffen
verwendet, die auch im Mittelalter Verwendung fanden. Ein klassisches Beispiel für Mecha Anime sind die Gundam-Serien, die schon seit über 20 Jahren bei den Fans großen Anklang finden. Es gibt davon zahlreiche Serien, Filme und OVAs. |
||
2.4 Die 80er Jahre – Das neue Zeitalter In den 80er Jahren begann man die Handlung in Animes
weiterzuentwickeln und es entstanden dabei komplexe Animes, die bei den
Fans viele philosophische Diskussionen auslösten. Schon in den 70er
Jahren hat man sich schon einem älteren Zielpublikum zugewendet,
da dieses auch immer mehr und mehr erwachsen wurde. Es entstanden viele
neue Genres, die Animationstechnik wurde verbessert und viele neue Talente
versuchten ihre Werke an den Mann zu bringen. |
|
|
berühmten Manga von Rumiko Takahashi
basiert, einer Autorin, deren Werke heute Millionen von Zuschauern
begeistern. Urusei Yatsura ist die Geschichte eines jungen und faulen Gymnasialschülers namens Ataru Moroboshi, der gezwungen wird, eine Alienprinzessin mit dem Namen Lum zu heiraten. Es ist eine Liebesgeschichte mit absurdem Humor und fantastischen Situationen verbunden mit Science Fiction, an dem sich später noch zahlreiche andere Animes orientieren werden. Urusei Yatsura war übrigens so erfolgreich, dass davon noch eine OVA und insgesamt 6 Kinofilme produziert wurden. Die allererste OVA war Dallos (1983) von Mamoru Oshii, einem Talent, das auch an der Produktion von Urusei Yatsura maßgeblich beteiligt war. Später produzierte Mamoru Oshii Werke wie Mobile Police Patlabor, Ghost in the Shell, Jin-Roh oder sogar Kinofilme wie Avalon. |
|
|
Die Hauptcharaktere aus
Urusei Yatsura und Ranma 1/2. Links in der Mitte ist Ataru Moroboshi zu sehen. |
|
Im März 1984 veröffentlichte
Hayao Miyazaki den Film Kaze noTani no Nausicaä (Nausicaä
of the Valley of the Wind), der in den Augen vieler Fans der beste
Anime ist, der je produziert wurde. Hayao Miyazaki, der übrigens
der Zeichner von Alps no Shojo Heidi (Heidi) ist, gehört
sowohl in Japan, als auch weltweit zu den besten und bekanntesten Animeproduzenten.
1987 wurde der Science Fiction-Anime The Wings of Honneamise von Gainax produziert, einem Studio, das die Fans immer wieder mit ausgefallenen Ideen begeistert. |
|
|
1988 produzierte Katsuhiro
Otomo den Anime Akira. Im Vergleich zu den bisherigen Animes,
hatte Akira einen sehr düsteren und reifen Stil kombiniert
mit spektakulären Animationen. Daher konnte er das Interesse vieler
Nichtjapaner für die Welt der japanischen Animation wecken. 1989 war das Todesjahr von Osamu Tezuka. Er starb einige Wochen nach dem japanischen Kaiser Hirohito, dessen Tod beim japanischen Volk große Trauer ausgelöst hatte. Erstaunlicherweise löste Tezukas Tod eine fast genauso große Trauer aus. Viele ausländische Journalisten kamen zu dieser Zeit nach Japan, um über die Beerdigungsfeier des bekanntesten Mangazeichners zu berichten. |
||
| Akira: Der düstere
Stil dieses Animes ist deutlich erkennbar. |
||
2.5 Die 90er Jahre – Animes erobern die Welt Die 90er Jahre waren das Jahrzehnt, in dem ein Grossteil der bisher erschienen Animes produziert wurde und in dem sich die Fangemeinde auf der ganzen Welt explosionsartig vermehrt hat. |
|
| Mit der Zunahme der Fans nahmen
aber auch dessen Erwartungen zu. Um sich diesen Erwartungen
anzupassen, produzierten die Studios Titel mit komplexeren Geschichten
wie z.B. Shinseiki Evangelion (Neon Genesis Evangelion)
oder Serial Experiments Lain, die die volle Aufmerksamkeit
des Zuschauers erfordern, da dieser sonst sehr schnell den
Faden verlieren würde. Anfang der 90er kam es auch das erste Mal zur Verschmelzung zwischen Shoujo- und Shounen-Animes. Mit Ranma ½ von Rumiko Takahashi (Urusei Yatsura) entstand eine Serie, die sowohl die bei den Mädchen so beliebten Shoujo-Elemente, als auch actionreiche Shounen-Elemente beinhaltete. Mit der Vermischung dieser zwei traditionellen Genres konnte also ein viel größeres Publikum angesprochen werden. Viele Produzenten erkannten das Potential dieses neuen Genres und folgten dem Beispiel von Ranma ½. So enstanden Serien wie Tenku no Escaflowne (The Vision of Escaflowne) oder Inuyasha, die ebenfalls sehr erfolgreich waren und es noch heute sind. |
|
| Neon
Genesis Evangelion ist wohl die erfolgreichste Serie von Gainax. |
|
Die 90er Jahre waren vom
großen Einsatz der Computertechnik (siehe auch Kapitel 5.1 Der
Gebrauch von Computer) geprägt. Immer öfters wird bei der
Produktion von Animes auf die Hilfe von Computern zurückgegriffen,
die die Arbeitszeit erheblich verkürzen. Leider ist es nicht selten
der Fall, dass bei vielen Animes die Computertechnik zu oft eingesetzt
wird und die Qualität der Animes auf Grund dessen negativ beeinflusst
wird. Ein gutes Beispiel dafür ist Blue Submarine No. 6:
Durch den übermäßigen Einsatz von Computeranimationen
wurde ein Anime geschaffen, der animationstechnisch überhaupt nicht
zu überzeugen vermag. Dennoch konnte der Anime durch seine philosophische
Geschichte einen gewissen Erfolg verbuchen. |
||
| Eine computeranimierte Szene aus Blue Submarine No. 6. | ||
|