Southern
Soul/Blues
und Gospel CD- und DVD-Reviews und Tipps:
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CD- und DVD Reviews von
2007

weitere
Reviews von *2008* *2006* *2005* *2004* *Indie-Gospel CD-Tipps* |

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THE WILLIAMS BROTHERS: "THE CONCERT" (DVD)
BLACKBERRY (MALACO) RECORDS BDVD-3008 (erschienen
2000)
Die Williams Brothers aus
Smithdale/Mississippi gehören schon seit vier Jahrzehnten zur obersten Elite der
Quartettgospelwelt, sind also schon sowas wie eine legendäre Formation. Ihre Anfänge
gehen zurück in die Sechzigerjahre, als sie für Don Robey's
Duke/Peacock/Songbird-Schallplattenimperium in Houston/Texas die ersten Aufnahmen machen
und damit bald schon beträchtliche Erfolge verbuchen konnten. Die Zukunft war dann aber
nicht immer ganz so glanzvoll wie am Anfang, es gab Streit mit diversen Plattenfirmen,
nebst anderen Arten von Rückschlägen, was dann schlussendlich dazu führte, dass die
Brothers ihre eigenen Plattenlabels gründeten (Melendo und Blackberry Records). So wird
am Ende dieses Videos noch ein kleiner Einblick geboten in die Headquarters und Büros des
Wirkfeldes der Williams Brothers, resp. in den Labelbetrieb von Blackberry Records.
Was bietet nun aber die hier vorgestellte DVD in musikalischer Hinsicht: Im Gegensatz
zur schlichten Auftretensweise von Lee Williams & The Spiritual QC's im oben
besprochenen Live-Video, legen die Williams Brothers in ihren Konzertauftritten eindeutig
mehr Wert auf "Show" und Entertainment. Ihr Projekt "The Concert"
wurde vor sieben Jahren in Jackson/Mississippi gefilmt und bietet innerhalb eines
generösen Programms von mehr wie zwei Stunden Dauer auf unterhaltsame Art und Weise einen
abwechslungsreichen Mix aus traditionellem Quartettstil, Chor-Zwischenspielen und
Auftritten bekannter Guest Stars wie von Bishop Carlton Pearson und Juanita Bynum. Sogar
zwei Pantomimen treten mal kurzzeitig in Aktion, um einen Tenuewechsel der beiden Herren
Doug und Melvin Williams elegant zu überbrücken. Auf der musikalischen Ebene ist das mit
viel Power Dargebotene technisch Top-Class. Die Begleitband beherrscht ihre Instrumente
meisterhaft und sehr professionell, und der Bishop Pearson verbreitet mit seinem
strahlenden "don't worry be happy"-Gesicht aufgestellte Laune und kann daneben
auch wirklich gut singen, was natürlich auch auf Frau Bynum und auf die Williams Brothers
zutrifft. Trotz alldem vermisst man in diesem Projekt irgend etwas. Es ist die gewisse
"spirituelle" Ausstrahlung, die andere, nicht so aufwändig inszenierte
Videomitschnitte von Quartettgospel-Konzerten besitzen, Klassiker wie beispielsweise
"Live In Memphis" der Canton Spirituals, "Live At Jackson State
University" von Willie Neal Johnson & The Gospel Keynotes oder die Projekte von
Lee Williams & The Spiritual QC's. Wer aber seinen Gospel eher unterhaltsam wie ein
Theaterstück aufgeführt mag und auf gutes Musikerhandwerk viel Wert legt, der dürfte an
"The Concert" der Williams Brothers sicher grossen Gefallen finden. |

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DIONNE WARWICK: "THE MAGIC OF BELIEVING - featuring The Drinkard Singers"
COLLECTORS' CHOICE MUSIC (RHINO) RECORDS CCM-759
(original erschienen 1968 - auf CD wiederveröffentlicht 2007)
Aeltere Soul- und Rhythm & Blues-Freunde, die das
goldene Zeitalter dieser Musik in den 60er Jahren noch aktiv miterlebt haben, werden sich
bestimmt noch erinnern an die gefühlvoll interpretierten Lieder wie "Don't Make Me
Over", "Walk On By" oder "Anyone Who Had A Heart", die damals
auch aus unseren europäischen Musikboxen erklangen. Komponiert wurden diese Klassiker vom
Komponistenteam Hal David/ Burt Bacharach. "Tiefe Seele" eingehaucht hat ihnen
dann die gospelgeschulte Stimme der damals 23jährigen Marie Dionne Warwick. Dass die
Sängerin während ihrer damaligen Hochblüte als Popstar auch mal auf Wurzelsuche
gegangen ist und 1968 ein 100prozentiges Gospelalbum aufgenommen hat, blieb lange Zeit
vergessen. Deshalb hat das Reissue-Label Rhino Records besonderen Dank verdient, dass es
dieses Album wiederentdeckt und für den heutigen Markt in CD-Form neu aufgelegt hat.
Das Album umfasst 10 Songs und dauert 29 Minuten, was damals für eine Vinyl-LP zwar
nicht gerade überwältigend lang war, aber doch noch etwa dem allgemein üblichen Rahmen
entsprach. Das erste Stück ist eine Interpretation des Evergreens "Battle Hymn of
the Republic". Das Lied trifft vielleicht nicht ganz den Geschmack strikter
Gospelpuristen. Meiner Meinung nach gibt es aber von anderen Interpreten wesentlich
kitschigere Versionen des Standards, und Dionne versteht es, der Nummer wie auf ihren
früheren Bacharach/David-Balladen echt Soul zu verleihen. "Somebody Bigger Than You
And I" und der James Cleveland Song "Jesus Will" sind zwei delikat
vorgetragene langsame Balladen, in denen Warwicks Stimme voll zum Ausdruck kommt.
"Jesus Will" wird zusätzlich schön unterstützt durch die Hintergrundstimmen
der Drinkard Singers. Und es wird wohl das Stimmorgan von Warwicks Tante Cissy Houston
sein, das man hier so kristallklar herausjubilieren hört. Das Stück "Old
Landmark" ist ein "Traditional", arrangiert von Dionne. Man hat hier aber
ein bisschen den Eindruck, der rasant schnelle Rhythmus würde ihr leicht Mühe bereiten.
Man spürt, dass das wahre Herz der Sängerin eher beim Interpretieren von beschaulicheren
Liedern liegt. So ist beispielsweise ihre beseelte Version des Klassikers "Steal
Away" ein echtes High Light des ganzen Albums. Die Stücke "Blessed Be the Name
of the Lord", "Grace" und "In The Garden" haben alle auch ihre
Qualitäten und erklingen sehr schön bereichert durch die Background-Stimmen der Drinkard
Singers, in deren Umfeld Dionne Warwick's Gesangskarriere einst begann.
Besten Dank geht übrigens an Bernd Grimmel in Nürnberg, durch den ich auf diese
interessante Wiederveröffentlichung aufmerksam gemacht wurde. |

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LAMORRIS WILLIAMS: "SINGS THE BLUES - NEW SCHOOL BLUES"
MELENDO BLUES RECORDS MB-2777 (erschienen 2005)
Wie vor einigen Jahren schon von Vick (oder Victor)
Allen der Canton Spirituals vordemonstriert, wagt mit dem vorliegenden Album
"LaMorris Williams Sings The Blues - New School Blues" nun ein weiterer
begnadeter Gospelmusiker den mutigen Schritt in die illustren Gefilde des weltlichen
Southern Soul/Blues. Quartettgospel-Fans werden dem Namen LaMorris Williams schon
gelegentlich begegnet sein. Er war oft aufgeführt als Begleitmusiker, Komponist, Producer
oder auch als Soundtechniker im Studio auf diversen Gospelproduktionen, beispielsweise der
Williams Brothers, der Fantastic Violinaires, der Jackson Southernaires oder jenes ihres
einstigen und unterdessen verstorbenen Frontmanns Roger Bryant Jr. (dessen Album
"Simply Roger" etwas weiter unten besprochen ist). LaMorris Williams gibt heute
vorallem beim in Jackson/MS beheimateten Gospellabel "Melendo Records"
soundmässig den Ton an. Dort hat sein Vater Leonard Williams Sr., der das Label besitzt
und managt, für das CD-Debut seines nun auch bluessingenden Sohns extra eine
"Melendo Blues"-Zweiglinie gegründet. Wir sind sicher alle gespannt, ob auf
dieser Plattenmarke demnächst noch andere Grössen der Soul/Blues-Welt auftauchen
werden....
Musikalisch betritt unser hier vorgestellter Gospel- und nun "New
School"-Blues-Mann ähnliches Territorium, wie man es auch von anderen Vertretern der
Gospel-orientierten Soul/Blues-Szene her kennt, z.B. von Willie Clayton, Omar Cunningham
oder vom oben erwähnten Vick Allen. LaMorris besitzt eine ausgesprochen seelenvolle
Stimme, die besonders in den langsamen Balladentiteln wie "Drinkin'",
"Whatever Kinda Love" oder "One Blessing" zum Tragen kommt. Die drei
schönen Slowies sind denn auch die eigentlichen Highlights des Albums. Fröhliche
Party-Stimmung verbreiten die beiden "Party Blues"-Songs "Hello Lady"
und "It's The Weekend". "Weekend" war denn auch oft die Startnummer
ins Wochenende jeweils am Freitagnachmittag in DJ Ragman's Sendestunden beim beliebten
Bluessender WMPR in Jackson Mississippi, was dem Lied zu sowas wie einem kleinen Hit
verholfen hatte. Ein ganz exquisiter und sexy Schmusesong ist das Stück "Pretty
Lady", in welcher die auf der Aufnahme anwesende, im Booklet aber nicht namentlich
erwähnte Backgroundsängerin auf LaMorris' Anrufung "pretty lady" mit himmlisch
gehauchtem "that's me!" antwortet - grosse Klasse!! Stilistisch bewegt
sich LaMorris Williams mit seinem "New School Blues" ganz im traditionellen
"Southern Soul"-Rahmen, unterlegt natürlich vom heute üblichen
"radiofreundlichen", keyboardbetonten Studiosound. Die Stücke sind aber sehr
geschmackvoll und clever arrangiert. Einzig die Nummer "The Answer Is" fällt
mit seinen Anleihen aus der Pop-R'n'B-Welt ein wenig aus dem sonst hier vorherrschenden
Soundkonzept und lässt vermuten, dass der Künstler bemüht ist, auch bei der jüngeren
Generation Gehör zu finden (dies zeigen z.B. auch die vorgestellten Songs auf seiner
eigenen MySpace-Seite). Erwähnenswert ist nebst alldem die ausgezeichnete
Arbeit des hier mitwirkenden Gitarristen Chris Forrest, der das ganze Album mit seinen
knackigen "Gospelblues"-Licks aufs Schönste bereichert. Mit nur 31 Minuten
Spielzeit ist das CD-Album zwar etwas knapp geraten, aber trotzdem eine gefreute und
willkommene Produktion und jedem Southern Soul/Blues-Fan uneingeschränkt zu empfehlen.
Erhältlich ist das Album bei CD Baby, wo man auch reinhören kann.
Weitere Infos über die Aktivitäten bei Melendo Records gibt es auf der Website http://www.melendomusic.com/. |

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LEONARD WILLIAMS: "LEONARD WILLIAMS"
INFINITE SEVEN (MELENDO) RECORDS IFN-0077 (erschienen
2007)
Wie schon im obigen CD-Portrait erwähnt, ist Leonard
Williams Sr. der Vater von LaMorris Williams, wie auch der Gründer, Chef und Betreiber
des Melendo Labels. Zugleich war er eines der früheren Mitglieder der berühmten
"Williams Brothers", bei denen er als deren Business Manager und Agent (und
gelegentlichen Backgroundsänger)12 Jahre lang amtete. Für sein Melendo Label produzierte
Williams Alben der "Brothers" wie auch seine eigenen Solowerke, nebst solchen
bekannter Quartettgruppen. Spontan in den Sinn kommen mir LPs oder CDs von Willis Pittman
and the Burden Lifters, The Gospel Miracles, Slim And The Supreme Angels, The Original
Five Blind Boys of Mississippi, The Fantastic Violinaires, The Jackson Southernaires etc,
die alle mal bei Melendo Records erschienen waren. Mit seiner neusten hier portraitierten
und in diesem Jahr erschienenen CD tritt er wiederum mit einer eigenen Produktion an die
Oeffentlichkeit. "Schützenhilfe" erhielt er hier vorallem von Ray Braswell Jr.,
dem Produzenten und Gospelmusiker, der auch hinter dem Erfolg des Quartettgospel-Stars
Keith "Wonderboy" Johnson steht. Auch sein Sohn LaMorris Williams ist hier auf
zwei Tracks (den Titeln "Hard Times" und "Ghetto Preacher") als
Multiinstrumentalist mitinvolviert und ist auch als Tontechniker im Beiblatt erwähnt,
während die Gitarristen Tyrone Jackson und Chris Forrest in brillianter Weise die
Saitenarbeit erledigen. Es handelt sich hier um eine solide Gospelproduktion vorwiegend im
traditionellen Quartett-Stil. Gefallen hat mir vorallem der swingende Einstiegssong
"When Jesus Is Around (Something Good Happens)" in bester
Quartettgospel-Tradition. "Leonard's Praise Party" beginnt mit der Aufforderung
"If you're ready for a praise party, make some noise in the house - come on!",
worauf der Gitarrist und die ganze Band mit rockigen Tönen loslegt und den
"Gospel-Party"-Song damit einleitet... Eher ruhig und soulful präsentiert sich
der Balladen-Titel "You Still Have A Chance" während die Stücke "Ghetto
Preacher" und "He's Alright" eher bluesig-funky klingen. Sämtliche Songs
sind Eigenkreationen des Sängers. Erhältlich ist dieses Album ebenfalls bei CD Baby.
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ROGER BRYANT, JR.: "SIMPLY ROGER"
MELENDO RECORDS MEL-2288 (erschienen 2003)
Bedient werden wir hier auf diesem CD-Album mit einer
weiteren Portion Mississippi-Gospel im Quartett-Genre aus den Produktionswerkstätten von
Melendo Records und dem Team Leonard Williams Sr. und Sohn LaMorris Williams. Sänger
Roger Bryant Jr. war 22 Jahre lang reguläres Mitglied der bekannten "Jackson
Southernaires" und dort als deren zweiter Leadvokalist tätig. Mit dem 2003
erschienenen Album "Simply Roger" machte sich der Sänger auf den Weg zu einer
vielversprechenden Solokarriere. Leider verstarb er im April 2004, und so ist das hier
vorgestellte Werk sein letztes Vermächnis.
Das Album startet mit der Midtempo-Nummer "Ole Time Religion", komponiert und
instrumentell begleitet vom Multiinstrumentalisen LaMorris Williams. Das Lied lässt
diverse Highlights aus der Gospelgeschichte Revue passieren, Legenden werden genannt wie
Willie Neal (Johnson), James Cleveland, Sam Cooke oder Willie Banks und klassische Songs
wie Peace Be Still, Amazing Grace, Old Ship Of Zion, Rough Side Of The Mountain oder This
Little Light Of Mine zitiert. Gefolgt wird dieses Stück von "Time", einer
sanften Gospel-Soulballade. "Keep On Doing It" (aus der Feder und instrumental
unterlegt wiederum von LaMorris) ist klassischer "Old Time"-Uptempo
Quartettsound, d.h. so etwas was, wenn ich mich recht erinnere, Quartettspezialist Donnie
Addison einst eine "Drive"-Nummer genannt hat... "Make Me Thru This
Day" bietet in der weiteren Trackabfolge wiederum klassischen traditionellen
Quartettstil und ist ein nett swingendes Stück mit Backgroundvocals, gesungen von den
legendären Fantastic Violinaires, die zu jener Zeit ebenfalls bei Melendo Records unter
Vertrag standen. Nun folgt mit dem Titel "I Had A Dream" das Stück, das beim
amerikanischen Gospelradio wohl am meisten "air play" des ganzen Albums erhielt
und zu sowas wie einem Radiohit wurde. Die (wiederum von LaMorris Williams geschriebene
und instrumentell unterlegte) Nummer ist eine eindrückliche, sehr intensiv gesungene (ich
will es mal so nennen:) "Southern Soul Blues Gospel Ballade". Grossartig - der
legendäre O.V. Wright würde sich sogar ehrfürchtig verneigen vor diesem von Bryant
gelieferten gesanglichen Kraftakt... Sehr schön ist auf diesem Stück auch die
einfühlsam begleitende Bluesgitarre, gespielt vom Melendo-Studiomusiker Chris Forrest. Es
folgen dann noch vier weitere Songs: "Keep Sending Blessings" ist eine weitere
Uptempo-"Drive"-Nummer, "When I Feel Your Spirit" soulbluesig
balladesk und "Don't Take Your Hands Off Me" und "Wonder How He Did
It" wiederum southernsoulig. Das Album dürfte Quartettfreaks wie auch Southern
Soul/Blues-Fans sehr gut gefallen. Roger Bryant Jr. war ein hervorragender und sehr
seelenvoller Sänger und das Album "Simply Roger" ein gelungenes Zeugnis seines
gesanglichen Könnens. Sein Ableben kurz nach seinem Solostart ist ein sehr grosser
Verlust für die ganze Gospel- und auch Soul-Szene! |

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JOHNNIE TAYLOR: "LIVE AT THE SUMMIT CLUB"
STAX RECORDS STXCD-8628 (aufgenommen 1972, als
CD-Album erschienen 2007)
Die ganz am Anfang dieser Konzertaufnahme
zu hörende Ansage "When you speak of blues, this is a man who knows 'em from the
letter A to the letter Z" (getätigt durch den legendären Rufus Thomas, der hier als
MC diente), soll dem damaligen Soul-Superstar Johnnie Taylor eher peinlich gewesen sein.
"Blues", das war aus seiner Sicht doch die Vergangenheit im Chitlin' Circuit -
seine Jahre bei Stax Records vor dem grossen Durchbruch in die Pop-Charts mit dem Hit
"Who's Making Love". Das Ding hiess jetzt "Soul" und war der grosse
Renner im Musikgeschäft. Unterdessen haben sich die Begriffe jedoch wieder etwas
geändert: Was damals noch strikt als "soul music" galt, wird heutzutage längst
wieder als "blues music" vermarktet - oder zumindest eben als "Soul
Blues". Später in seiner Karriere wurde der vor sieben Jahren verstorbene Sänger
dann folgerichtig als "The Blues Wailer Johnnie Taylor" oder als "The
Reverend of The Blues" angekündigt und war bei einem der erfolgreichsten Blueslabels
unter Vertrag: Bei Malaco Records.
Die hier vorgestellte Aufnahme der Johnnie Taylor Show wurde am 23. September 1972 im
Summit Club in Los Angeles realisiert und war ein geplanter Teil des Filmprojekts
"Wattstax". Einige Ausschnitte aus diesem Konzert wurden seinerzeit
veröffentlicht auf der Doppel-LP "The Living Word - Wattstax 2". In der
vollständigen Form blieben diese Aufnahmen aber 35 Jahre lang unveröffentlicht im Archiv
liegen und wurden erst jetzt erstmals auf dieser CD dem Publikum zugänglich gemacht.
Trotz Taylors damaligem Problem, das Etikett "Bluesartist" akzeptieren zu
können, scheint der hier präsentierte Auftritt ein ganz normaler Chitlin' Circuit-Gig
vor einem begeisterten schwarzen Blues-Publikum gewesen zu sein, inhaltlich nicht viel
anders in seinem Ablauf wie das, was er 25 Jahre später auch im unten besprochenen
Dallas/TX-Konzert seinen mehrheitlich afroamerikanischen Fans vortrug. Vielleicht war
Taylor's "Bluesproblem" mit ein Grund, wieso man so lange auf die
Veröffentlichung dieses Materials warten musste - oder war es doch die Begleitband, die
daran schuld war, indem den Musikern ein paar kleine, meiner Ansicht nach völlig
unbedeutende "Schnitzer" passiert waren, wie im Booklet-Text vermerkt ist. Was
auch immer, die CD ist absolut hörenswert und die Stimmung Klasse, sei es in Taylors
Interpretationen seelenvoller Blues-Balladen wie "Little Bluebird", "Steal
Away", "Hello Sundown", "I Don't Wanna Lose You" und "Stop
Doggin' Me" oder bei heissen Uptempo-Soul-Fetzern wie bei "Take Care of Your
Homework", "Jody's Got Your Girl and Gone" oder dem Hit "Who's Making
Love". Dieses feine CD-Album eines der ganz grossen Soul/Blues-Legenden sollte in
keiner Southern Soul/Blues-Sammlung fehlen! |

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JOHNNIE TAYLOR: "LIVE AT THE LONGHORN BALLROOM" (DVD)
MALACO RECORDS MDVD-9042 (erschienen 2001)
Wie schon erwähnt, war Johnnie Taylor in
der letzten Phase seiner Karriere eine der Hauptfiguren im "Blues-Stall" des in
Jackson Mississippi beheimateten "Malaco"-Labels. Intensiv vorgetragene
Bluesnummern in diversen Formen waren immer die grosse Stärke seiner Live-Shows und die
Uptempo-Hitnummern eher sowas wie "würzige" Beigaben. Das war schon in den
Stax-Jahren so und blieb auch so bis zum abrupten Ende seines Lebens durch die fatale
Herzattacke, die er im Mai 2000 erlitt. Malaco Records veröffentlichte zwei von Taylors
Live-Konzerten als Video/DVD-Produktionen. Beide fanden in Taylors Heimatstadt
Dallas/Texas statt. Der hier vorgestelle Live-Mitschnitt wurde am 17. August 1997 im
legendären "Longhorn Ballroom" aufgenommen und beginnt ziemlich langatmig mit
dem "warming up" genannten Rumgedudel der vom Gitarristen Bernard Jenkins
geleiteten Band auf den 12 Blues-Takten. Irgendwann (nach dieser etwa 10 Minuten dauernden
Jam-Session) schreitet noch Bandmitglied und Tenorsaxophonist Joe Graham vors Mikrophon,
um eine Version von Latimore's "Let's Straighten It Out" anzustimmen. Das dauert
dann weitere 14 Minuten - im Ganzen also 24 Minuten "Intro", die man getrost
überspringen kann. Nun sind wir beim eigentlichen Track 1 angelangt, der MC kündigt
"Showtime" an, und unser Star betritt zusammen mit seinen zwei
Background-Sängerinnen, "Taylor Made Ladies" genannt, die Bühne, um mit einer
Version vom Hit-Oldie "Who's Making Love" sofort mit Volldampf loszulegen. Es
folgen dann drei Blues-Nummern aus diversen Epochen von Taylor's Karriere: "Little
Bluebird", "Still Called The Blues" und "Last Two Dollars" mit
einer dazwischengeschobenen Soul-Ballade namens "Just Because". Auf "Ain't
That Lovin' You" stellt Johnnie seine singende Tochter Tasha Taylor vor, eine der 4
oder 5 Nachkommen des Stars, die sich alle mehr oder weniger erfolgreich ebenfalls der
Soul/Blues-Musik verschrieben haben. Tasha wirkt hier ein bisschen nervös - einen
besseren Eindruck hinterlässt die Sängerin auf ihrem eigenen (von CD Baby vertriebenen)
Album "Revival",
das 2003 erschienen war. Es folgt nun wieder eine sehr schöne Blues-Nummer im Titel
"Gotta Love Somebody's Baby", dem "medleymässig" ein paar Takte von
O.V. Wrights "You Gonna Make Me Cry" beigefügt sind. "Good Love" war
einer der letzten Hit-Erfolge für Taylor, am Ende seiner Karriere bei Malaco. Das
Funk-Stück wird hier gestartet mit einer Rap-Einlage von einer der beiden "Taylor
Made Ladies". Das Konzert schliesst in der Folge mit einer ziemlich kurz gefassten
und eher flauen Version von Johnnie's grösstem Pop-Hit "Disco Lady". Vielleicht
war dem "Blues Wailer" Taylor zu dieser Zeit seiner Karriere das
"Disco"-Etikett seiner Musik ebenso peinlich geworden wie früher die
Identifikation mit dem "Blues".
Die Besprechung von drei weiteren Live-DVDs aus dem Hause Malaco-Records ("Bobby
Blue Bland - Live From Beale Street", "Shirley Brown & Denise LaSalle -
Divas In The Delta, Live In Greenwood, MS" und "Blues Views" mit diversen
Künstlern) wird an dieser Stelle zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. |

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SOULFINGER: "SUMMER SOUL NIGHT 2004" (DVD)
SWEET SOUL MUSIC RECORDS (erschienen 2004)
Schnell vergisst man bei der grossen Flut von
USA-CD-Neuheiten, welche momentan auf dem Soul/Blues-Markt erscheinen, dass es auch auf
unserem europäischen Kontinent einige exzellente Live-Formationen gibt, die den
USA-Originalen in nichts nachstehen. Die hier vorgestellte Aufnahme einer Live-Show der
Band "Soulfinger" aus Deutschland zeigt, wie professionell auch europäische
Formationen arbeiten können. Die Band, die sich auf Sixties-Soul und Stax-Covers
spezialisiert hat, wurde vom Saxophonisten und Gitarristen Klaus Gassmann gegründet und
beschäftigt auf diesem Live-DVD-Album zwei bemerkenswerte USA-gebürtige Vokalisten:
Victor Nellum und Jimmy James. Nellum bestreitet hier eher das "funkige"
Uptempo-Material, während Jimmy James sich vorallem in den "tiefen" Southern
Soul-Balladen heimisch zu fühlen scheint. Der hier gezeigte Soulfinger-Auftritt vom 31.
Juli 2004 in Heidelberg startet in beschwingtem Rhythmus mit Solomon Burke's
"Everybody Needs Somebody To Love", gesungen von Victor Nellum, dessen Gesang
von solider und satter Bandarbeit unterstützt wird. Dann begibt sich Jimmy James mit
"Try A Little Tenderness" in Otis Redding-Territorium. Der Popsong "Lady
Marmelade" wirkt ein bisschen fremd hier, die Gastsängerin Karin Rühle überzeugt
uns Southern Soul-Freunde eher in den beiden Coverversionen von Aretha's
"Respect" und "I Never Loved A Man". Auch "Natural Woman"
ist ein A. Franklin-Stück, das von einer weiteren hier mitinvolvierten Vokalistin namens
Monika Hofmann mit viel Soulfeeling interpretiert wird. Schön (von Jimmy James) gesungen
sind die Oldies "Sweet Soul Music", "I've Been Loving You Too Long",
"When Something Is Wrong With My Baby" und "My Girl". Weitere Old Time
Klassiker sind die allseits bekannten Hits "Nutbush City Limits", "Hold On
I'm Coming","When A Man Loves A Woman", "Dock Of The Bay" oder
"I Feel Good" etc etc, um nur einige der vielen hier vereinigten
Soul-Gassenhauer zu nennen. Von der instrumentalen Seite der ausgezeichneten Band speziell
erwähnen möchte ich ein schönes Gitarrensolo im Stück "Something Is Wrong With My
Baby" und die exzellenten Saxophonsolos im Titel "Groovin'". Auch die
knackige Funk-Nummer "Funky Street" ist vom Spiel der Band inkl. dem Gesang von
Jimmy James echt Klasse. Infos punkto Auftritte von "Soulfinger" und der
Möglichkeit, die DVD zu bestellen, gibt es auf der Website http://www.sweetsoulmusic.de/.
Speziellen Dank geht an Peter Nock aus Lorsch, Deutschland, der mir die DVD zugeschickt
hat.
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WILLIE
CLAYTON: "GIFTED"
MALACO RECORDS MCD 7529 (erschienen 2006)
Willie Claytons aktuelles Album startet mit dem
Radio-Hit "Boom Boom Boom" etwas ungewohnt flauschig-weich in modischem
Pop-"R'n'B"-Sound. Das Stück ist ein einschmeichelnder sexy Schmusesong mit
Textzeilen, die von Dingen wie "Let me take you in my bedroom - make your body go
boom boom boom" etc handeln. Im Hintergrund hört man dazu die Stimme der
Backgroundsängerin Tonya Youngblood säuseln und schmachten. Diese Nummer fällt auf
dem Album deshalb etwas aus dem Rahmen, weil es ab hier dann mit viel mehr
"Downhome-Pfiff" und knackig-robustem Southern Soul weitergeht; beispielsweise
in der schönen und sehr beseelt gesungenen Ballade "Beautiful" als Track 2 in
der Titelabfolge - eine echte Perle! "Can I Change My Mind" ist eine hübsche
Cover-Version des Tyrone Davis-Klassikers, gefolgt von der von Clayton wunderbar
gesungenen Country-Soul-Ballade "When I Think About Cheating", die ein bisschen
an die besten Momente in diesem Genre des verstorbenen Johnny Adams erinnert. Original
stammt das Stück von einer Country-Lady namens Gretchen Wilson. "A Little Bit
More" und "Missing You" sind zwei leicht uptempo-arrangierte
Soul/Blues-Nummern. Eine solche ist auch das vom bekannten Southern Soul-Songschreiber
George Jackson mitverfasste Stück "She Holding Back". "My Lover My
Friend" hingegen ist ein langsamer Lovesong, in dem Willie einmal mehr als toller
Sänger brilliert! Und was Willie Clayton hier aus dem Blues-Oldie "Running Out Of
Lies" gemacht hat, ist ebeso sensationell gut wie Johnnie Taylor's 1976er-Original.
In "Sweet Lady" und "My Miss America" betritt Clayton stilistisch
typisches Tyrone Davis-Territorium. Schluss-Song "Trust", gesungen im Duett mit
Shirley Brown, ist eine ausgesprochen schöne Deepsoul-Nummer aus der Feder des weissen
Southern Soul Sänger/Songschreibers George Soule. Für den tollen Sound von Clayton's
neuem Album mitverantwortlich sind in erster Linie Gospel- und
Soul/Blues-Sänger-Produzent-Instrumentalist Vick Allen, der für 9 der 13 vorhandenen
Songs die Backing-Tracks kreiert und die CD mitproduziert hat, sowie Horns-Altmeister
Harrison Calloway und die Muscle Shoals Horns.
Ein sehr beeindruckendes Album einer der grössten heute lebenden Stimmen der
Soul/Blues-Welt! |

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WILLIE CLAYTON: "FULL
CIRCLE" (CD/DVD)
ENDZONE RECORDS EZR 2068 (erschienen 2005)
Auf diesem, im Jahr 2005 erschienenen
Vorgänger des oben besprochenen Willie Clayton-Albums finden sich einige der selben
Hintergrund-Namen, die auch auf seinem neusten Projekt "Gifted" mitgewirkt
haben: Der Hauptakteur hier ist wiederum Jackson/Mississippi Allrounder Vick Allen. Allen
begann seine Musikkarriere seinerzeit bekanntlich als Gospelmusiker und Keyboarder bei den
berühmten "Canton Spirituals" und wirkt auch hier wieder als
Multi-Instrumentalist, Songwriter und Co-Producer mit. Gedacht war "Full Circle"
als Widmung an den verstorbenen Soul/Blues Altmeister Tyrone Davis. Das Album ist in zwei
diversen Versionen im Handel: Erstens als eine mit dem zusätzlichen Track "Going
Crazy" versehene, "normale" CD, die auf Malaco Records erschienen ist
(MCD-7521) - und zweitens als die hier vorgestellte Doppel-CD/DVD auf dem
"Endzone"-Label, die der Malaco-Ausgabe darum vorzuziehen ist, weil sie auf der
zusätzlichen DVD auch sehr schön Clayton's Arbeit als Live-Entertainer in diversen
Kurz-Mitschnitten einiger seiner Konzerte dokumentiert. Der Audio-(CD)-Teil ist (mit
Ausnahme der Einstiegs-Nummer "If You Ever Get Lonely - Call Me" und des Lee
Fields-Coversongs "Meet Me Tonight") vielleicht nicht ganz so stark
"downhome" oder "southern soul-betont" wie das neue Album
"Gifted", aber trotzdem sehr schön anzuhören. High Lights sind nebst den
erwähnten zwei Songs auch die schöne Moll-Bluesballade "All My Love" mit einem
netten Gitarrensolo, den feinen Soul-Blues "I'll Make It Good To You" (auf
welchem Clayton auch seine Pfeifkünste demonstriert) und "Hold Me" (ein
bewegend gesungenes Stück, auf welchem deutlich wird, dass Clayton seine Inspiration tief
aus der Gospelmusik bezieht). Vorhanden ist auch eine nette Interpretation des Oldies
"Georgia On My Mind". Ein bisschen HipHop und Rap gibt es zusätzlich auf der
Nummer "Take It 2 Da Club" zu hören. Aber, wie schon erwähnt: Die eigentliche
Stärke dieses Albums liegt in seiner zusätzlichen Bonus-DVD mit den
Live-Konzert-Ausschnitten.
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OMAR CUNNINGHAM: "WORTH THE WAIT"
ENDZONE RECORDS EZR 2080 (erschienen 2006)
Mit "Worth The Wait" stellt Omar Cunningham aus
Gadsden/Alabama sein drittes CD-Album vor. Die beiden Vorgänger "Hell At The
House" von 2003 und "Omar Cunningham" von 2004 sind auf der Reviews-Seite
von 2004 besprochen. "Worth The Wait" erschien wiederum bei "Endzone
Records", dem Label von Willie Clayton, der als Gast auf diversen Songs ebenfalls zu
hören ist (beispielsweise im Intro von "Made My Move" oder auf "Shysters
and Wannabes"). Cunningham ist ein Sänger mit einer wunderbar kräftigen Stimme, die
nach der eher etwas belanglosen Eröffnungsnummer "Party Have A Good Time"
spätestens dann auf dem zweiten Stück "Something's Gotta Give" sehr schön zum
Tragen kommt. Solche Deep-Soul-Perlen sind genau das Material, mit dem der Sänger sein
ausdrucksstarkes und kräftiges Stimmorgan voll zum Einsatz bringen kann. Einen sehr guten
Eindruck hinterlässt in diesem Sinne auch der Titel "Give Me A Chance", hier
zusätzlich noch mit einem interessanten "Doo-Wop"-Arrangement der
Background-Vokalisten versehen - ein echter Ohrenschmaus! "Better Days" ist eine
unter die Haut gehende Blues-Ballade in Moll-Tönen. Noch mehr balladesken Blues in Moll
bietet auch der schon erwähnte, mit Willie Clayton als Duettpartner ausgeführte Song
"Shysters and Wannabes" - ein wahres Feuerwerk in Sachen Soulgesang der beiden
grossartigen Sänger! Die beiden letzten Songs der CD "Over Yonder" und
"Have Faith" verweisen mit ihren religiös motivierten Texten auf den starken
Bezug des Sängers zur Gospelmusik. Alles in allem ein sehr schönes CD-Album!
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EARL GAINES: "THE DIFFERENT FEELINGS OF BLUES & SOUL"
BLUE-FYE RECORDS BFY-3735 (erschienen 2005)
Mit diesem Album werden endlich wieder einmal all jene Blues- und
Soul/Blues-Freunde zufriedengestellt und beglückt, die mit der heutzutage so üblichen
keyboardlastigen resp. "elektronischen" Produktionsweise der modernen
Soul/Blues-Projekte so ihre kleineren oder auch grösseren Probleme haben. "Earl
Gaines Is Back - The Different Feelings of Blues & Soul" macht zu ihrem Glück
hier ganz auf "Retro": Alles ist voll "akustisch" und mit "real
instruments" aufgenommen und klingt ein bisschen so, als sei das Album vor mindestens
40 oder mehr Jahren entstanden. Damit wird aber auch angedeutet, dass die Produzenten des
Werks verkaufstechnisch vermutlich eher den Markt vom (weissen) "Blues-Rock" und
weniger jenen des (schwarzen) Chitlin Circuit im Visier hatten. Wie es auch sei: Die
Musik, die uns Nashville-Soul/Blues-Veteran Earl Gaines hier auftischt, ist natürlich
erstklassig, auch wenn sie nach dem Anhören der oben besprochenen Willie Clayton- und
Omar Cunningham-Produktionen im Vergleich dazu ein bisschen "altmodisch" wirkt.
Interessant ist, dass das Album vom gleichen Mann namens Ted Jarrett produziert wurde, der
schon für Earl's allerersten Hit "It's Love Baby - 24 Hours a Day"
verantwortlich war. Dieser Song war 1955 ein Top-Ten R&B-Hit, erschienen damals auf
dem legendären "Excello"-Label, allerdings noch unter dem Namen des Bandleaders
und Saxofonisten Louis Brooks, bei dessen Band Gaines damals als Gesangsattraktion
angestellt war. Als Künstler unter eigenem Namen hatte der Sänger dann erst wieder 1966
einen kleinen Hit-Erfolg mit der Bobby Bland-inspirierten Blues-Ballade "Best of Luck
To You". In der Folge war Gaines aber nie ein richtig erfolgreicher Durchbruch
vergönnt, obwohl er vor etwa 10 Jahren als Mitglied der "Excello Legends" auch
in Europa auftreten konnte.
Was erwartet uns nun auf dem Album "Earl Gaines Is Back - The Different Feelings
of Blues & Soul?". Mit kurzen Worten umschrieben: Funkiger Blues, Soul-Blues oder
Rhythm & Blues mit satten Bläserarrangements, wie er beispielsweise auf Labels wie
etwa "Duke-Peacock" in den späten Fifties oder frühen Sixties von Künstlern
wie Bobby Bland, Junior Parker oder Buddy Ace aufgenommen und produziert wurde. In die
Richtung Soul oder "Soul/Blues gehen hier Songs wie "So Satisfied",
"Mistreated Woman", "Let Me Live My Life My Way", "Slipping
Around Must Be Catching" oder I Got To Sit Down And Get a Hold Of Myself". Eher
traditionell bluesig, vornehmlich im 12-Takt-Format sind dagegen: "Let's Sit Down And
Talk Things Over", "I've Kissed My Last Ass", die exzellente Bluesballade
"Goodbye My Love" und "You Don't Love Me" (hier mit einem lustigen
Detail: Gitarrist Jimmy Frierson stimmt seine Gitarrensaiten einfach ein paar Töne tiefer
und nennt das Instrument dann "Baritone Guitar"). Auch die uptempo Nummern
"Let's Party" und You're My Baby" sind Bluesstücke. Unter den
mit-involvierten Musikern der Begleitband findet man drei bekannte Veteranen der Nashville
Blues-Szene: Gitarrist Johnnie Jones, Drummer Freeman Brown und Saxofonist Aaron Varnell.
Wer gut arrangierten und liebevoll produzierten klassischen Blues und Soul ganz im Stil
der frühen Sixties mag, sollte sich das Album unbedingt zulegen. |

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MEL WAITERS: "THROW BACK DAYS"
WALDOXY RECORDS WCD 2842 (erschienen 2006)
In der diesjährigen Februarnummer der Blueszeitschrift
"Living Blues" erschien erstaunlicherweise ein Artikel über den texanischen
Sänger Mel Waiters. Sein Bild schaffte es sogar bis auf die Frontseite des Magazins.
Schön, dass die Soul-Blues-Szene von unseren Mainstream-Blues Brüdern wieder einmal
etwas Beachtung erhält! Dass Mel Waiters mittlerweile einer der grössten Stars des
Genres ist, zeigt ein kurzer Blick auf die Liste der aktuellen "Top Ten Soul/Blues
Hits in den USA vom 20. April 2007". Dort ist unterdessen die Nummer "Friday
Night Fish Fry" ab Waiters aktuellem Album "Throw Back Days" bis auf die
erste Stellung vorgerückt, indem sie den bisherigen Dauerbrenner "Scat Cat, Here
Kitty Kitty" von Billie Soul Bonds auf den zweiten Platz verdrängt hat. Nun- wie
klingt denn nun Waiters neustes Projekt? Wie auf den Vorgängern finden wir auch hier
wieder eine Reihe von Songs, die von Parties, Whiskey, grilliertem Fisch, Tanzen mit den
Ladies und ganz allgemein von den samstagabendlichen Vergnügungen in den von Waiters
"Hole In The Wall" genannten kleinen Juke Joints der Region handeln. Oder
einfacher ausgedrückt: Es ist fröhliche "Party Blues"-Musik, die der Sänger
uns hier serviert. Viele seiner Songs sind deshalb auch eher tanzbare Midtempo- und
Uptempo-Nummern, wie beispielsweise das erwähnte Stück "Friday Night Fish
Fry", "Ladies Party Night", "Half Pint", "How You Do
It", der Lenny Williams-Song "I Like Your Sister" und das von Theodis
Ealey-Mitarbeiter Bruce Billups produzierte Titel-Stück "Throw Back Days".
Bluesiger und "deepsouliger" sind die beiden Tracks "Blues Radio" und
der Z.Z. Hill Cover "Bump And Grind". Wie seine Vorgänger ist das Mel
Waiters-Album "Throw Back Days" ein gutes und vergnügliches Werk des Sängers.
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JOHNNY RAWLS: "HEART & SOUL"
DEEP SOUTH RECORDS (erschienen 2006)
Der 1951 in der Nähe von Hattiesburg/Mississippi geborene
Soul/Blues-Veteran Johnny Rawls arbeitete einst als Gitarrist und Bandleader bei diversen
bekannten "Chitlin' Circuit"-Bluesgrössen wie Little Johnny Taylor, Z.Z. Hill
oder O.V. Wright. Als Rawls ab den 90er-Jahren die Chance bekam, für Blues-Labels wie
"Rooster Blues" oder "JSP" als Produzent zu wirken und dabei auch
seine eigenen Album-Projekte zu realisieren, wurde der Mann langsam aber sicher auch von
einer wachsenden Zahl von Fans der (weissen) Blues-Rock-Szene wahrgenommen. So ist es
nicht verwunderlich, dass seine CD-Projekte oft etwas "rockig" oder auch
"folky"angehaucht sind, wie beispielsweise seine 2005er Scheibe "No
Boundaries". Auf Rawls neustem Album "Heart & Soul" hält sich dies
jedoch (zum Glück für uns Southern Soul-Fans) in Grenzen. Die meisten Stücke hier sind
im Bereich "mittleres Tempo" angesiedelt. "You're My Girl" ist eine
uptempo-Tanznummer und "Still A Woman" eine langsame Ballade. Mit der
Anwesenheit von Live-Musikern mit "echten Instrumenten" wie Horns und Bluesharp
dürften hier auch die Blues-Puristen nicht allzuviel zu meckern haben. Ob's für einen
Erfolg im Chitlin Circuit reicht, ist allerdings fraglich. Der Sound ist zwar sehr
"southern", aber stellenweise halt doch ein bisschen "weiss". Das
Album macht Spass beim Anhören, die Spielzeit ist mit nur 40 Minuten aber für eine
CD-Produktion ziemlich bescheiden.
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DAVID BRINSTON: "MISSISSIPPI BOY"
R&B RECORDS (erschienen 2006)
Wer je im Sinn hat, den US-Südstaat Mississippi zu
bereisen, sollte sich vorher unbedingt David Brinston's Songtitel "Mississippi
Boy" aus seinem gleichnamigen aktuellen CD-Album anhören! Kein Tourismusbüro der
Welt könnte je bessere Werbung machen für einen Trip runter in den Süden Richtung
Bundesstaat Mississippi! Laut Brinston's Songtext lockt dort im Nu das Vergessen
sämtlicher Alltagssorgen durch fröhliches Party-Leben, Tanzen, gutes Essen und Trinken
etc. Gut nur, dass der Mann in seinem Lied auch noch vor den lästigen Moskitos, die dort
ihr Unwesen treiben, warnt und die Mitnahme eines wirksamen Mückensprays
empfielt... Der Song basiert auf der Melodie von Brinston's 1999er Hits
"Two-Way Love Affair", wobei hier sogar dessen berühmtes Gitarren-Intro von
Thomas Bingham gesampelt und recycelt nochmals Verwendung und sein richtiges Plätzchen
findet. Besungen wird auf dem Album "Mississippi Boy" aber nicht nur
ausschliesslich Fun und Party-Plausch. "It Just Don't Pay" ist beispielsweise
ein beeindruckender Midtempo Soul-Blues, der musikalisch Erinnerungen an Johnnie Taylor's
alte Stax-Aufnahmen erweckt, textlich jedoch diverse Missstände anprangert, wie die von
der Regierung im Elend sitzengelassenen Katrina-Opfer oder einen Präsidenten, der alles
Geld in Uebersee verschwendet etc. Die beiden langsamen Blues-Balladen "Good Woman
(with Some Bad Habits)" und "Staying Power" sind weitere exzellente
High-Lights - und ein solches ist auch die von Brinston's Soul/Blues-Kollegen Mel Waiters
komponierte Nummer "Whiskey & Blues". Mit Textphrasen wie "please
mister bartender, keep my whiskey glass filled" oder dem an den DJ geäusserten
Wunsch nach etwas Bluesmusik von Bobby Bland, Z.Z. Hill und Johnnie Taylor, erwähnt der
Sänger hier all die wichtigen Dinge, die es braucht, um einen saftigen Liebeskummer zu
kurieren...
"Mississippi Boy" von David Brinston wurde in Mobile, Alabama aufgenommen und
ist eines der gelungendsten Alben des Künstlers. |

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DAVID BRINSTON: "ROCKIN'
WALDOXY (MALACO) RECORDS WCD-2838 (erschienen 2005)
Schade, dass ausgerechnet dieses (vor etwa zwei Jahren
veröffentlichte) David Brinston-Album nicht ganz dem Niveau entspricht, das man bei der
Ankündigung "David Brinston nun bei Malaco Records unter Vertrag" ursprünglich
erhofft und erwartet hatte. Die Einstiegsnummer, die ja sowas wie die
"Visitenkarte" eines Albums sein sollte, ist jedenfalls ein ziemlich banales und
leichtgewichtiges Tanzliedchen namens "Junk In The Trunk". Gefolgt wird dieses
Ding von "You Can't Trust Anybody" als Track zwei in der Abfolge. Das Lied
besteht aus einer ausführlichen Aufzählung, wem alles nicht zu trauen ist heutzutage:
Dem Zahnarzt, dem Friseur, dem Arzt und auch dem Gesetz nicht, geschweige denn dem
Schwager, dem Freund, dem Rechtsanwalt oder gar dem Girlfriend oder der Ehefrau... Der
Schreiber dieses Songs, Robert Conerly, hat schon wesentlich geistreichere und witzigere
Songs wie diesen kreiert, die auch echte Hits wurden, wie z.B. das von Marvin Sease
gesungene "Sit Down On It". Das nächste Stück, "Hard Working Lady",
ist eine leicht modifizierte Cover-Version eines Titels des Ecko-Records-Artisten Dr.
'Feelgood' Potts. Mit der sehr schönen Deep-Soul/Blues-Ballade "Woman Enough"
(ebenfalls aus der Feder von Robert Conerly) alsTrack vier, haben wir unsern David
Brinston dann endlich so, wie wir ihn am liebsten in voller Album-Länge geniessen
möchten, eben richtig "soulful" und bluesig. Auch die drei toll gesungenen
Balladen "Memories", "I Don't Wanna Loose Your Love" und
"Fantasy" gehören in diese Kategorie und hören sich sehr nett an. Ausgefüllt
ist der Rest der CD mit einem Mix aus eher durchschnittlichem "Party
Soul-Blues".
Zum Vergleich seien unten noch ganz kurz drei ältere Alben des aus der Region von
Clarksdale/Mississippi stammenden Sängers David Brinston vorgestellt (ein weiteres Review
einer Brinston CD, nämlich von "Somebody's Cuttin' My Cake" von 1999 findet
sich auf der Reviews-Seite vom Jahr 2005). |

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DAVID BRINSTON: "THE REAL DEAL"
R&B RECORDS (erschienen 2004)
Co-Produzent Carl Marshall, ein Multi-Instrumentalist
und vorallem Gitarrist mit Roots in der R&B-Szene von New Orleans gibt bei diesem
Brinston-Werk von 2004 unüberhörbar den Ton an. Seine rockig-verzerrte Gitarre sägt und
kreischt hier zwischendurch immer mal wieder wie weiland Jimmy Hendrix in kurzen, aber
prägnanten Solo-Einlagen. Trotzdem strahlt Brinston's "The Real Deal" ein echt
nettes, bluesiges Downhome-Feeling aus. Das Album startet mit einem gut gemachten Remake
von "Hit & Run" (Brinston's Hit aus seinem gleichnamigen Debut-Album aus den
90er-Jahren). "Shake Your Pants", "Friday Night Ladies Night" und
"Double Clutch" sind originell gemachte funkige Tanz-Stücke und "Party
Time" ein stimmungsvoller Uptempo Party-Blues. "My Wife", "I'm Tangled
Up", "I'm With You Baby" und "Just For Me" brillieren dagegen
eher als langsame und sehr seelenvoll gesungene Blues-Balladen. Als eines der besten David
Brinston-Projekte ist "The Real Deal" ein uneingeschränkt empfehlenswertes
Album, das eigentlich in keiner Southern Soul-Sammlung fehlen sollte.
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DAVID BRINSTON: "TOO HOT"
R&B RECORDS R&BCD-0001 (erschienen 2003)
Im Gegensatz zu Brinston's "The Real Deal"
hinterlässt "Too Hot" einen eher zwiespältigen Eindruck. Die Tanznummern
"Cha' Cha'", "Shake That Booty" und "Too Hot" klingen alle
ziemlich banal und langweilig und sind nichts anderes als überflüssige Album-Füller.
Besser schneiden auch hier wiederum die Balladen ab. Herausragend und wirklich brilliant
darunter ist der schöne und intensiv gesungene Southern Soul/Blues "She Robbed
Me" mit einem feinen Tenorsax-Solo. Ein nettes Blues-Stück (in Moll) ist auch
"Work With Me Baby", dessen Melodie ein wenig an den Klassiker "St. James
Infirmary" erinnert. Empfehlenswert ist das Album "Too Hot" aber nur für
wirklich "vergiftete" David Brinston-Fans!
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DAVID BRINSTON: "FLY RIGHT"
SUSIE Q RECORDS SQCD-9111 (erschienen 2001)
David Brinston's Album "Fly Right" war vor 6
Jahren auf "Susie Q Records" erschienen, dem Label von Stan Lewis aus
Shreveport/Louisiana. Es gehört sicher zu den besseren Werken des Soul/Blues-Sängers aus
Mississippi. Leider scheint das Projekt nun vergriffen zu sein, sodass gewisse Suchkünste
nötig sind, um noch eine Kopie der CD finden zu können. Die Scheibe enthält das
stilistisch typische Songmaterial, wie man es auch von den anderen Projekten des
Künstlers her kennt. "Straighten Up (and Fly Right)", "You're So Freak,
Girl" oder "Party ('Till The Lights Go Out" sind gut gemachte Midtempo-
oder Uptempo-"Party-Blues"-Songs. Im Titel "Don't Change The Blues"
drückt der Künstler deutlich sein Unbehagen gegenüber der Musikindustrie aus, die
seiner Meinung nach stets darauf aus ist, Bestehendes und Bewährtes zu verändern und auf
den Kopf zu stellen. Als Co-Produzent war hier Marshall Jones mitinvolviert, jener Mann
von "Jomar Records", der in den Neunzigerjahren Brinston entdeckt und mit ihm
damals auch den Klassiker "Hit & Run" produziert hatte. Eine andere wichtige
Person in Brinston's Karriere scheint die Songschreiberin Linda Stokes zu sein, die an 6
der hier präsentierten 10 Nummern Mitarbeit geleistet hat. Stokes ist übrigens auch als
beachtenswerte Southern Soul/Blues-Sängerin in Erscheinung getreten - auf ihrer MySpace-Website sind zwei ihrer Titel ("Boyfriend" und
"What A Difference") zum Anhören im Netz abrufbar.
Zählt man zu den hier besprochenen fünf CD-Projekten auch noch die beiden früheren
Brinston-CD's "Hit & Run" und "Somebody's Cuttin' My Cake" dazu,
erhält man ein diskografisches Gesamtwerk von sieben CD-Alben, die der Southern
Soul/Blues-Mann David Brinston im Verlaufe der letzten 10 Jahre auf den Markt gebracht
hat. |

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STEVE PERRY: "IT'S OKAY"
BLUESLAND RECORDS BLC00455 (erschienen 2007)
Southern Soul/Blues-Sänger Steve Perry (nicht zu verwechseln mit
dem Rock-Star gleichen Namens), dessen neuste CD "It's Okay" hier vorliegt,
stammt aus Prattville/Alabama. Er singt den Blues auf professioneller Basis, seit er, wie
er selbst sagt, als Club-DJ die Bühnenangst zu überwinden gelernt hatte. Dies soll etwa
um die Mitte der 90er Jahre geschehen sein. Seither hat der Sänger, beginnend im Jahr
1998, auf seinem selbstgegründeten "Bluesland"-Label fünf selbstproduzierte
CD-Alben veröffentlicht. Alle sind ungefähr nach dem gleichen keyboardlastigen
Strickmuster verfasst und ähneln in ihrer Art auch anderen Selfmade-Produktionen aus dem
eigenen Heim-Studio, wie sie in der Southern Soul Szene in den letzten Jahren häufig auf
dem Markt erschienen sind. Dies ist jetzt absolut nicht abwertend gemeint! Ganz im
Gegenteil: "Selbstgebackenes" ist ja bekanntlich geschmacklich dem industriell
gefertigten Massenprodukt oft um Längen überlegen, wenn hinter dem Bäcker ein echter
Könner steckt, und Soul Blues-"Bäcker" Perry ist eindeutig ein solcher
Könner! Die Qualitäten seiner CD-Produktionen haben dabei jeweils bei jeder
Neuerscheinung sogar noch zugelegt, und so besitzt sein neustes Projekt "It's
Okay" echt Klasse und viel Charme! Wie bei vielen anderen jüngeren Sängern des
Genres scheint auch hier der verstorbene Altmeister Tyrone Davis einen gewissen Einfluss
auf den Gesang ausgeübt zu haben, was besonders in den Uptempo-Nummern wie beispielsweise
"My Life", "What Are You Talking About", "Pop It Baby" und
ganz besonders bei "My Love Is The Bomb" zum Ausdruck kommt. Wirklich brilliant
sind hier aber vorallem die stimmungsvollen langsamen Balladen wie "Thank You
Mama" (nicht verwandt mit dem gleichnamigen, unten erwähnten LJ Echols Song),
"Swang", "Women Are Tired", "Somebody Here Is Lonely Too"
(in Anlehnung an Sir Charles Jones's "Is There Anybody Lonely") und last but not
least natürlich den superfeinen und ganz toll gesungenen Titelsong "It's Okay".
Das Album ist ohne Zweifel Perry's bestes Werk bis heute. Freunde moderner
Soul-Blues-Musik werden es sehr schätzen!
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LJ ECHOLS: "WELL RUNS DRY"
BABY BOY RECORDS (erschienen 2007)
Hier kommt eine überraschend aufgestellte Southern
Soul/Blues-Neuheit eines jungen Newcomers namens Herman "LJ" Echols mit einem in
Dallas/TX produzierten und aufgenommenen CD-Debut. Einzelne DJ- oder Promotion-Copies von
Echols's Werk waren als 8-Song starkes Minialbum zwar schon seit einiger Zeit im Umlauf.
Seit der Künstler kürzlich in den USA aber für die "New Artist Jus Blues
Awards" nominiert wurde, wird das Album mit einem zusätzlichen neunten Track
versehen nun auch offiziell und besser vertrieben. "Well Runs Dry" macht von A
bis Z wirklich echt Spass! Sei es fröhlicher "Party Blues"-Sound wie im Stück
"Girl U Look Good", bluesig-Trauriges wie in "One Reason" (mit Sam
Cooke-inspirierten Vokal-Phrasen), Autobiografisches wie in "Give It All You
Got" und "Thank U Mama" oder Nachdenkliches wie im Song "Doin'
Fine", der die Hurricane Katrina-Katastrophe zum Thema hat - das Album besticht immer
wieder durch sein erstklassiges Songwriting und den guten Gesang. Der Titel "Lady In
Black" ist vielleicht ein Versuch von Echols, sich bei Fans von modernem
"R'n'B" Gehör zu verschaffen, und Nummern wie "Keep It Going On"
lassen vermuten, dass sich der Sänger und Songwriter gewisse Inspirationen nicht zuletzt
auch aus der Musik der Quartettgospel-Szene geholt haben könnte... Rund um eine sehr
tolle und empfehlenswerte CD!
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BILLY SOUL BONDS: "HERE KITTY, KITTY"
WALDOXY (MALACO) RECORDS WCD-2844 (erschienen 2006)
Begegnet bin ich dem Soul Blues Sänger Billy
"Soul" Bonds erstmals vor ungefähr 21 Jahren während einer Reise quer durch
den Süden der USA. In Jackson/MS stand natürlich auch ein Besuch beim Blues- und
Gospelplatten- Produzenten James Bennett in seinem damaligen Record Shop am Medgar Evers
Boulevard auf dem Programm. Auf eine an Bennett gerichtete Frage nach eventuellen
Blues-Shows am Abend nannte er einerseits das Bobby Bland-Konzert, das zufälligerweise an
jenem Tag gerade in Jackson stattfand, legte uns aber vorallem den Auftritt eines seiner
"Newcomer"-Artisten, von dem er sehr viel hielt und mit dem er kurz vorher
gerade ein Debutalbum produziert hatte, ans Herz. Die Entscheidung fiel leicht: Bobby
Bland hatten wir ein paar Tage zuvor schon an einem anderen Ort live gesehen, und so
folgten wir Bennetts Empfehlung und begaben uns abends in den kleinen "Palm
Garden"-Club an der Martin Luther King Drive, in welchem der "Newcomer"
Billy Soul Bonds einen Gig zu absolvieren hatte. Ein bisschen unwissend darüber, wie an
solchen Club-Abenden normalerweise das Programm abläuft, tauchten wir viel zu früh am
Ort des Geschehens auf, bezahlten die drei Dollar Eintrittsgeld pro Person und mussten
dann erstmals die langandauernde Modeschau der Kleiderfirma, die den Auftritt von Billy
Soul Bonds gesponsert hatte, über uns ergehen lassen. Als dies vorbei war und der
Blues-DJ am Plattenteller die anwesenden Gäste mit Z.Z. Hill-, Bobby Bland- und Johnnie
Taylor-Platten in die richtige Stimmung gebracht hatte, war dann endlich
"Showtime". Den Anfang des Konzerts machte Lap Baker, eine lokale Blues-Grösse
in Jackson mit seiner Band, welche in der Folge auch Billy Soul Bonds zu begleiten hatte.
Als der eigentliche Star des Abends dann die kleine Bühne betrat, war es schon nach
Mitternacht. In einen dunkelroten Mantel gehüllt, performte der Sänger vorallem die
Songs, welche er kurz vorher auf seinem Debutalbum "Deep Inside My Soul" auf
Bennetts Label M&T Records veröffentlicht hatte. Eindrücklicher Höhepunkt des
Auftritts damals von Billy Soul Bonds war eine ergreifende Interpretation der Ballade
"Are You Leaving Me?", die das anwesende Publikum richtig zu Tränen rührte.
Dies geschah alles im Mai 1986. Unterdessen sind wie erwähnt fast 21 Jahre vergangen,
und aus dem damaligen "Newcomer" ist in der Zwischenzeit ein gestandener und
sehr erfolgreicher Chitlin Circuit Soul/Blues-Star geworden. Neuerdings hat Bonds das
Glück, dass seine Platten von Malaco Records vertrieben werden, sonst wäre sein
momentaner Hit "Scat Cat, Here Kitty Kitty" wohl kaum ein derart grosser Erfolg
geworden. Diese Balladen-Nummer mit dem lieblichen Miauen seiner vier
Vokalgruppen-"Katzen" Thomisene Anderson, Jewel Bass, Rose Richardson und Tonya
Youngblood ist aber auch ein echter Ohrenschmaus! Auf dem Stück "Give Them Their
Flowers" verteilt der Sänger dann reichlich Blumen an all die verstorbenen und noch
lebenden Soul- und Blues-Legenden. Vorallem Tyrone Davis wird gegen das Song-Ende
grosszügig damit beschenkt. Der Rest der CD besteht aus mehr oder weniger soliden
Uptempo-Southern Soul Nummern ("Movin' On Again", "Bedroom Workout",
"I Ain't No Gopher Rat") und schönen Herz/Schmerz-Balladen ("It Took
Someone Like You", "I'm Gonna Do Betta, Baby"). Ja, und auch eine swingende
12Takt Bluesnummer ("I Failed") wollte der Künstler auf dem Album haben, in
welcher mich der Sänger ein bisschen an die R&B-Legende Brook Benton erinnert. Die
Songs wurden von Billy Soul Bonds alle selbst verfasst, während ihm beim Arrangieren der
alte Muscle Shoals Horns Veteran Harrison Calloway mitgeholfen hat. |

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FRANK MENDENHALL: "HARD TIMES"
WURST ACT RECORDS WAR-1448 (erschienen 2004)
Der aus Mobile/Alabama stammende und heute von
Washington DC aus operierende Soul/Bluesmann Frank Mendenhall konnte sich vor etwas mehr
wie 10 Jahren in der Southern Soul-Szene mit den beiden Songs "Time" und
"Shon't Don't Don't" an zwei kleinen Hits erfreuen. Seitdem ist es wieder etwas
ruhiger geworden um den Sänger und Gitarristen, obwohl er mit dem hier vorgestellten
CD-Projekt (2004 wiederum auf seinem eigenen Label "Wurst Act Records"
erschienen) zeigt, dass er immer noch präsent und musikalisch aktiv ist. "Hard
Times" ist meines Wissens das letzte Album des Künstlers und seine dritte CD-Scheibe
nach "Sweet Love" und "Time". Mendenhalls Musik ist ein Paradebeispiel
für das, was man gemeinhin als "Downhome Southern Soul" bezeichnet. Sie hat
starke Wurzeln im traditionellen Countryblues, Gospel und Southern Soul der Sixties, das
heisst, sie ist zwar simpel, aber ehrlich, erfrischend und zeitlos und verzichtet auf
jeglichen unnötigen und aufwändigen Mode-Produktions-Schnickschnack, wie er heutzutage
sonst häufig die Regel ist. Begleiten lässt sich Mendenhall hier von einem kleinen Trio,
bestehend aus einem Bassisten, einem Keyboarder und einem Drummer; d.h. die Produktion
klingt "handgemacht" und "live" eingespielt. Etwas unnötig sind
höchstens die beiden hier vorhandenen "Remixes" der Hits "Time" und
"Shon't Don't Don't". Die Originalversionen sind ganz einfach besser.
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J.J. JONES: "SAXUALLY ROMANTIC"
JAYMAN RECORDS JMR 106 (erschienen 2006)
Der aus Atlanta/GA stammende Saxophonist Jesse James Jones
arbeitete einst als Bandleader für die Blueslegende Jimmy Witherspoon, war in den 50er
und 60er Jahren aber auch als Studiomusiker tätig und als solcher bei Plattensessions von
Sam Cooke, Larry Williams und anderen Grössen des Rhythm & Blues mitinvolviert.
Gleichzeitig war der Musiker aber auch in der Jazzszene zu Hause. Jones soll sich danach
während der letzten 30 oder mehr Jahren ganz vom Musikerjob verabschiedet und sein
Instrument nicht mehr angerührt haben. Nun ist er aber "rückfällig" geworden
und und will uns mit seinen warmen und gefühlvollen Saxophonsounds auf diesem
Comeback-Album aufs Neue umschmeicheln und verwöhnen. Gospelstar Sandra Crouch's
Zwillingsbruder Don Herron greift auf dieser Produktion als Keyboarder gekonnt in die
Tasten. Wer auf sanften, romantischen Balladenjazz oder ganz allgemein auf instrumentale
Entspannungsmusik steht, wird an dieser schön produzierten CD sicher seine Freude haben.
Das Album hat stilistisch aber (leider für uns "Hard Core"-Soul/Blues-Fans) nur
wenig Bezug zu Blues und Southern Soul.
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NELLIE TIGER TRAVIS: "WANNA BE WITH YOU"
DA MAN RECORDS DAMA-9098 (erschienen
2005)
Nellie Tiger Travis - ist das nicht die
Sängerin, die gelegentlich als Vertreterin des "Chicago-Blues" bei uns in
Europa umher tourt? Genau! Die aus Mississippi stammende, aber in Chicago ansässige
Künstlerin ist eben schlau genug, um zu wissen, dass unser hiesiges (sprich
europäisches) Bluesfan-Publikum mit Vorliebe auf 12-Takt-Formen und
"Chicago-Blues" abfährt und sich dabei nicht so sehr darum kümmert, was in den
USA in der dortigen schwarzen (Soul-)Bluesszene in Wirklichkeit populär ist. Die Kunst
der Anpassung beherrschten vor vielen Jahrzehnten ja schon andere clevere Bluesleute, wie
beispielsweise Big Bill Broonzy, welcher seinerzeit sein eigenes (schwarzes) Publikum zu
Hause mit rassigem Grossstadt-R'n'B zu unterhalten pflegte, während er sich hierzulande
gleichzeitig, unseren damaligen Vorstellungen von "Blues" schön angepasst, als
den verträumten ländlichen "Folkblues"-Mann mit akustischer Gitarre zu
präsentieren verstand. Mit der exzellenten modernen Soul/Blues-Produktion "Wanna Be
With You" wendet sich Nellie Tiger Travis nun aber an das "andere"
Publikum, eben jenes in ihrer Heimat und muss dabei, der Musik nach beurteilt, vorallem
die Szene des Chitlin-Circuit der Südstaaten im Visier gehabt haben. Die Songs dieser CD
sind genau nach jenem Muster gestrickt, wie es die Radiostationen dort so sehr mögen,
d.h. sie sind sehr "soulful" gesungen und gleichzeitig sparsam, aber prägnant
instrumentiert, wobei vorallem das Keyboard den Begleitsound liefert. Die beiden Alben auf
dem "Mardi Gras"-Label der Sängerin Tonya Youngblood (ganz unten auf der
Reviews-Seite von 2004
besprochen) sind ein guter Vergleich dafür, was den Fan von Nellie Tiger Travis's Ausflug
in die Gefilde des Southern Soul/Blues auf diesem CD-Album erwartet. Superslowies wie die
Songs "Super Woman" oder "I Wanna Be With You", oder auch die
Radiohits "You Gonna Make Me Cheat" und "If I Back it Up" sind
Highlights der CD-Scheibe, und auf "Sex Machine" macht die Sängerin
titelgerecht die beste Werbung für gute Schlafzimmer-Aktivitäten! Der Song "One Of
These Days" ist (zumindest auf meiner Kopie) leider nur als 40 Sekunden-Clip
vorhanden - schade! Als Produzent (und vermutlich auch als Instrumentalist) war bei diesem
Projekt Floyd Hamberlin Jr zuständig, der in der Vergangenheit schon bei Stan Mosley,
Charles Wilson oder Tyrone Davis für Erfolge im Soul/Blues Business gesorgt hatte. Ein
echt gefreutes Album!
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"THE MEMPHIS TRI-STATE BLUES
FESTIVAL" featuring Willie Clayton, Latimore, Theodis
Ealey, Bobby Rush, Tyrone Davis (DVD)
HEG RECORDS (erschienen 2005)
Erstaunlicherweise
sind Veröffentlichungen im audio-visuellen DVD- oder VHS-Format von Southern
Soul/Blues-Konzerten auch heute noch ein relativ rares Ding auf dem Musikmarkt angesichts
der Tatsache, dass Shows dieses Genres im Süden der USA doch immer wieder grosse Massen
begeisterter Fans in die Konzerthallen und an Open Air-Veranstaltungen zu locken
vermögen.
Der hier vorgestellte Konzertmitschnitt der alljährlich jeweils im Sommer
durchgeführten Veranstaltung wurde am 14. August 2004 im DeSoto Civic Center (das sich
etwa 3 Meilen ausserhalb von Memphis TN befindet) aufgenommen. Leider lässt die
Soundqualität des DVD-Projekts ziemlich zu wünschen übrig. Schuld daran ist einmal mehr
die typische Akustik riesiger Veranstaltungshallen mit ihren Echo- resp.
Nachhall-Problemen. Die Show startet mit Willie Clayton, der momentan bei seinem neuen
Label Malaco Records grosse Erfolge feiert und hier einige seiner bekannten
Soul/Blues-Hits wie "Love Mechanic", "Wiggle", "Three
People" etc. zum Besten gibt. Trotz der schlechten Akustik scheint der Auftritt des
Sängers bei seinem mehrheitlich weiblichen, afro-amerikanischen Fan-Publikum aber bestens
anzukommen und für gute Stimmung zu sorgen. Auch der nachfolgende Set des
Florida-Soul-Veteranen Benny Latimore klingt ziemlich "verscherbelt" und
verhallt. Abgesehen davon ist sein Vortrag der Deep-Soul-Ballade "Mountain Top"
aber echte Spitzenklasse und eines der High-Lights der ganzen DVD-Scheibe. Natürlich darf
bei Latimore's Auftritt auch sein Hit "Let's Straighten It Out" nicht fehlen.
Dass die Produzenten der DVD das Stück kurz nach dem Elektropiano-Solo dann aber abrupt
abgeklemmt haben, ist ein echtes Aergernis! Der Sänger hätte es wahrlich verdient, hier
etwas ausführlicher portraitiert zu werden! Aber: The show must go on - und der
"Stand Up In It-Man" Theodis Ealey betritt als nächster Star die Bühne.
Eingeblendet werden bei den meisten Künstlern auch einige ihrer Meinungen oder Statements
zu ihrer Musik. So sieht sich Ealey beispielsweise mehr als Musiker und nicht so sehr als
"a great singer". Zudem outet er sich als grosser Chuck Berry-Fan - "I
always wanted to be like Chuck", kommentiert er mit verschmitztem Lächeln....
Wiederum werden hier einige Songs schnipselmässig gekürzt, wie z.B. die Nummer "All
My Baby Left Me Was A Note, My Guitar and The Cookie Jar", und nur Ealey's
Super-"Party Blues"-Hit "Stand Up In It" entging glücklicherweise
dieser ärgerlichen Prozedur. Nach dieser Stimmungsbombe läuft das Programm gleich wie am
Schnürchen weiter, und schon betritt mit Bobby Rush der nächste Showman die Bühne. Ja,
eine Show wird hier wahrlich geboten, zumindest für das (männliche!) Auge: Gleich zu
Beginn seines Sets marschieren an Rush's Seite seine berühmten Show-Tanzdamen auf, um
wacker und ausgiebig die Bauchmuskulatur spielen und Hüften und vorallem Hintern wackeln
zu lassen. Auf der musikalischen Seite bietet der "Folk Funk"-Meister sein
bekanntes Potpourri aus Blues-Funk und traditionellem Chicago-Blues (siehe mein
Konzertbericht seines schweizerischen Auftritts am 2004er Bluesfestival in Bellinzona auf
der ersten Seite), wobei auch seine Blues-Harp kurz mal zum Einsatz
kommt. Highlight und Schlussnummer von Rush's Auftritt ist hier natürlich das
Erfolgsstück "Sue" mit der Geschichte, in welcher in humorvoller Art und Weise
die Frage geklärt wird, wer schlussendlich, ob er oder seine wohlbeleibte
"Sue", in der angedeuteten Affäre "die Hosen anhaben" und
"Chef" spielen darf. Der Schlussakt des Konzerts ist dem legendären Tyrone
Davis vorbehalten, der hier sein letzter gefilmter Auftritt vor seinem fatalen
Schlaganfall mit Todesfolge absolviert. Leider scheint dieses letzte von ihm erhaltene
Filmdokument qualitativ nicht gerade zu seinen Topauftritten zu zählen. Der Sänger wirkt
müde und gestresst und hat sichtbar Mühe, sein Programm einigermassen zufriedenstellend
über die Runden zu bringen. Ob er hier wohl schon von seiner schweren Erkrankung
gezeichnet ist? Zusätzlich passiert dem Gitarristen der Begleitband gleich zu Beginn des
Sets ein dummer kleiner Falschnoten-Schnitzer, der von Tyrone mit nicht gerade nettem
Blick "zur Kenntnis" genommen wird und zusätzlich noch auf die Stimmung zu
drücken scheint. Trotz alldem agiert das Publikum sehr loyal ihrem geliebten Blues-Idol
gegenüber und applaudiert ihm zwischendurch immer wieder nett zu. Die gefreuteste hier
von Tyrone dargebotene Gesangsnummer ist eindeutig seine Interpretation des Ronnie
Lovejoy-Songs "Sho Wasn't Me".
Obwohl die DVD einige Mängel aufweist, ist sie doch eine gute audio/visuelle
Dokumentation, was und wer heutzutage in der afro-amerikanischen Soul/Blues-Welt
Popularität geniesst. Sie ist deshalb jedem echten Fan dieser Musik zu empfehlen (die DVD
ist erhältlich im Shop von BluesCritic
oder von IntoDeep Music).
Zum Schluss noch ein Tipp zu Tyrone Davis: In wirklicher Topform zu sehen ist der
Sänger auf den folgenden drei YouTube-Videos:
http://www.youtube.com/watch?v=kn0nakssEok
http://www.youtube.com/watch?v=ShP0W8lg4dQ
http://www.youtube.com/watch?v=tVnZt-Bxlao
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THEODIS EALEY: "I'M THE MAN YOU NEED"
IFGAM RECORDS IFG-18 (erschienen 2006)
Unseren einheimischen Soul/Blues-Fans muss man den
Sänger-Gitarristen Theodis Ealey wohl kaum speziell vorstellen. In den vergangenen 90er
Jahren unterhielt das unterdessen eingegangene, vom Engländer John Abbey gegründete
Schallplattenlabel Ichiban Records hier in der Schweiz eine Zweigstelle, was für viele
damals bei diesem Label vertraglich verpflichtete Künstler gute Auftrittsmöglichkeiten
in unserem Land und unseren Musikclubs bedeutete. Trudy Lynn, Vernon Garrett, der
inzwischen verstorbene Buddy Ace, Charles Wilson, Travis Haddix, Jesse Graham, Millie
Jackson, Willie Clayton, John Ellison, Joey Gilmore, William Bell und und und.... alle
traten damals mehr oder weniger regelmässig hier auf - und eben auch Theodis Ealey, der
zu jener Zeit noch nicht so recht wusste, ob er sich eher dem gitarrenlastigen
"Blues-Rock" zuwenden oder den Sprung in die Welt des "Chitlin'
Circuit" wagen sollte. Dass er unterdessen eindeutig und sehr erfolgreich beim
Letzteren gelandet ist, ist mindestens seit seinem 2004er-Hit "Stand Up In It"
klar.
Mit "I'm The Man You Need" stellt der Künstler nun sein neustes Album vor,
welches er in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Bruce Billups realisiert und wiederum auf
seinem eigenen "Ifgam"-Label veröffentlicht hat. Die Scheibe startet mit
"Sumpin' Sumpin'" in bester Marvin Sease-inspirierter
"Party-Blues"-Manier, gefolgt von "Pop That Middle". Kommt uns dieser
zweite Song nicht irgendwie bekannt vor? Recht geraten: Ealey benutzt hier den selben
instrumentalen Backing-Track, den 1994 der Sänger Jesse Graham für seinen Song "Mr.
Mailman" schon einmal verwendet hatte. "Please Let Me In", Nummer drei in
der Folge, ist ein ausgesprochen hübsches typisches Southern Soul-Lied, das momentan im
Chitlin Circuit ziemliche Hit-Erfolge feiert. Das "Drehbuch" der Story: Ein
armer Theodis wird von Frau wegen ungebührlichem Verhalten vor die Türe gesetzt und muss
nun "with tears in my eyes" auf die Knie gehen, um "with my heart in my
hand" zu betteln: "Please let me in, let me in - let me come back home again -
this time I'll be a better man". Am Schluss des Songs wird dann endlich das
befreiende "come on in, Theodis" ausgesprochen... echt Klasse! Titelstück resp.
Track vier ist eine Neuversion von "I'm The Man You Need", das Theodis erstmals
1992 für sein Debutalbum "Headed Back To Hurtsville" aufgenommen hatte. Der
Song lieferte später bekanntlich die Grundstruktur für Ealey's Super-Hit "Stand Up
In It". Von den übrigen Nummern der CD erwähnenswert ist eine hübsche Coverversion
des Marvin Gaye-Klassikers "Let's Get It On", dem noch "Sexual
Healing" angehängt wird, den stimmungsvollen 12-Takt-Blues "Looking Up At The
Bottom" und "You And I Together", eine Southern Soul/Blues-Ballade. Auf
"Baby Why" liefert Bluesmann Willie Hill (auch ein ehemaliger "Ichiban
Records"-Artist) die Backing Vocals. Vorhanden ist auch ein (für meinen Geschmack
eher unnötiger) "Remix" von "Stand Up In It", eine instrumentale
Gitarrennummer ("Theo's Groove") und (im Schlusstitel "The Reason For The
Season") ein netter, von akustischen Gitarren begleiteter Christmas-Blues. Die CD
"I'm The Man You Need" ist sicher eine von Ealey's besten Alben. |

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BETTY PADGETT: "NEVER COMING HOME"
MEIA RECORDS (erschienen 2006)
Betty Padgett stammt ursprünglich aus New Jersey,
baute ihre Gesangskarriere jedoch in Florida auf. Die ersten Schritte in diese Richtung
tat sie, als sie dort als zweite Vokalistin der Band des Blues-Gitarristen und -Sängers
Joey Gilmore beitrat. Ihr 1981 erschienenes Album "Sweet Feeling" war vielleicht
der erste ernsthafte Versuch, sich als Soul-Blues-Sängerin in eigener Regie unabhängig
zu machen und sich auf Solo-Pfade zu begeben. Die Künstlerin gab mal in einem Interview
an, ursprünglich von Stars wie der Supremes, von Laure Lee, Betty Wright oder Aretha
Franklin zum Singen inspiriert worden zu sein, in ihrer Jugend aber nie Gospel gesungen zu
haben - eine grosse Rarität wohl unter Sängern, die diesen Musikstil pflegen! Spätere
Albumproduktionen (beispielsweise "30 Second Man" von 1998 oder "Closet
Lover" von 2004) lassen auch den grossen Einfluss erahnen, den die "Queen of the
Blues" Denise LaSalle auf Betty's Gesangsstil ausgeübt haben muss.
Auf "Never Coming Home", Betty's neuestem Werk, scheint sich die Sängerin
ganz selbst gefunden zu haben. Das Album klingt sehr homogen und auch
"selbstbewusst" und startet mit einer wunderbar intensiven Deep-Soul-Ballade im
Titel "Sneaking Around". Ueber den langsamen Balladentitel "Come On
Over" und den sehr seelenvoll gesungenen Blues "Best Friend My Lover"
gelangen wir zum grossen Hi-Light der CD, zum Titelstück "Never Coming Home".
Ein leises Elektropiano eröffnet hier einen der besten "Cheating"-Songs, den
die Szene in den letzten Jahren zu hören bekam. Die gut 5 Minuten Spielzeit des Stücks
werden von der Sängerin alsdann zu einer eindringlichen "Abschiedspredigt"
genutzt, die sie ihrem fremdgehenden Partner hält und ihm dabei in allen Details
erklärt, wie ihr Leben von nun an ohne ihn weitergehen wird. Diese Nummer ist ein echter
Knüller wie auch ein zukünftiger Klassiker des Genres - und momentan ein vielgespielter
Hit an zahlreichen Soul/Blues-Radiostationen quer durch den US-Süden! Der Rest des Albums
teilt sich auf in einen Mix aus Uptempo-Southern Soul ("Rock Your Boat",
"Hey Boy", "Bounce" und "Check Youself"), swingendem 12
Bar-Shuffle-Blues ("Perfect Man") und einer weiteren schönen Deep Soul-Nummer
("I Found A Love"). "Never Coming Home" ist bis jetzt Betty Padgett's
überzeugendstes und bestes Album. Ein Projekt solcher Klasse hätte es natürlich auch
echt verdient, von einem geeigneten grösseren Schallplattenlabel (MALACO hellooo - do you
hear us?) übernommen und gepusht zu werden..... |

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