Southern Soul/Blues
und Gospel CD- und DVD-Reviews und Tipps:
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CD- und DVD Reviews von
2006

weitere
Reviews von *2008* *2007* *2005* *2004* *Indie-Gospel CD-Tipps* |

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BIG G: "BROKEN
HEARTED"
STONE RIVER RECORDS (erschienen 2006)
Dass die Welt von "Southern Soul" oder "Soul Blues" nach
wie vor ein vom Mainstream-"Musikzirkus" ziemlich stiefmütterlich behandeltes
"Underground"-Phänomen ist, beweist einmal mehr die Karriere des in
Richmond/Virginia beheimateten Soul/Blues-Sängers "Big G". Sieben CD-Alben hat
der Mann seit Ende der 90er Jahre bis heute produziert, mehrere Songs davon waren
beträchtliche Radio-Hits quer durch den US-Süden (wie etwa die Nummer "Hot
Loving" vom Jahr 2003), und doch wurde sein Werk bis jetzt von der (weissen)
Blues-Fachpresse kaum je entsprechend gewürdigt. Zwar stimmt es, dass Big G's vorwiegend
im Alleingang selbstproduzierten Projekten manchmal etwas der ganz grosse professionelle
Schliff fehlt. Trotzdem: Seine auf dem "eigenen Mist" gewachsene charmante, aber
auch kantige Musik hat Erfolg beim entsprechenden Publikum. Schon alleine die Anzahl
seiner sieben CD-Alben zeigt, dass dieser Künstler im "Chitlin Circuit" solide
im Geschäft ist. Soulblues-Legenden wie Roy C, Clarence Carter oder Tyrone Davis werden
von Big G als die grossen Einflüsse genannt. Speziell der Geist des Ersterwähnten (Roy
C) scheint auf den vorliegenden Songs gelegentlich ganz nett durchzuschimmern. So beginnt
die Songselektion gleich mit dem Roy C-inspirierten Titelstück "Broken Hearted"
(eine 12Takt-Bluesnummer). Diverse Songs leiden auf dem Album ein wenig an
"Underproduktion", wie z.B. in der folgenden Nummer "Freaky Groove".
Hier würde ein echter "Live"-Drummer oder wenigstens eine etwas aufwändiger
programmierte Drumspur schon Wunder wirken. Besser schneidet dann aber die nachfolgende
Deep Soul-Ballade "Thinking About You" ab. Das schöne Tenorsax und die
zusätzlichen Backgroundstimmen verleihen dem Stück echt Klasse. "Two Step",
ein funkiger 12bar-Blues wiederum mit Tenorsax-Würze und einem
"Rap"-Intermezzo, wird hier in zwei Versionen dargeboten, einer kurzen für's
Radio und einer verlängerten "Club"-Version für die Tanzfläche. "I Need
Your Love" und "Before You Take Your Love Away" sind klassische
mittelschnelle Southern Soul-Nummern. Mit "Can't Live My Life Without You" als
Abschlussstück betritt Big G wieder Roy C-Territorium. Das Lied ist eine sehr schöne
Deep Soul-Ballade und ein echtes Highlight der CD, die den Wunsch nach mehr musikalischem
"Soulfood" dieser Sorte hinterlässt.
Zum Abschluss noch die Big G-Diskografie (alle CD's sind auf Stone River
Records erschienen):
BROKEN HEARTED (2006)
NOTHIN' BUT A PARTY (2006)
MIDNIGHT LOVE (2006)
LOVE ON THE RUN (2005)
HERE IT IS (2004)
KEEPING IT REAL (2003)
STEPPIN' OUT (1999)
DON'T LEAVE ME GIRL - Single (1997)
Big G's Website: http://biggsounds.com/ |

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RACY BROTHERS: "THERE'S NOT A FRIEND - LIVE IN LITTLE ROCK" (DVD)
MCG (MALACO) RECORDS MCGD 7038 (erschienen 2005)
Wie schon auf der Besprechung des Albums "I Won't
Forget" (von 2004) weiter unten erwähnt, gehören die Racy Brothers heute zu den
Top-Favoriten der Gospel-Kategorie "Quartet" im Südstaat Arkansas. Als Bonus
erschien ihr letztes, im Jahr 2005 erschienenes Projekt "There's Not A Friend - Live
In Little Rock" zusätzlich zur CD-Ausgabe auch als DVD, die wieder einmal eine gute
Gelegenheit bietet, die einzigartige Stimmung einer traditionellen
Quartettgospel-Darbietung im intimen Rahmen einer kleinen afroamerikanischen Kirche im
US-Süden auch mit dem Auge mitzuverfolgen und zu geniessen.
Die Racy Brothers wurden vor etwa 18 Jahren von den Brüdern Bobby und Vernell Racy
gegründet. Auf dem vorliegenden Werk übernimmt die Leadvocals bis auf wenige Ausnahmen
jedoch ihr Neffe Walter Witherspoon, und das in absolut kompetenter und professioneller
Art und Weise. Das Programm startet mit dem von Witherspoon geschriebenen mid-tempo-Song
"Remember Me", welcher zum getragen langsamen Dreivierteltakter "I've
Decided" weiterführt. Dies ist, wie auch das übernächste Stück "There's Not
A Friend" traditionelles Liedgut. "Build A Fence" hatte Leadsänger und
Songschreiber Walter Witherspoon auf seinem Solo-Album "Walter Witherspoon of the
Racy Brothers" 1998 in einer Studio-Version schon einmal veröffentlicht.
"Medley" vereinigt in einer ansprechenden Interpretation die Songs "Live So
God Can Use You", "Aint It Sweet" und "Bye And Bye, When The Morning
Comes" und ist Quartett-Tradition pur. Ein "predigender" Start mündet im
Titel "What A Time" in eine sehr beseelte Gospel-Ballade. Ebenso
"deep"-soulig, aber in etwas beschleunigter Gangart geht es im Stück
"Through It All" weiter, gefolgt von "Walk Through The Streets", einem
knackigen Gospel-Blues, der textlich all die Vorzüge und Annehmlichkeiten des
"Lebens im Jenseits" anpreist. "Prayer" und "Oh Lord Have
Mercy" sind zwei weitere stimmungsvolle Super-Slowies im Dreivierteltakt, gesungen
mit viel Inbrunst resp. viel "Heart and Soul". Der nachfolgende Uptempo-Song
"God's Been Good" ist ausgelassen-fröhlich und lüpfig und fährt einigen
Konzert-Besucher/Innen ganz schön in die Beine, bevor es in der Abschlussnummer "God
Can Do Anything" mit viel "Thank You Lord"s und Lob-Preisungen an den Herrn
nochmals sehr feierlich und besinnlich wird. Die DVD enthält zwar ein paar störende,
minime Kleinigkeiten, die nicht sein müssten, indem gelegentlich (beispielweise in der
Nummer "Build A Fence") Ton und Bild nicht ganz synchron verlaufen, oder wenn
der Kameramann während eines Gitarrensolos ab und zu das Griffbrett des
"falschen" Gitarristen ins Visier nimmt und nah ins Bild rückt. Ansonsten ist
aber "There's Not A Friend - Live In Little Rock" der Racy Brothers ein
ausgesprochen gefreutes Konzert-Video und ein Fest für alle Freunde traditioneller
Gospelmusik! |

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LEE WILLIAMS & THE SPIRITUAL
QC'S: "TELL THE ANGELS" (DVD)
MCG (MALACO) RECORDS MCGD 7034 (erschienen 2005)
"Tell
The Angels" ist das fünfte CD-Album des beliebten Quartett-Gospelstars aus
Tupelo/Mississippi, resp. sein viertes Live-Album, das nebenbei auch als DVD erschienen
ist. Kenner und Fans von Lee und seiner Gruppe wissen natürlich, was sie beim Kauf eines
seiner Projekte erwartet, denn der Mann ist ja bekannt dafür, seinem Stil treu zu
bleiben. So werden wir auch hier wieder sehr grosszügig mit den typischen
bluesgetränkten und sehr beseelten Klängen verwöhnt, die das unverwechselbare
Markenzeichen von Lee und seiner Quartettformation, der "Spiritual QC's" sind.
Der Sound der Gruppe um den singenden einstigen Lastwagenfahrer aus Elvis's Geburtsstadt
hat echt Stil!! Wie schon auf seinen letzten Projekten zieht sich Williams gelegentlich
auch hier mal in den Background zurück und überlässt dabei die Leadparts seinen beiden
Mitstreitern Leonard Shumpert und Patrick Hollis. Shumpert, ein Mitglied der QC's seit
ihrer ersten Stunde, darf beispielsweise die beiden Songs "Glad To Be Here"
und "It's About Time", beide mit schönen "Southern Soul"-Anleihen,
vortragen. Und Drummer Patrick Hollis, Sohn von Al Hollis (des Gitarristen der QC's),
brilliert als Leader im langsamen und sehr beseelten Dreiviertel-Takter "Wave My
Hand". Patrick's Selbstvertrauen als Frontmann ist hier seit seinem ersten
Solo-Versuch im Vorgänger-Album "Right On Time" unüberhör- und unübersehbar
angestiegen. Die restlichen Nummern packt der Chef jedoch alle selbst an. Erstaunlich, wie
die schlichte Auftretensweise des Sängers ohne jegliches Showgehabe seine zahlreichen
Fans in den Bann zu ziehen vermag. "He's Coming Up" und das Uptempo-Stück
"Lord I'm Willing" sind jazzig-swingend, "No No" mit funkigem Rhythmus
unterlegt und "Call Him Jesus" ein schöner Gospel-Blues. "God's Got A
Blessing" wie auch die Schlussnummer "On My Way" sind zwei absolutes
High-Lights. Ruhig und fast "meditativ" werden diese beiden Songs vorgetragen,
und trotzdem ist die Stimmung äusserst intensiv. Es entsteht hier beinahe der Eindruck,
als hätte der heilige Geist selbst das Zepter übernommen und die Seelen der anwesenden
Konzert-Gemeinde erfasst...
Aufgenommen wurde das Projekt "Tell The Angels" wiederum im "Temple of
Deliverance COGIC" in Memphis, derselben grossen Konzerthalle, in der schon die
letzten zwei Videos von Lee Williams entstanden. |

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WILLIE NEAL JOHNSON & THE
GOSPEL KEYNOTES: "HE BROUGHT ME JOY" (DVD)
601 MUSIC (MALACO) RECORDS SXDVD 9905 (erschienen
2005)
Willie Neal "The Country Boy" Johnson aus Tyler/Texas war
eine der herausragendsten Persönlichkeiten der letzten Jahrzehnte im Quartett-Gospel. Er
verstarb leider vor einigen Jahren, ist aber sicher noch manchem Gospelfreund hierzulande
in bester Erinnerung durch seine tollen Konzerte, die er auf zwei Tourneen durch die
Schweiz im Dezember 1994 und im August 1995 mit seiner damaligen Gruppe (den "New
Keynotes", bestehend aus dem zweiten Leadsänger Teddy Cross, dem Gitarristen Val
Alexander und den Talley Brothers) in diversen Schweizer Städten gab. Die auf der
Budget-Linie "601 Music" letztes Jahr von Malaco Records veröffentlichte DVD
"He Brought Me Joy" ist gut dafür geeignet, die Erinnerungen an diesen
unvergesslichen Sänger und an seine Konzerte hier noch einmal aufleben zu lassen, obwohl
die Scheibe eigentlich nur aus einem Zusammenschnitt aus früher schon einmal auf dem
Malaco-Label in Videotape-Form veröffentlichtem Material besteht.
Das Programm startet mit der Talley-Brothers Formation plus Teddy Cross und
Falsett-Sänger Robert Williams im Titel "He Brought Me Joy". Dies ist eine
Uptempo-Nummer aus dem Album "The Country Boy Goes Home - LIVE in Tyler, Texas"
(von 1992), in der sich nach einem kurzen, von Teddy Cross gesungenen Intro Johnson, Cross
plus ein auf dem Originalalbum nicht erwähnter Gast abwechslungsweise die Lead-Parts
teilen. Kleines Detail am Rande: An diesem Konzert war unter den Zuhörern auch Willie's
betagte Mutter anwesend - sie wird am Schluss des Stücks noch ganz kurz gross ins Bild
eingeblendet. Für den zweiten Track gibt's eine zeitliche Rückblende ins Jahr 1985 mit
einem Ausschnitt aus dem Video "Live at Jackson State University" im Titel
"Show Me The Way". Hier können wir den "Country Boy" noch mit der
älteren Gruppe (den "Gospel Keynotes") in absoluter Topform sehen, kurz nach
dem Plattenlabel-Wechsel von Nashboro- zu Malaco-Records. Diese Nummer ist wohl eines der
grossen Highlights dieser DVD-Produktion. Mit dabei sind hier nebst Willie Neal Johnson
die Keynotes-Mitglieder Gino Smith, Jeffrey Newberry und Robert Williams, sowie Gitarrist
Val Alexander und Bassist Larry McCowin. Schade, gibt es auf dieser DVD keine weiteren
Songs aus diesem ganz tollen Konzert zu sehen - eine Wiederveröffentlichung der ganzen
Aufzeichnung als eigene DVD wäre sehr wünschenswert!! Danach folgt ein Zurück zu
"Live in Tyler/Texas" mit den beiden Titeln "Lord I Thank You" und
"Don't Wait For The Hearse". Das letzterwähnte Stück, eine langsame
Gospel-Ballade im Dreiviertel-Takt, beinhaltet wiederum ein schönes Duett zwischen Willie
Neal und Teddy Cross, welcher gegen das Ende hin ganz schön emotionell "in
Fahrt" gerät. "Jesus Is On The Mainline", respektive Track fünf der DVD
ist ein Ausschnitt aus dem 1993 erschienenen Konzertvideo "Lord... Take Us Through -
Live In Fayetteville, NC" und wiederum ein rassiger "Footstomper", in
welchem die Leadvocals vom "Country Boy" und von Teddy Cross gemeinsam
bestritten werden. Nachdem die beiden Sänger dem begeisterten Publikum ganz schön
eingeheizt haben, endet das Stück mit einem kurzen Gastauftritt von Gospelstar Dorothy
Norwood. In "Just For Me", der nächsten Nummer aus demselben Konzertvideo,
tritt mit Robert Williams endlich auch einmal einer der grossen Falsettvirtuosen in den
Vordergrund, resp. an die Seite des "Country Boy". Falsett-Stimmen lieferten
bekanntlich einen grossen Teil des typischen Sounds der Gospel Keynotes, darum ist es
nicht ganz verständlich, warum die Produzenten dieser DVD diesem wichtigen Aspekt so
wenig Beachtung geschenkt haben. Für die nächsten drei Titel machen wir wieder einen
kleinen Zeitsprung ins Jahr 1998 zum Konzertvideo "The Country Boy Goes Home,
Vol. 2". Mit dabei sind hier wieder Johnsons alte Begleiter Gino Smith, Jeffrey
Newberry, Paul Beasley und Gitarrist Val Alexander. Herausragend und sehr seelenvoll
gesungen von Willie Neal ist hier vorallem der Traditional "Farther Along". Dann
folgt mit "This Heart Of Mine" ein weiterer "Footstomper" (hier wäre
die alte Version vom 1985er Jackson/MS-Konzert vielleicht die bessere Wahl gewesen!) und
"Little Boys And Girls", wo Johnson und Paul Beasley den Kindern einer am
Konzert anwesenden Schulklasse tief ins Gewissen singen "grow up to be a lady - grow
up to be a man...". Als Schlussnummer folgt, von Gospelproduzent Milton Biggham
angesagt "If It Had Not Been For Love". Dies ist ein Ausschnitt aus dem
1994er-Weihnachts-Video "A Family Christmas". Wir sehen hier unsern Willie
Neal Johnson ohne die Keynotes als Gastsänger beim "Mississippi Mass Choir" -
nach unserer Meinung ein etwas unpassender Abschluss für ein Portrait, das eigentlich dem
"Country Boy" UND seinen "Gospel Keynotes" gewidmet wäre.
Den tiefen Verkaufspreis in Betracht gezogen, ist dieses Projekt sicher eine
willkommene Sache. Wie wir oben gesehen haben, hat der DVD-Sampler jedoch einige
Schwachpunkte. Auf ein wirklich ganz tolles "Best Of"-Album, in welchem
beispielsweise auch Willie's Falsett-Virtuosen gebührend zum Zuge kommen, müssen wir
deshalb wohl noch weiter geduldig hoffen... |

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T.K. SOUL: "LIVE AT THE GARRETT COLISEUM, MONTGOMERY, ALABAMA" (DVD)
SOULFUL RECORDS (erschienen 2005)
Im Gegensatz zur Gospelszene hat sich die Musikindustrie mit
Veröffentlichungen entsprechender Konzertvideos resp. DVD's im
Southern-Soul/Blues-Bereich bis vor kurzem eher schwer getan. Malaco-Records machte in
dieser Hinsicht mit Konzertaufzeichnungen von Johnnie Taylor, Bobby Bland und Marvin Sease
vor ein paar Jahren mal einen kleinen Anfang, was dazu führte, dass seither einige andere
kleine Labels diese Marktlücke nun ebenfalls entdeckt haben. Der 42-jährige Sänger und
Songschreiber Terrance Kimble alias "T.K. Soul" produzierte beispielsweise sein
neustes Album "Live In Montgomery, Alabama" für sein eigenes
"Soulful" Label gar nicht erst als Audio-CD, sondern gleich in audio-visueller
Form als DVD-only-Projekt.
Kimble arbeitete längere Zeit als Songschreiber, Produzent und Keyboarder für
Soul/Blues-Star Willie Clayton, bevor er vor etwa vier Jahren mit seinem Debut-Album
"One Woman Man" zum erstenmal in eigener Regie an die Oeffentlichkeit trat. So
ist es nicht verwunderlich, dass in T.K.'s Show oft die Persönlichkeit seines Mentors
Willie Clayton durchschimmert, sei es in seiner äusseren Erscheinungsweise oder auch auf
der musikalisch/stilistischen Ebene. Seit dem Debut "One Woman Man" gab es von
Kimble zwei Nachfolge-Alben ("The Bad Boy Of Southern Soul" und "Love
Games") - und so besteht sein hier gezeigter Auftritt denn auch ausschliesslich aus
Eigenkompositionen seiner zwei ersten CDs. Es gehört eine echte Portion Mut und
Selbstvertrauen dazu, bei solchen Liveauftritten ganz auf die sonst üblichen
Soul-Gassenhauer ala "Knock On Wood" oder "In The Midnight Hour" zu
verzichten und konsequent sein Eigending durchzuziehen, das sich hier in T.K.'s Fall aus
einem ausgewogen gemixten Repertoir von funkigen Rhythm&Blues-Nummern und seelenvollen
Balladen zusammensetzt, zwischen denen der Sänger gelegentlich auch Werbung für seine
Platten einstreut und den Chef der Radiostation WKXN Roscoe "Killer Diller"
Miller ab und zu ermahnt, ja nicht zu vergessen, seine Songs auch am Radio zu spielen!
Schön ausserdem, dass hier eine solide Live-Band, bestehend aus zwei Keyboardern und je
einem Gitarristen, Bassisten und Drummer mithilft, der Show zusätzlichen Glanz zu
verleihen. Bravo T.K. Soul! So gefällst du uns am besten!
Unser Gesamteindruck dieses DVD-Projektes: Ein sehenswerter und vergnüglicher
Mitschnitt eines typischen "Chitlin Circuit"-Gigs vor einem mehrheitlich
weiblichen, afroamerikanischen Südstaaten-Publikum. Dazu profiliert sich T.K. Soul als
ein feuriger und sehr dynamischer Live-Performer, der hier wesentlich besser durchkommt
wie auf seinen Studio-Produktionen (siehe die Kritik einer seiner früheren CD's weiter
unten). Die Chance einer erfolgreichen und glanzvollen Zukunft im Southern
Soul/Blues-Business dürfte für den Mann soviel wie gesichert sein... Ohne spezielle
Highlights herauszupicken, sei hier noch die Reihenfolge der Songtitel aufgelistet: SHE'S
BAD - ALL THE MAN YOU NEED - SHORT SKIRTS, TIGHT JEANS - ONE WOMAN MAN - MY KIND OF GIRL -
WHERE JODY STAY - I'M IN LOVE - STRAIGHT NO CHASER - MEET ME AT THE SPOT - MY LIFE. |

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PHILIPP FANKHAUSER: "WATCHING FROM THE SAFE SIDE"
FUNK HOUSE BLUES (SONY/BMG) RECORDS 92106000002
(erschienen 2006)
Authentische, amerikanische Southern
Soul/Blues-Klänge eines direkt aus dem Herzen Europas stammenden Schweizer Künstlers in
Top-Qualität - wer hätte sowas noch vor 10 oder 20 Jahren je für möglich gehalten?
Unbeirrt und zielsicher ging der Sänger und Gitarrist Philipp Fankhauser aus Thun bei
Bern über all diese Jahre hinweg an die Aufgabe, seine Musik in diese Richtung hin zu
entwickeln und dabei unserem einheimischen Blues-Publikum zu zeigen, dass die Musikform
"Blues" wesentlich mehr hergeben und beinhalten kann wie nur starres Abspulen
des bekannten Zwölf-Takte/Drei-Akkorde-Schemas. Den Weg gewiesen haben ihm einst
Blueslegenden wie Johnny Copeland, Johnny's Tochter Shemekia Copeland, Margie Evans und
andere bekannte schwarze Künstler, mit denen Fankhauser die Bühne teilte, als er in den
90er Jahren in den USA als Bluesmusiker tätig war. Und auf diese Zeit zurück gehen
sicher auch seine wertvollen Connections zu bekannten Namen wie zum Produzenten Dennis
Walker, zu den legendären Memphis Horns oder zu den ebenso legendären Sweet
Inspirations, deren Dienste Fankhauser auf seinen letzten CD-Projekten und auch bei seinen
hiesigen Live-Auftritten gelegentlich in Anspruch nehmen konnte.
Die vorliegende Scheibe "Watching From The Safe Side" scheint Fankhausers bis
jetzt ausgereiftestes Werk zu sein. Sehr gelungen ist die ausgewogene Mischung aus
traditionellen 12bar Bluesnummern und clever arrangierten Balladen wie beispielsweise dem
autobiographischen Titelsong oder den drei sehr schönen Southern Soul Nummern "Too
Little Too Late", "Sunday Morning" und "Time Stands Still". Beim
letzterwähnten Stück bringen die Stimmen der "Sweet Inspirations" zusätzlich
einen feinen Hauch von Gospelfeeling mit ins Spiel. Echten und wunderschönen Southern
Soul/Blues hören wir auch im selbstverfassten Lied "Wish You Well", eines der
grossen Highlights der CD, mit dem das Album ausklingt, während auf der Einstiegsnummer
"It's Over Now Baby", auf "Blues Ain't Nothing" oder auf "The
Blues Don't Like A Crowd" der traditionelle 12bar-Blues (meist in solider
Texas-Stil-Ausführung, komplett mit Horn-Arrangements und robusten Saxophon-Solos) zum
Zuge kommt. "If You Ain't Been To Houston" ist ebenfalls ein 12-Takter,
beginnend mit dem bekannten Gitarren-Intro, mit dem der legendäre Cornelius Green alias
"Lonesome Sundown" aus Louisiana einst seine Slow-Blues-Nummern zu starten
pflegte. Der Song stammt zwar aus der Feder des Produzenten Dennis Walker, wurde original
jedoch vom Louisiana Blues-Maestro himself auf seinem (damals ebenfalls von Dennis Walker
mitproduzierten) 1977er-Album "Been Gone Too Long" gesungen und veröffentlicht.
Sieben der elf Songs von "Watching From The Safe Side" hat Fankhauser jedoch
selbst verfasst, wobei ihm bei zwei Nummern Produzent Dennis Walker etwas Co-Hilfe
geleistet hat. Eindrücklich schildert der Künstler auf dem Titelstück seine Sicht der
Dinge aus der sicheren, wohlbehüteten Schweiz, zurückblickend in jene Jahre, als er die
rauhe Realität des Lebens in der US-Musikszene selbst erfahren musste.
Erwähnenswert auf dieser Produktion ist auch die erstklassige Rhythm Section,
bestehend aus Richard Cousins am Bass, Tosho Yakkatokuo am Schlagzeug und Hendrix Ackle am
Klavier resp. an der Hammond B3. Diese Musiker bilden momentan Fankhausers reguläre
Liveband. Und noch etwas, das uns sehr gefällt an diesem CD-Album: Fankhauser singt als
gebürtiger (weisser) Schweizer völlig natürlich und erliegt nicht (wie manch Anderer)
der Versuchung, auf "Teufel komm raus" "schwarz" klingen zu wollen.
Zudem ist sein Gitarrenspiel zwar einfach, aber sehr melodisch und gefühlvoll, d.h. genau
so, wie man es im Soul/Blues sehr zu schätzen weiss. Ein tolles Album!!
Siehe auch Philipp's Website: www.philippfankhauser.com |

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THE RACY BROTHERS: "I WON'T FORGET"
MCG RECORDS MCG 7030 (erschienen 2004)
Die Racy Brothers aus Dumas/Arkansas gehören zu den
momentan erfolgreichsten Formationen der Quartettgospel-Szene von Arkansas und wurden 1988
von den Brüdern Bobby und Vernell Racy gegründet. Dazu gesellten sich noch ihre beiden
Neffen Walter Witherspoon und Pervis Holly, sodass das frischgebackene Quartett schon im
folgenden Jahr (1989) ihr erstes Album produzieren konnte. Die hier vorgestellte CD
"I Won't Forget" vom Jahr 2004 ist das fünfte Projekt der Gruppe, wobei neun
der hier vorhandenen zwölf Songs Wiederveröffentlichungen aus dem 1997er-Album "The
Racy Brothers" sind. Unter den drei neuen Titeln hören wir auf der Neuaufnahme der
Nummer "Touch Me" als Bonus die zusätzliche Stimme des berühmten
Quartettgospel-Sängers Lee Williams (der Spiritual QC's) als Guest-Star. Auf "I Know
You Care" spürt man, dass die Canton Spirituals einen grossen Einfluss auf die
Entwicklung des Stils der Racy Brothers gehabt haben müssen. Ausser der von Lee Williams
gesungenen und auch geschriebenen Nummer "Touch Me" stammen alle restlichen
Titel aus der Feder von Racy Brother-Mitglied Walter Witherspoon. Seine Songs sind
stilmässig stark "Southern Soul"-bezogen. Besonders schön kommt dies auf den
eher getragenen Nummern zum Vorschein, die durch die ausgezeichneten Lead-Vocals
brillieren (beispielsweise im Titelstück "I Won't Forget"), was das Album auch
für den eher nicht-gospel-interessierten Bluesfan attraktiv macht. Ueber das
nachfolgende, im letzten Herbst erschienene Racy Brothers-Album "There's Not a Friend
- Live In Little Rock" werden wir hier demnächst ebenfalls eine Kritik schreiben.
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CHARLIE BROWN: "GROWN FOLKS' PARTY"
CLM RECORDS CLM 001 (erschienen 2006)
Charlie Brown aus Huntsville/Alabama ist ein neuer
Name auf der immer grösser werdenden Liste jüngerer Exponenten der aktuellen Southern
Soul/Blues-Szene. Sein CD-Debut "Grown Folks' Party" ist ein gut gelungener Mix
aus solidem "Old School" Up-Tempo-Southern Soul für die Tanzfläche
("Let's Go Steady", Titelstück "Grown Folk's Party" oder
"Henpecked"), bluesigem Funk ("Fine!!") und sanften Balladen
(beispielsweise "Still Fall In Love" oder "Since I Lost My Baby"), auf
welchen gelegentlich der Gesangsstil von Lionel Richie (eines von Charlie Browns Idolen)
durchschimmert. Sehr schön und brilliant gesungen ist auch das Stück "Hell On My
Hands", eine eindrucksvolle Moll-Bluesballade, welche, wie die meisten Songs auf dem
Album, aus der Feder des Sängers selbst stammt. Als einzige vollständige
Fremdkomposition finden wir hier Smokey Robinsons "Since I Lost My Baby". Als
Haupteinfluss seiner Musik erwähnt Charlie Brown die Gospel-, Blues- und
R&B-Plattensammlung seiner Mutter. Johnnie Taylors legendärer Gospel-Song "The
Love Of God" als Lead-Sänger der Soul Stirrers soll ihm dabei den nötigen
"Kick" für den Karrierestart als Entertainer gegeben haben. Mit 39 Minuten
Spielzeit ist das Party-Vergnügen der "Grown Folk's Party" zwar etwas gar kurz,
positiv überrascht dafür die solide, kleine Begleitcombo, bestehend aus einem
Keyboarder, Live-Drummer und einem Gitarristen. Erhältlich ist das Album beim Vertrieb
von "www.cdbaby.com". Es
kann ab der Website des Künstlers (http://www.charliebrownmusic.com) auch direkt heruntergeladen werden.
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CHARLIE JONES: "CRAZY OVER YOU"
AMBUSH RECORDS (erschienen 2006)
Soul/Blues-Veteran Charlie Jones (nicht zu verwechseln
mit dem jüngeren Sir Charles Jones!!) durchlief die typische Laufbahn eines klassischen
Interpreten von Southern Soul-Musik: Geboren im ländlichen Norden von Florida auf dem
elterlichen Bauernhof, kam er als Kind bald mit den beseelten Klängen der
Gospel-Schallplatten-Sammlung seines Vaters in Berührung. Gruppen wie das Swanee Quintet,
die beiden Five Blind Boys (aus Mississippi und Alabama), die Dixie Hummingbirds, die
Chosen Gospel Singers, Pilgrim Travelers, Swan Silvertones und andere Quartett-Formationen
zählten bald zu den grossen Idolen des jungen Musik-Enthusiasten. Später, als Charlie in
Winston Salem, North Carolina wohnte, wurde er Mitglied der "Mighty Wonders",
einer in der dortigen Szene auch heute noch aktiven Quartettformation. Ein weiterer
Gospel-Höhepunkt in Charlies Karriere spielte sich im Jahre 1974 ab, als er für einige
Monate Mitglied der berühmten Gospel Keynotes aus Tyler, Texas war. In der weltlichen
R&B-Szene Fuss fassen zu können, war jedoch schon immer der grosse Traum des jungen
Sängers, seit er mit den Liedern von Stars wie Sam Cooke, Ray Charles, Joe Simon oder Sam
and Dave in Berührung kam, und so realisierte Jones im selben Jahr (1974) auch sein
erstes eigenes Soul/Blues-Album. Dies war der Beginn einer langen Karriere als Southern
Soul/Blues-Säner in eigener Regie, Plattenproduzent und beliebter Songschreiber für
Plattenprojekte anderer Blues-Stars wie Johnnie Taylor, Theodis Ealey oder Chick Willis.
Beim hier vorliegenden Album "Crazy Over You" handelt es sich zwar nicht um
eine eigentliche Neuerscheinung, sondern "nur" um eine Wiederveröffentlichung
einer Produktion, die vor etwa 10 Jahren unter dem damaligen Album-Titel "Choking
Kind of Love" auf dem kalifornischen Soul-Blues-Label "Kon Kord Records"
schon einmal erhältlich war. Trotzdem ist es sehr erfreulich, dieses empfehlenswerte
Album wieder im Verkauf zu sehen. Das Album startet mit der Blues-Ballade "Crazy Over
You", die Jones unsprünglich für Johnnie Taylor geschrieben hatte (veröffentlicht
auf Taylors 1991er Malaco Album "I Know It's Wrong, But I Just Can't Do Right")
und führt über eine typische 2-Akkord uptempo Southern Soul-Tanznummer (Let's Have A
Good Time") zu einer weiteren langsamen, sehr stimmungsvollen Ballade mit dem Titel
"Finders Keepers" mit schönen beseelten Gitarrenlicks. "Blues All
Over" ist, wie der Titel vermuten lässt, klassischer 12-bar Blues, komplett mit
dazugehörenden netten Gitarren-Solos. Mit "Lawdy Miss Clawdy", "Need To
Belong To Someone" und "Choking Kind" greift der Sänger drei
Fremdkompositionen auf. Verglichen mit den selbstgeschrieben Songs fehlt ihnen vielleicht
etwas das "innere Feuer". Davon genug gibt es hingegen wieder auf dem folgenden,
sehr beseelten Stück "Daddy's Little Boy", eines der Highlights der CD. "I
Don't Hurt Like I Used To" hat leichte Reggae-Anleihen und erweckt stimmlich
Erinnerungen an den Southern Soul-Veteranen Joe Simon, einer von Charlie Jones' grossen
Vorbildern. Das Album endet mit drei weiteren Super-Nummern "Love Can Be A
Nuisance", "You Can Feel Your Love" und einer sehr schönen Version des
Klassikers "Nine Pound Steel" - Southern Soul at it's best!! |

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TONI GREEN: "MORE LOVE"
PEG RECORDS PEGD 1004 (erschienen 2005)
Sängerin Toni Green IST "Memphis Soul" pur. In dieser
Stadt kam sie zur Welt, hier übte sie ihre ersten Gehversuche im Singen und hier
absolvierte sie ihre ersten schüchternen Auftritte in lokalen Talent-Shows zusammen mit
ihren Cousins Elvitt und Leroy Broadnax, mit welchen sie unter dem Gruppennamen "The
Imparted Moods" später vom legendären Memphis-Produzenten Willie Mitchell entdeckt
und für sein Hi-Label zu einem ersten kurzdauernden Plattenvertrag verpflichtet wurde.
Weitere Stationen folgten für Toni als Solo-Sängerin bei den Tour-Groups von Isaac Hayes
und dem Memphis Band-Leader Gene (Bowlegs) Miller, bis sie 1998 für den ebenso
legendären Memphis-Produzenten Quinton Claunch mit "Mixed Emotions" auf
"Soul Trax Records" ihr erstes vollständiges Album als Solo-Act realisieren
konnte. Unvergessen bleibt natürlich auch Toni's 2003er-Album "Southern Soul
Music", betitelt nach dem gleichnamigen Eröffnungsstück, das so etwas wie ein
eindringliches Plädoyer für mehr "Southern Soul Music" in der
US-Radio-Landschaft und dem Musikgeschäft ganz allgemein war.
In ihrem 2005er Album "More Love" ist Toni der "Southern Soul
Music" aus Memphis treu geblieben. Besonders die Nummern "I Am Ready",
"Angel", "Best Woman" oder die beiden Parts von "Free" mit
ihrem erstklassigen gospelintensiven Gesang wie auch das bluesige Titelstück "More
Love" sind sehr überzeugende, moderne Parade-Beispiele für diesen gefühlvollen
Musikstil. Bei anderen Stücken (beispielsweise "Hot", "Bop" oder
"Bou You") steht wieder eher das "Funk"-Element im Vordergrund -
Toni's "Lehrjahre" in der Band von Isaac Hayes lassen sich hier gut erahnen. Das
Album erschien auf "PEG-Records", das von der Malaco-Group vertrieben wird. |

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BOBBY WARREN: "PIONEERS & LEGENDS"
KON KORD RECORDS KON-0122 (erschienen 2006)
Nach "I Had A Dream", "Make Me
Yours" und "I Slipped Up" stellt das kleine kalifornische Soul/Blues-Label
"Kon-Kord Records" unter dem Titel "Pioneers & Legends" nun das
vierte CD-Album des 1947 in Corinth/Mississippi geborenen Sängers und Gitarristen Bobby
Warren vor. Wie schon auf seinen früheren Werken liefert uns Warren, der zwischen 1973
und 1977 in Australien lebte, auch hier wiederum ein abwechslungsreicher Mix aus
klassischen Bluesnummern und eher Southern Soul-orientiertem Material. Die CD startet im
Titel "Rosa Parks Dream" stilistisch mit Letzterem und thematisch mit Bezug auf
die legendäre, kürzlich verstorbene "Mutter" der Bürgerrechts-Bewegung.
"Blues Is Here To Stay" und "Loving A Married Woman" sind
traditionelle 12-bar-Nummern mit soliden Horns und guter Lead-Gitarre ala Little Milton.
In "Here To Stay" geht Warren im Text auf verstorbene, aber längst nicht
vergessene Legenden wie Johnnie Taylor, Tyrone Davis, Lowell Fulson, Sam Cooke, Otis
Redding, Z.Z. Hill, Ray Charles etc ein. Im Stück "Early In The Morning"
überrascht uns unser Sänger/Gitarrist mit intensiven Mississippi- resp. Muddy
Waters-Stil-Bluessounds, eine sehr schöne Nummer, die ursprünglich von Bobby Warren's
2000er-Album "I Had A Dream" stammt und die hier eine Wiederveröffentlichung
erfährt. Auf der anderen Seite finden wir hier auch rhythmisch flotte und teilweise
"funkige" Southern Soul-Songs, so z.B. die Stücke "What Goes Around Comes
Around", "The Search Is Over", "Mrs. Rosie Boy", "I don't
Want To Be The Last To Know" wie auch eine nette Cover-Version von "I Hear You
Knocking", mit der "The Mystery Lady" vor einigen Jahren einen kleinen
Soul-Blues-Hit landen konnte.
Alles in allem ist Bobby Warren's neuste CD "I Hear You Knocking" ein
empfehlenswertes Album, das Freunde von authentischer Southern Soul/Blues-Musik sicher
sehr schätzen werden. |

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RENEA MITCHELL: "THE ROAD OF LOVE"
JOMAR RECORDS (erschienen 2006)
Der Produzentenname Marshall Jones und sein Label
"Jomar-Records" ist mittlerweile wohl jedem einigermassen ernsthaften Southern
Soul-Blues-Fan zum Begriff geworden. Mit der wunderschönen Deep Soul-Ballade
"Seventeen Days Of Loving" des Sängers Carl Sims (1988 zuerst auf
"Labro" und dann auf "Edge" Records veröffentlicht) fand der damals
in Memphis aktive Produzent und Songschreiber erstmals weltweit Anerkennung als
beachtenswerter Lieferant für bluesige Southern Soul-Songs "mit Tiefgang". Der
nächste Coup aus dem Hause "Jomar" war der Sänger David Brinston. Songs wie
"Hit And Run" und "Two-Way Love Affair" waren grosse Hits am schwarzen
Südstaaten-Radio, die Brinston zum gefeierten Star des "Chitlin' Circuit"
machten. Nun stellt der unterdessen von Florida aus operierende Label-Betreiber mit dem
Album-Titel "The Road Of Love" und der Sängerin Renea Mitchell (die aus dem
Verwandschafts-Umfeld des verstorbenen Soul/Blues-Veteranen McKinley Mitchell stammen
soll) sein neustes Southern Soul-Blues-Projekt vor. Dass Renea Mitchell und ihr Produzent
mit ihrem modern und clever produzierten Album genau den Sound getroffen haben, der in der
Soul-Blues-Szene so beliebt ist, belegen momentan die Hit-Listen und Play-Listen
zahlreicher auf Soul-Bluesmusik spezialisierter US-Radiostationen. Den Einstieg ins Album
schafft Renea mit einer feinen Neuversion des Klassikers "Seventeen Days Of
Loving". Schon hier wird klar, dass Renea Mitchell die eher sanfte, aber seelenvolle
Singweise dem rauhen Shouten bevorzugt. Vergleichen könnte man ihre Stimme vielleicht ein
wenig mit jenen von Künstlerinnen wie Tonya (Youngblood) oder Monique Ford (sogar Diana
Ross wurde in einer CD-Kritik als Vergleich schon genannt!). Musikalisch steckt Renea's
Debut-Album etwa einen ähnlichen Rahmen ab, wie aktuelle Projekte anderer jüngerer
Southern Soul-Künstler wie beispielsweise O.B. Buchana oder Rick Lawson. Die Musik
basiert zwar auf (programmierten) Keyboard-Arrangements, ist essentiell aber rein
traditioneller Downhome-Southern Soul. Als Mid-tempo-Nummern in diesem Genre kommen hier
Titel wie "TWO CAN PLAY THAT GAME" oder "DIRTY WOMAN" schön zur
Geltung. Auch "PARTY LIGHTS" gehört in diese Kategorie und erinnert ein wenig
an Tonya Youngbloods "Meet Me At The Party". Nebst dem erwähnten Titel
"SEVENTEEN DAYS OF LOVING" verwöhnt uns Renea noch mit weiteren
Balladen-Leckerbissen, wie beispielsweise einer Neuversion des David Brinston-Hits
"SOMEBODY'S CUTTING MY CAKE". Ein ganz exquisites Stück ist der Titelsong
"THE ROAD OF LOVE". Der Song erinnert ein wenig an die stimmungsvollen Balladen,
die der legendäre Songwriter Sam Dees vor gut 30 Jahren für Sängerinnen wie z.B.
Rozetta Johnson schrieb. Renea's seelenvolle Vokals zeigen hier, dass Songmaterial in
diesem Genre ihr sehr am Herzen liegt. Aufgenommen wurde das Album in den
Ecko-Records-Studios. Auf einigen Nummern ist Ecko-Label-Chef John Ward auch als Gitarrist
zu hören.
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