Southern Soul/Blues
und Gospel CD- und DVD-Reviews und Tipps:
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CD- und DVD Reviews von
2004

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Reviews von *2008* *2007* *2006* *2005* *Indie-Gospel CD-Tipps* |

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MARVIN SEASE: "PLAYA HATERS"
MALACO RECORDS MCD 7518 (erschienen 2004)
Für sein Malaco-Records-Debut "PLAYA HATERS" posiert
Marvin Sease auf dem Album-Cover wieder einmal in bester
"Chitlin-Circuit"-Tradition umgeben von dunkelhäutigen Schönheiten, wie es
seinerzeit gelegentlich auch Bobby "Blue" Bland zu tun pflegte , als er noch
jünger war. Abgesehen davon scheint dem Soul/Blues-Star sein Wechsel vom Pop- und
HipHop-Label "Jive-Records" zum altgedienten Südstaaten-Gospel- und Blues-Label
"Malaco" nur gut getan zu haben. Dieser Schritt war doch eigentlich schon
längst fällig! Hier wird Marvin für seine Platten-Projekte nun mit all dem
ausgestattet, was seine Musik dringend braucht: 1. mit den richtigen Leuten, welche mit
Southern Soul/Blues-Musik bestens vertraut sind für das Marketing und 2. mit einer
ausgezeichneten Live-Band von professionellen Studio-Musikern, die schon seit Jahrzehnten
in den Malaco- und Muscle Shoals-Studios ihre wertvollen Dienste geleistet haben. James
Robertson ist hier beispielsweise durchgehend am Schlagzeug zu hören, James Hatten am
Bass, Mike Russell und Larry Byrom an der Gitarre, sowie die Muscle Shoals-Veteranen Jimmy
Johnson (Gitarre), David Hood (Bass) plus Clayton Ivey und Randy McCormick am Klavier,
resp. an den Keyboards, um nur einige der bekannteren Namen zu nennen. Nicht unerwähnt
bleiben darf selbstverständlich auch die "fette" Bläsergruppe, von welcher der
Saxophonist Harvey Thompson allen echten Southern/Soul-Freaks wohl bestens bekannt sein
dürfte. Als Einstieg in das Album wurde die George Jackson-Nummer "BAD LOVE
AFFAIR" gewählt - ein Stück in einem flotten 2-Akkord-Southern/Soul-Groove, das ein
wenig an Little Miltons "Strugglin' Lady" erinnert. Die Nummer ist eine der drei
wenigen Fremdkompositionen des Albums - die restlichen 10 Tracks stammen sonst alle aus
Marvins eigener Feder. Bittersüssen, balladesken Blues mit geschmackvollen Tenorsax- und
Klavier-Passagen hören wir im zweiten Track, dem Titelstück "PLAYA HATERS".
Wie überall im zwischenmenschlichen Bereich soll es auch unter Entertainers Missgunst,
Animosität und Eifersucht geben. Dies wird textlich in diesem Song deutlich zur Sprache
gebracht und im "Schlusswort" "F.A. YA'LL" am Ende der CD nochmals
aufgegriffen und präzisiert. Nach "EVERYTHING YOU EAT AIN'T GOOD", das
thematisch an Marvins "Party-Blues"-Hit "Candy Licker" anknüpft,
folgt "I WANNA DO YA", eine leicht rhythmische Southern Soul-Ballade mit
wunderbaren Bläser-Arrangements und einem feinen Soul-Klavier (ist es Clayton Ivey?). Der
Titel "PUMP MY JUICE" lässt es erahnen: Hier wird pfefferscharfen sexy
Party-Rhythm&Blues im "Candy Licker"-Genre serviert. In "TOO GOOD TO BE
WITH YOU" verabschiedet sich unser Sänger verbal von einer unglücklichen
Liebesbeziehung. "PACK IT UP" ist funky Southern R&B, wie wir es von Marvins
früheren CD's schon kennen. In "CHEATIN' JOHN" zieht der Sänger
preachermässig sämtliche Gospel-Register und startet das Stück in einer Art
"Sermonette", die dann in eine Uptempo-Blues-Nummer einmündet. "MRS.
RIGHT" und "I WANNA ROCK YOU" sind zwei weitere bluesig-balladeske langsame
Southern Soul-Songs. "SIT DOWN ON IT" trägt wie "BAD LOVE AFFAIR" und
"I WANNA DO YA" die Handschrift vom alten Malaco-Produzenenteam Wolf
Stephenson/Tommy Couch Sr. und bietet wiederum erstklassigen Old-School-Southern Soul, der
ganz gross an die vergangenen Zeiten von Z.Z. Hill und Johnnie Taylor erinnert.
Fazit: Marvin Seases "PLAYA HATERS" ist klassischer Southern Soul-Blues in
Top-Qualität und aus unserer Sicht ein absolut verdientes Fünf-Sterne-Album, oder wie es
das französische Blues-Magazin "Soul Bag" bei Spitzenproduktionen jeweils
auszudrücken pflegt: LE PIED! |

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SHIRLEY BROWN: "WOMAN ENOUGH"
MALACO RECORDS MCD 7517 (erschienen 2004)
Es ist jetzt ziemlich genau 30 Jahre her, seit die aus
West Memphis/Arkansas stammende Klasse-Vokalistin Shirley Brown mit ihrem Song "Woman
To Woman" an die Spitze der schwarzen R&B-Charts gelangen konnte. Obwohl der
Sängerin seither keine so spektakuläre Hits mehr gelungen sind, konnte sie sich
nichtsdestotrotz in all den Jahren bis heute auf ihrer Position als eine der besten und
bedeutendsten Vertreterinnen der Southern Soul/Blues-Musik halten. Wie die meisten ihrer
bisherigen Alben auf dem Malaco-Label, bietet auch ihr neustes Werk "WOMAN
ENOUGH" einen breiten Mix aus traditionellem Old-School-Soul/Blues und moderneren
R&B-Sounds. Die letzteren gehen hier auf das Konto des Produzenten Richard Cason und
umfassen die Titel "THINK AGAIN", Titelstück "WOMAN ENOUGH! und "I'M
SO FED UP". Die letzterwähnte Nummer klingt vielleicht etwas gar stark
"trendig" und an heutige, schmalzige Mode-Sounds angepasst. Liebhaber der eher
nach "Old-School" orientierten Soulmusik werden es demnach zu schätzen wissen,
dass die eigentlichen Erfolge des Albums, d.h. die oft am schwarzen Radio gespielten
Nummern doch zwei eher "traditionell" klingende Songs sind. Es sind die
Soul/Blues-Stücke "POON TANG MAN" (die von Shirley und Lester Snell in Memphis
produzierte Einstiegs-Nummer) und "(I'VE GOT TO) SLEEP WITH ONE EYE OPEN". Das
letztgenannte Stück wurde von Frederick Knight geschrieben und produziert und ist ein
eigentlicher 12-bar Moll-Blues mit einem schönen Gitarrensolo. Ebenfalls aus der
"Werkstatt" von Frederick Knight stammt die Nummer "TOO MUCH CANDY",
eine hübsche Ballade und ein echter Ohrwurm, der unserer Meinung nach auch etliches
Hit-Potential hätte! Knackiger und bluesiger Southern Soul-Funk aus den Muscle
Shoals-Studios hören wir schliesslich auf der Nummer "(I'D HAVE TO BE) STUCK ON
STUPID". Einmal mehr ein schönes, abwechslungsreiches Album, das die
Super-Sängerin, die ihre Karriere einst in St. Louis in den Bluesbands von Albert King
und Oliver Sain startete, uns hier hinterlässt.
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BIG IKE:
"TEDDY BEAR"
MARDI GRAS RECORDS MG 1079 (erschienen 2003)
Wer seinen Southern Soul/Blues rauh, ungehobelt, verraucht und tief
bluesig mag, findet mit diesem CD-Album von Isaac "Big Ike" Martin aus Lake
Charles, Louisiana vielleicht genau das, wonach er schon lange gesucht hat. Um hier nicht
missverstanden zu werden: Big Ike's "TEDDY BEAR" CD ist weit davon entfernt, ein
angepasstes Akustik- oder "Unplugged"-Werk für weisse Bluespuristen zu sein,
denn auch hier sind "programmierte" Drums und diverse Keyboard-Sounds, d.h. die
typischen Ingredienzen schwarzer Soul/Blues-Produktionen zu hören. Was dieses Album
jedoch von anderen Projekten dieser Art unterscheidet und abhebt, ist Big Ikes
urtümliche, gewaltige Blues-Stimme mit ihrer grossen Ausstrahlungskraft. Produziert wurde
das Album von Zydeco-Musiker Sean Ardoin, der auch die meisten Songs beigesteuert hat.
Seans jüngerer Bruder Chris Ardoin (der bekannte Zydeco-Star) ist hier ebenfalls
involviert und auf den Aufnahmen am Bass zu hören. Schon der Name dieser beiden Musiker
bürgt dafür, dass hier "bodenständige Kost", eben Downhome-Blues von guter
Qualität geboten wird. Das Album startet mit dem Titelstück "TEDDY BEAR", ein
Love-Song, in dem unser Sänger seine Vorzüge als guten Lover anpreist. In "JOOK
JOINT" geht es um die rauhen schwarzen Bars und Musikclubs dieses Namens im Süden
der USA. Der Song demonstriert genau den Sound, der dort populär ist. Darauf folgt die
bekannte Blues-Ballade "END OF THE RAINBOW" des 1984 verstorbenen
Soul/Blues-Sängers McKinley Mitchell, eine der zwei Fremdkompositionen. "JODY TOOK
MY BABY" gibt es hier in zwei Versionen: Einmal geht es um "Jody" selbst,
um die bekannte Figur des fremden Verführers der eigenen Frau, die in vielen
Soul/Blues-Songs auftaucht. In der zweiten Version ("SANTA TOOK MY BABY")
erscheint "Jody" dann als "Santa Claus". "LOST WITHOUT YOU",
"DON'T HURT (NO PAIN)" und "CUZ SHE LOVES ME" sind langsame "Deep
Soul"-Songs ganz nach "alter Schule" in bester Güteklasse. Sehr schön ist
auch das bluesige Liebesgeständnis im Titel "ENUFF". Das Stück "2
MUCH" startet mit einem Telefonanruf eines "Bill Collectors" - Omar
Cunningham und seine Klage im Song "Check To Check" lässt hier eindringlich
grüssen... "STRANGER" - eine immens bluesige und emotionelle Deep-Soul-Ballade
ist ein weiteres Hi-Light dieses Albums. Leider blieb Big Ike Martin zeitlebens das Glück
vergönnt, mit seiner Musik internationalen Erfolg geniessen zu können. Er blieb immer
sowas wie ein "Geheimtipp" und stand als gelegentlicher
"Eröffnungsact" für Leute wie Bobby "Blue" Bland, Aretha Franklin,
Gladys Knight, Denise LaSalle oder Betty Wright meist im Schatten der grösseren Stars.
Dass Big Ike auch der Zugang zur von vielen Vorurteilen befangenen "weissen"
Blues-Szene und deren Labels wie etwa "Alligator" verwehrt blieb, hat wohl
wieder einmal mehr damit zu tun, dass er eben "nur" Sänger und kein
"Gitarrenheld" war wie etwa Buddy Guy. Big Ike verstarb letztes Jahr am 31.
August, 54 jährig in New Orleans, kurz vor der Veröffentlichung dieses CD-Albums. Wir
werden ihn sicher nicht vergessen!
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MONIQUE FORD: "GET A MAID"
MARDI GRAS RECORDS MG 1087 (erschienen 2004)
Um die Kritik hier gleich an den Anfang zu stellen:
Diverse Songs auf dem vorliegenden Debut-Album der neuen Southern-Soul-Lady aus dem Umfeld
von Senator "Uncle Bobo" Jones klingen ziemlich kitschig und banal (z.B. "I
CAME TO PARTY"), und das Stimmvolumen der zweifellos sehr talentierten Sängerin
scheint irgendwie noch nicht so ganz ausgereift zu sein. Trotzdem lassen Titel wie
"ALL OF MY LOVE", "THINK ABOUT CHEATING", die schöne
Deep-Soul-Ballade "LONELY NIGHT", Titelstück "GET A MAID" und
"NEVER A DAY GO BY" aufhorchen. Bei all diesen Liedern fühlt man sich fast ein
wenig mit Wehmut in die Zeiten der Sixties zurückversetzt, als Soulmusik noch
"jung" war. Ist es nicht schön, dass sich heutzutage Nachwuchstalente wie
Monique Ford, Sir Charles Jones oder Tonya Youngblood wieder vermehrt den traditionellen,
seelenvollen Sounds zuwenden, nach all den vielen Jahren von betonter
"Coolness", hartem Rap und HipHop?
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PEGGY SCOTT-ADAMS: "GOD CAN...AND HE
WILL"
MARDI GRAS RECORDS MB 4025 (erschienen 2004)
Heutzutage gehört es für manch gewieften weltlichen
Soul-Sänger fast zum guten Ton, seiner neusten CD-Produktion sozusagen als Gütesiegel
oder als "Fähigkeits-Ausweis" auch noch den einen oder anderen Gospelsong
anzuhängen. Wieder andere lassen sich dabei gleich auf das Experiment einer ganzen
Albumlänge mit Gospel ein - mit unterschiedlichem Erfolg, bei dem es, wie das Beispiel
Smokey Robinson kürzlich gezeigt hat, auch mal etwas daneben gehen kann. Nun hat auch
Southern-Soul-Queen Peggy Scott-Adams ein vollständiges Gospelalbum abgeliefert, und: Die
Platte begeistert wirklich von A bis Z! Adams ist ganz einfach eine Frau mit einer
Wahnsinns-Stimme, die sich vor den grossen Meisterinnen des Gospels keineswegs zu
verstecken braucht. Gleich schon bei der Einstiegs- und Titelnummer "God Can And He
Will" spürt man das absolute Engagement und die echte Religiosität der Sängerin
und dass es ihr ernst ist dabei und nicht nur Pflichtübung oder eine verkaufsfördernde
Idee ihres Produzenten. 4 der 13 Songs gehen auf das Konto von Canton Spirituals-Mitglied
Vick Allen (siehe die Kritik seiner eigenen Blues-CD weiter unten), der die 4 Tracks in
Jackson/Ms produziert und aufgenommen hat. Für den Rest des Albums war Peggy noch einmal
mit ihrem langjährigen Produzenten und Förderer Jimmy Lewis im Studio an der Arbeit,
kurz bevor Lewis von seiner schweren Erkrankung eingeholt wurde und verstarb. Das CD-Album
ist demnach auch ein letztes Vermächnis des sehr geschätzten
Sänger/Songschreiber/Produzenten Jimmy Lewis. Die CD enthält folgende Titel: GOD CAN AND
HE WILL --- THIS MAY BE THE LAST TIME --- DID YOU KNOW? --- BAD WATER (eine
Gospel-Coverversion einer alten Raelettes-Nummer) --- THANK YOU LORD --- LORD STAND BY ME
--- STILL WANNA BE BLACK AGAIN (sehr schön! Lewis hat dieses Bekenntnis zum Schwarzsein
auch auf zwei seiner eigenen Alben verewigt) --- I WANT TO TALK ABOUT JESUS TONIGHT --- BE
LIKE JESUS --- BRAND NEW ME --- HIS EYE IS ON THE SPARROW --- I'M WILLING TO BE YOUR
FRIEND --- HIS EYE IS ON THE SPARROW (Acapella Version).
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THE LOVE DOCTOR featuring C&W ALL-STARS: "THERE'S
NO ONE LIKE MAMA"
HEP' ME RECORDS HP 1118 (erschienen 2004)
Dem allgemeinen Trend folgend, hat auch Soulblues-Star
Lewis Clark alias "The Love Doctor" sein Glaubensbekenntnis zum Christentum auf
ein CD-Album gebannt. Die beiden Titel "THERE'S NO ONE LIKE MAMA" und
"TIGHTEN UP" waren in den vergangenen Monaten so etwas wie kleinere Hits am
US-Südstaatenradio. Clark sang in der Vergangenheit professionell mit Quartettgruppen wie
den "True Believers of Jackson/Ms", den "Salem Travelers" und ab und
zu auch mit den "Canton Spirituals", sodass dieses Album für den
Blues-Vokalisten Clark eine Rückkehr zu den "Roots", zu seinen Gospelwurzeln
darstellt. Leider fehlen auf dem CD-Beiblatt die Session-Details; so ist für uns die
Leadstimme vom "Love Doctor" auch nach mehrmaligem, genaueren Anhören nur auf
den ersten drei Tracks eindeutig auszumachen, was jedoch durch den zweiten, ebenso
kompetent singenden Leadsänger der "C&W-Allstars" durchaus wettgemacht
wird. Angenehm ins Gewicht fällt auf diesem von Senator Jones produzierten Album der
völlige Verzicht auf jegliche überflüssige "Modernismen" und auf jeglichen
unnötigen Produktionsschnickschnack. Die CD bietet ganz einfach nur soliden, aufs
Wesentliche reduzierten, traditionellen Downhome-Quartettgospel und erinnert irgendwie
etwas an die Quartett-Aufnahmen, welche anfangs der 60er Jahre von Labels wie Peacock oder
Nashboro veröffentlicht wurden. Wer seinen Gospel simpel und einfach, aber ehrlich mag,
wird an dieser CD sicher seine Freude haben. Wenn es hier etwas zu bemängeln gäbe, dann
vielleicht den Umstand, dass den "C&W-Allstars" eine gewisse Identität
abgeht, die die Gruppe von zahlreichen anderen ebenfalls guten Quartetten gross abheben
würde.
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PATRICK HENRY: "MR. EXCITEMENT 2004"
LOCKDOUWNE RECORDS LR 5684 (erschienen 2004)
Eine der populärsten Live-Bands im Cajun-Country von
Louisiana in Sachen Southern Soul/Blues ist seit längerem Patrick Henry und seine
"Liberation Band". In den vergangenen Neunzigern war Henry mit seiner Band bei
der bekannten Cajun- und Zydeco-Plattenmarke "LANOR-RECORDS" unter Vertrag und
spielte für dieses Label die drei sehr gelungenen CD-Alben "DEEP RHYTHM &
SOUL" (Lanor LN-1046); "COME AND GET IT" (Lanor LN-1053) und "THE
TRAIN" (Lanor LN-1062) ein. Seit dem Ableben des "Lanor"-Gründers und
-Besitzers Lee Lavergne (1998) wechselte Henry für seine nächsten drei Album-Projekte
("LOVE GAMES", "PLAYED CHEATED LIED" und jetzt "MR. EXCITEMENT
2004") jedesmal das Plattenlabel. Leider sind auf seiner neusten CD nur 6 der
insgesamt 9 Tracks wirklich neu, "DONE IT AGAIN", "HOLDING ON" und
"LOVE ME EASY" findet man auch auf seinem letzten Album ("PLAYED CHEATED
LIED") von 2001. Die letzt genannten drei Titel gehören aber glücklicherweise,
zusammen mit der Nummer "IF IT WASN'T FOR THE MAN", zu den besseren Stücken der
CD und klingen ganz nach "Live-Aufnahme" mit echter Band-Begleitung, während
auf den restlichen Nummern eher "synthetische" Studio-Produktionen den Ton
angeben. Die CD ist nicht schlecht, es lohnt sich aber, an ihrer Stelle das bessere Album
"Played Cheated Lied" oder eine seiner drei früheren Lanors zu suchen.
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OMAR
CUNNINGHAM: "OMAR CUNNINGHAM"
ENDZONE RECORDS EZR 2064 (erschienen 2004)
Mit der CD "Omar Cunningham" meldet sich der junge,
talentierte Southern Soul/Blues-Mann aus Gadsden/Alabama zurück mit einem neuen und
ebenso starken und brillianten Album, wie es sein 2003-er Debut "Hell At The
House" war. Der Sänger hat in der Zwischenzeit sein Plattenlabel gewechselt, von
"On Top" zu "EndZone-Records", bei dem nebst ihm jetzt auch Tyrone
Davis und Willie Clayton zu Hause sind. Inhaltlich bewegt sich Cunninghams Neue ähnlich
wie "Hell At The House", d.h. zwischen bluesigem Old-School-Southern Soul und
moderneren, funkigeren "R'n'B"-Sounds. Beim Titel "I Get By" kann man
den Sänger sogar die Trompete blasen hören - als Trompeter soll Cunningham einst bei der
Funk-Gruppe "Cameo" beschäftigt gewesen sein. Omars grosse Stärke liegt aber
eindeutig beim (Soul-)Singen, und das beweist er besonders eindrücklich bei den
seelenvollen (Love-)Ballads wie beispielsweise dem Stück "She's Making Eyes".
Hier lockt im Songtext ganz gross die Versuchung, dem besten Freund die schöne Frau
auszuspannen! Thematisch Verwandtes hören wir auch im Titel "Over And Over". Im
Titel "Shysters And Wannabes" wird unser Polizisten-Soulmann gesanglich von
Label-Kollege Willie Clayton unterstützt; ein echtes Feuerwerk in Sachen Soul-Gesang!
Für die stimmungsvolle Blues-Ballade "Sorry Man" hat unser Sänger einen
einfühlsamen Begleiter an der Blues-Harp gefunden - es ist Gadsden-Blueslegende Jerry
"Boogie" McCain, welcher seine früheren Schallplatten einst im Roadhouse von
Omars Grossmutter aufgenommen haben soll. So überrascht es nicht, dass Cunningham seiner
kürzlich verstorbenen Oma hier im Titel "Momma" einen Song widmet -
"gospelgerecht" aufbereitet mit nettem Kinder-Gospelchor. Mit der funkigen
Gospelnummer "Thank You Jesus" beendet Omar Cunningham sein zweites CD-Werk.
Alles in allem ein sehr gelungenes und gefreutes Soul/Blues/Gospel-Album!
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OMAR CUNNINGHAM: "HELL AT THE HOUSE"
ON TOP RECORDS (erschienen 2003)
Ein vielbeachtetes Debut vom Soul/Blues-Jahr 2003 war sicher der
CD-Erstling "HELL AT THE HOUSE" des "singenden Polizisten" Omar
Cunningham aus Gadsden/Alabama. Der Sänger brilliert gleich schon zu Beginn der CD auf
den ersten vier Tracks mit klassischem "Old School"-Southern-Soul in bester
Güteklasse. Cunningham zeigt sich dabei als Songschreiber mit einem guten Gespür für
"heikle" Themen, welche vorallem die weniger begüterte Bevölkerungsschicht
betreffen. So wird im Song "CHECK TO CHECK" anschaulich geschildert, wie es sich
anfühlt, wenn man pleite und verschuldet ist und man auf Schritt und Tritt von "bill
collectors" bedrängt und einem zugleich vom Telefonamt auch gleich noch die Leitung
gekappt wird etc etc. Es erstaunt nicht, dass gerade dieses Stück als "Hit"
eingeschlagen hat und weniger die eigentlich dafür vorgesehene CD-Titelnummer "HELL
AT THE HOUSE". Es gibt unter diesen vier eher traditionellen Tracks aber auch einen
wunderschönen Love-Song zu geniessen, nämlich das Stück "BABY DON'T LEAVE
ME", eine ultralangsame Deep-Southern/Soul Ballade, die ein wenig an die feine
Balladen-Kunst von Sir Charles Jones erinnert. "WASTING MY TIME" ist ein
stimmungsvoller Slow Blues mit einer schönen, einfachen Klavier-Begleitung. Die
Akkordfolgen lassen ein klein wenig den Ursprung dieser Nummer im R&B-Klassiker
"DROWN IN MY OWN TEARS" erahnen. Das darauffolgende "231" ist ein
mittelschneller Funky-Blues, der auch Bobby Rush gut anstehen würde. Das Stück schafft
geschickt den stilistischen Uebergang vom eher bodenständigen Soul/Blues zum modernen
R'n'B mit leicht jazzigem Einfluss in der Nummer "OLDER LOVE"; für mich
persönlich ein nicht so gelungener Titel. "USED AND ABUSED" lässt den Blues
und Funk wieder kräftig aufleben. Hören wir da nicht etwa die Stimme von Sir Charles
Jones ganz bescheiden im Background-Chor mitsingen? Er könnte es wohl sein, denn im Song
"HALF" tritt er ganz offiziell als Cunninghams Duett-Partner in Aktion! Den
"Down Home Mix" von "HELL AT THE HOUSE", praktisch identisch mit der
"Hit"-Version, hätte das Plattenlabel wohl besser beiseite gelassen - es ist
eine reine Spielzeit-Verschwendung! Für die Schlussnummer "WHAT MAKES A MAN"
kehrt unser Polizisten-Soulmann aber wieder zum soliden Southern-Soul/Blues-Handwerk
zurück. In dieser langsamen Ballade brillieren Cunningham und seine Gesangspartnerin
Jennifer Robyn mit sehr seelenvollen Vocals.
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T. K. SOUL: "THE BAD BOY OF SOUTHERN SOUL"
SOULFUL/ RAW 7895 (erschienen 2003)
Begegnet sind wir dem Soul/Blues-Mann T.K. Soul
(richtiger Name: Terry Kimble) erstmals vor ein paar Jahren auf einigen CD-Projekten von
Willie Clayton, auf denen Kimble als Songschreiber ziemlich überzeugend in Erscheinung
getreten war. 2002 war es dann soweit, dass der Komponist und Texter auch als Sänger in
eigener Regie mit einem CD-Debut ("ONE WOMAN MAN") an die Oeffentlichkeit treten
konnte. Angenehm überrascht hat uns der Sänger schon damals durch seinen
ausdrucksstarken und sehr persönlichen und eigenständigen Vokal-Stil. Mit diesem
Potential schien die Zukunft für eine erfolgreiche Karriere im Blues- und Soul-Bereich
schon fast vorprogrammiert. Nun legt Kimble mit "The Bad Boy of Southern Soul"
sein mit Spannung erwartetes Nachfolgealbum vor. Schade finden wir aber, dass für seinen
CD-Zweitling produktionsmässig so wenig investiert wurde. Diverse Songs tönen auffallend
nach "Schnellbleiche", und auf der Nummer "PARTY TIL YOU CAN'T NO
MORE" klingt die synthetische Keyboard-Begleitung derart steif und holprig, dass es
fast peinlich wirkt. Trotzdem gibt es durchaus aber auch schöne und hörenswerte Momente
hier, und diese betreffen vorallem die gemächlicheren Blues- und Southern-Soul-Titel. Die
süssliche Ballade "LOVER FOR LIFE" aus der "Vocoder-Sound"-Trickkiste
lassen wir hier mal ausgespart (schade, schade für Kimbles gute Soulstimme!!), aber bei
den Nummern "SPRUNG", "RAIN" und vorallem der superschönen
Blues-Ballade "MY KIND OF GIRL" mit ihrem hypnotischen Background-Riff stimmen
dann die Ingredienzen zur besten Zufriedenheit. Wer eine CD mit einem stilistisch sehr
persönlichen und hervorragenden Sänger sucht und nebst einigen sehr gelungenen Songs
auch ein paar Mittelmässigkeiten in Sachen Produktion in Kauf zu nehmen gewillt ist, dem
sei T.K. Soul's "The Bad Boy of Southern Soul" durchaus empfohlen.
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VICK ALLEN: "OLD SCHOOL... NEW FLAVA"
WALDOXY RECORDS WCD 2836 (erschienen 2003)
Gospel-Künstler, Soul/Blues-Sänger, Sessionmusiker, Produzent -
dies sind etwa die wichtigsten Betätigungen, in denen sich Vick (oder Vic) Allen aus
Jackson/MS seit einigen Jahren im Musik-Business hervorgetan und sich einen Namen
geschaffen hat. Gospelfans kennen den Mann sicher als den "Vic" Allen der
berühmten Quartett-Gruppe "The Canton Spirituals". Für die Southern Soul/Blues
Fangemeinde nennt sich derselbe Musiker aber "Vick" Allen. Er stellt sich hier
mit seinem zweiten säkularen Solo-Album "Old School... New Flava" als bluesiger
Soul-Mann etwa im Stile eines Willie Clayton vor. Wie der Titel schon erahnen lässt,
erwartet uns hier ein Album mit "zwei Gesichtern": Einerseits lässt der Sänger
die kantigen alten Southern-Soul-Traditionen im Stil von Z.Z. Hill oder Johnnie Taylor etc
hochleben, etwa im Song "I BETTER WALK AWAY" (mit einem zündenden
Tenorsax-Solo) oder auf "SO SWEET SO FINE", wie auch auf der Einstiegs-Nummer
"HOLD ON". Hier (auf "HOLD ON") kommt wieder einmal, ähnlich wie bei
Omar Cunninghams "Check to Check", das leidige Thema "tough times" und
"bad economy" zur Sprache. Allen appelliert in diesem Song aber, ganz im Geist
seiner Gospel-Herkunft, an das "positive Denken": "You don't need to be
stressed and depressed. Hold on, it's gonna get better, your troubles won't last
forever" etc etc. Unterstützt wird dieses Blues-Stück einfühlsam von Bobby Rush an
der Mundharmonika. Auf der anderen Seite serviert uns Vick auf dieser CD aber auch eine
ganze Reihe von modern arrangierten, eher sanften und einschmeichelnden
"R'n'B"-Balladen wie etwa "I'M GOING HOME", "CLEAN HOUSE"
oder "MARRY ME". Vicks flexible und gospelgeschulte Stimme machen aber auch
diese Nummern zum Hörgenuss. Ein Hi-Light des Albums ist sicher der alte
Deep-Soul-Klassiker "GIVING UP" (seinerzeit wunderschön von Donnie Hathaway
1971 auf seinem zweiten Atco-Album verewigt). Das Album schliesst ab mit einer gelungenen
Interpretation von Bobby Womacks "A WORLD WHERE NO ONE CRIES" im Duett mit
Evangelist Sonya Allen gesungen und einem Neumix von "LET'S DANCE", dem
Titelstück seiner ersten Rhythm&Blues-CD.
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O. B. BRYANT: "BLUES PARTY"
GOOD TIME RECORDS GOT 7604 (erschienen 2002)
Mit "BLUES PARTY" präsentiert uns Bluesmann O.B. Bryant
aus Atlanta/GA hier sein zweites CD-Album. Nach seinem eher auf "Low
Budget"-Basis produzierten Erstling "WHERE DID YOU GET THAT THANG"
überrascht uns der Sänger hier erstens mit einer etwas gereifteren Stimme und zweitens
mit einem deutlich aufwändiger realisierten Projekt mit vollem, sattem Sound; unter
anderem auch mit einer "echten" Hornsektion auf diversen Tracks, etwa ähnlich,
wie wir es von den Produktionen des bekannten Malaco Labels her kennen. Hinter diesem
Projekt und dem Blues-Label "Good Time" stehen dieselben zwei Leute, die
alljährlich auch das vielbeachtete "North Alabama Downhome Bluesfestival" in
Huntville/AL organisieren, nämlich Manager Lee Parker und der gebürtige Engländer
Michael Haralambos, dessen Buch "RIGHT ON: FROM BLUES TO SOUL IN BLACK AMERICA"
heute zur klassischen Blackmusic-Literatur gehört. Als Produzenten und Arrangeure dieser
CD aufgeführt sind Vick Allen (ja, jener der oben besprochenen CD) auf sieben Nummern und
Southern-Soul Altmeister Frederick Knight für die restlichen drei Tracks. Bedient werden
wir hier eher mit der bluesigen und funkigen Seite des Soul/Blues-Spektrums: Gleich zu
Beginn im Song "BLUES PARTY IN THE PARK" lässt Mr. Bryant eine ganze Armee
bekannter Soul/Blues-Stars aufmarschieren, d. h. natürlich nur in Worten mit deren Namen
und ihren Hits, wie etwa: Clarence Carter, Mel Waiters, Marvin Sease, The Staple Singers,
Betty Wright, Willie Clayton, Gladys Knight, Aretha Franklin, B.B. King, Bobby Bland,
Denise LaSalle etc. etc. Das Stück könnte fast ein Werbesong sein für das oben
erwähnte "North Alabama Downhome Bluesfestival". Auf "LIFE AIN'T
EASY" lässt O.B. nochmals den Geist des vor einigen Jahren viel zu jung verstorbenen
Soul/Bluessängers Ronnie Lovejoy in einem seiner Songs aufleben. "WHERE DO I GO FROM
HERE" ist eine langsame, stimmungsvolle, vom Produzenten Frederick Knight
geschriebene Moll-Blues Ballade im Bobby "Blue" Bland Genre (das Stück wurde
letztes Jahr denn auch promt von Bobby Bland für sein "Blues At Midnight"-Album
gecovert). Weitere Moll-Töne mit leicht funkigem Einschlag aus der Feder von Fredrick
Knight hören wir in "A MAN GOTTA DO". Solider, klassischer 12bar-Blues
"von altem Schrot und Korn" mit fetten Bläsern wird uns danach im Titel
"IT AIN'T RAININ' ON NOBODY'S HOUSE BUT MINE" geboten. Besonders erwähnenswert
in diesem Stück ist ein schönes Gitarrensolo von Don Evans, genauso gespielt, wie wir es
im Soul/Blues so sehr schätzen und wie die Gitarre in diesem Musikgenre auch gespielt
werden sollte: Seelenvoll, klar und einfach phrasiert, und melodiös und ohne jede
aufdringliche "Rockismen" ausgeführt. Little Milton lässt hier fast ein wenig
grüssen! "PUT YOUR MONEY WHERE YOUR MOUTH IS" ist ein Remake einer mit
Augenzwinkern erzählten Geschichte einer Nummer aus Bryants erstem Album, wiederum mit
sehr schöner Soul/Blues-Gitarre von Don Evans. "MIDNIGHT TO DAYLIGHT" führt
uns zurück zum Deep Southern-Soul Balladenstil. Die Nummer ist sehr seelenvoll gesungen
und schön arrangiert - ein weiteres Hi-Light der CD. Mit "GOOD LOVIN' MAMA" als
Schlussnummer greift der Sänger nochmals zum Repertoir des verstorbenen Ronnie Lovejoy.
Hut ab vor den Leuten, die sich noch die Mühe geben, derart schöne Musik zu
produzieren!! Wir freuen uns schon auf O.B. Bryant's nächste Blues Party!
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CHUCK STRONG: "3-N-A-BED"
WALDOXY RECORDS WCD 2833 (erschienen 2002)
Chuck Strong ist ein ausgezeichneter
Soul/Blues-Sänger aus Selma, Alabama, der den Blues auf seiner letzten CD genau so singt,
wie wir ihn am besten mögen; d.h. sehr emotionell und mit einer fast religiösen
Intensität vorgetragen, wie man es sonst nur von der Ausdrucksweise schwarzer Prediger
her kennt. Im Titelsong "3-N-A-BED" ist es die Eifersucht auf den Ex-Lover der
Geliebten, welche die Emotionen hochsteigen lässt. In "I WAS CHECKING OUT SHE'S
CHECKING IN" greift Chuck das alte Thema des gleichnamigen Don Covey-Soul-Klassikers
auf, in welchem die Frau des Mannes in der erzählten Geschichte ihrem Partner die
Seitensprünge mit gleicher Münze heimzahlt und ihm damit eine Lektion erteilt.
"Verbotene Liebe" und das damit verbundene schlechte Gewissen kommt auch im Song
"I CAN'T WAIT TO SEE YOU AGAIN" zum Ausdruck. Sanfter wird die Stimmung im sehr
schönen Liebes-Lied "YOU'RE ALL THE WOMAN I NEED", ein "Hit", der im
letzten Jahr bei vielen Soul/Blues-Radiostationen im US-Süden die Runde gemacht hatte.
Südstaatenflair verbreitet natürlich auch das Stück "SOUTHERN GIRL". Die
Textpassage "what I need is a downhome southern girl with a butt so big her dress
don't fit" sagt es deutlich: Gefragt bei den schwarzen Soul/Bluesern in Sachen
Frauenideale ist wohl weniger die "schlanke Linie", sondern eher das Rundliche
und Mollige; was nicht erstaunt, da hier auch noch die kulinarischen Wünsche der
Soulfood-Küche eine Rolle zu spielen scheinen und detailliert aufgezählt und geäussert
werden... In "YOU MADE A CHANGE IN ME" und "WHY ARE YOU LEAVING ME"
wird deutlich, dass Chuck Strong ein grosser Bewunderer des Soul/Blues-Veteranen Tyrone
Davis ist. Alles in Allem ist "3-N-A-Bed" ein echtes und sehr empfehlenswertes,
modernes Southern Soul/Blues-Album; einziger Schwachpunkt ist höchsterns die
Schluss-Nummer (eine Cover-Version des William Bell-Klassikers "I FORGOT TO BE YOUR
LOVER"), die zwar von Chuck Strong kompetent gesungen ist, dessen überlaute und
schlecht gemixte Synthesizer-Begleitung hier aber ziemlich störend und nervend wirkt.
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THE WILLIAMS SISTERS: "HITTIN' IT & KICKIN' IT -
LIVE AND DIRECT FROM EUROPE"
MESSIAH RECORDS (erschienen 2003)
Die WILLIAMS SISTERS setzen sich aus fünf
gospel-singenden Schwestern zusammen. Vanessa, Juliet, Renee, Patricia und Janice heissen
sie beim Namen. Sechste im Bunde ist ihre managende Mutter Terry Williams. Sie kommen aus
Philadelphia und gehören heute zu den Top-Gruppen unter den traditionellen weiblichen
Quartett-Formationen, was jeder, der ihr sehr dynamisches Live-Album von 1996
"LIVE ON THE EAST COAST - LET EVERY EAR HEAR" gehört hat, sicher bestätigen
kann. Leider hatte die Gruppe ziemliches Pech mit ihrer damaligen Plattenfirma. "LET
EVERY EAR HEAR" schaffte es zwar in die oberen Ränge der
"Billboard"-Gospel-Charts. Das verantwortliche Platten-Label "First-Lite
Records" verpasste es jedoch danach, mit der erfolgreichen und talentierten Gruppe
zur rechten Zeit ein entsprechendes Nachfolgealbum zu produzieren. So vergingen
unterdessen volle sieben Jahre, bis die Williams-Schwestern ihren Fans auf einem neuen
Platten-Label ein neues CD-Album präsentieren konnten. Die vorliegenden Aufnahmen von
"HITTIN' IT & KICKIN' IT" entstanden während einer kurzen
fünf-Konzert-Tournee durch die Schweiz, die die Gruppe im Dezember 2001 absolvierte. Zu
hören sind hier Ausschnitte der beiden Konzertabende, die damals im "KKL" in
Luzern stattfanden. Selbstverständlich sind hier wiederum die Hits aus ihrer 1996er-CD zu
hören: "He Never Lost The Fight", "Jesus Will Pick You Up", die
beiden gefühlvollen Balladen "Step By Step" und "Take Me Higher"
sowie das dynamische "My Father's House", auf welchem Leadsängerin und
Drummerin Juliet auch noch ein kurzes Schlagzeug-Solo zum Besten gibt. Zwei etwas
leichtgewichtige, neue Nummern ("I'm Ready" und "Somebody's Watching
You") hätte, meinem Geschmack nach beurteilt, der Produzent Tony Beck gerne auch
beiseite lassen können. Sie stören eher den kraftvollen Eindruck, den die Gruppe sonst
hinterlässt. Angesichts der Tatsache, dass wir so lange auf ein Comeback der Williams
Sisters warten mussten, ist dies jedoch ein kleiner, verschmerzbarer "Fehler"
einer sonst sehr willkommenen und empfehlenswerten Gospel-CD-Neuerscheinung.
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LEE WILLIAMS and the SPIRITUAL
QC'S: "GOOD TIME - LIVE IN MEMPHIS"
MCG RECORDS MCG-7018 (erschienen 2000)
Hier meldet sich der
momentane "King of Quartet-Gospel" des Bundesstaates Mississippi zu Wort! Lee
Williams und seine Spiritual QC's waren jahrzehntelang eigentlich nur den lokalen
schwarzen Kirchengängern der Gegend von Williams' Heimatstadt Tupelo ein Begriff, bis die
Gruppe des ehemaligen Lastwagen-Chauffeurs vor einigen Jahren mit "LOVE WILL GO ALL
THE WAY" und dem vorliegenden Nachfolgealbum "GOOD TIME - LIVE IN MEMPHIS"
zwei grosse Gospel-Hits landen konnten. Der Stil der Gruppe zeichnet sich durch einen
einmalig bluesig-souligen Sound aus, der die Musik auch für Fans, welche sonst nur
weltlichen Soul/Blues mögen, attraktiv macht. Musikalisch bietet diese CD von A bis Z
wunderschönen, religiösen "Southern-Soul", weshalb Lee Williams mit seinem
Album "Good Time - Live in Memphis" allen Liebhabern seelenvoller Black-Music
wärmstens zu empfehlen ist.
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TONYA YOUNGBLOOD: "DIRTY LOVER"
MARDI GRAS RECORDS MG-1066 (erschienen 2002)
Wow!! Das ist echt Musik
für unsere verwöhnten Soulblues-Ohren! Eine sehr seelenvolle, gospelgeprägte
Frauen-Stimme weit im Vordergrund, sanft untermalt von einem sehr sparsamen, simplen und
geschmackvoll programmierten Keyboard. Serviert wird uns diese schöne CD-Perle aus dem
Jahr 2002 von TONYA YOUNGBLOOD, einer jungen Newcomerin aus dem kleinen
Tausend-Seelen-Städtchen Prentiss im Süden von Mississippi. Dort ist die nun 25-jährige
"Tonya" nebst ihrer Karriere als Soulblues-Frau auch heute noch als Sängerin
und Keyboarderin eines lokalen Gospelchores tätig. Zwar debutierte der Jung-Star schon
1997 auf dem bekannten Malaco-Label, ohne dort jedoch einen grossen Eindruck zu
hinterlassen. Sie hatte damals das Pech, den Produzenten Richard Cason vorgesetzt zu
bekommen, der vom besagten Label meistens dann ins Studio geholt wird, wenn die dort
tonangebenden Leute glauben, einer Produktion einen Hauch von "Pop" oder
"HipHop" verpassen zu müssen. Gottseidank werden wir hier davon weitgehend
verschont! Für diese Scheibe waren denn auch zwei echte Profis am Werk, erstens der
bekannte New Orleans Rhythm & Blues Sänger/Songschreiber und Plattenproduzent Senator
Jones, der früher schon bei Künstlern wie Johnny Adams und Walter "Wolfman"
Washington für Erfolg gesorgt hatte und zweitens, als "Schützenhilfe"
sozusagen, der ex-Muscle Shoals-Studioband-Altmeister Harrison Calloway. Und wo immer
diese zwei Herren gemeinsam im Studio in Aktion treten, ist garantiert echter
"Southern-Soul" angesagt! Zwar startet dieses Abum ein wenig flau mit einer
Cover-Version von "Monkey Talk" (Soulbluesfrau Stephanie McDee hatte damit vor 4
Jahren sowas wie einen kleinen "Disco-Blues-Hit"). Danach gehts dann aber
so richtig "flott zur Sache" mit einem Ohrwurm nach dem anderen! Die drei Titel
"BIG MAMA", "WHIP THAT THING" und "MIDNIGHT TRAIN" könnten
beinahe aus dem "Songbook" von Denise LaSalle stammen. "TROUBLE MAKER"
und Titelstück "DIRTY LOVER" stammen denn auch aus einem echten
"Songbook" es sind Cover-Versionen zweier Tracks vom 1996er-Debut-Album
"Hit & Run" von David Brinston, einem momentan sehr erfolgreichen
Soulblues-Sänger aus dem Mississippi-Delta. Höhepunkt von Tonyas "DIRTY
LOVER"-CD sind aber die vier schönen Deep-Soul-Balladen "THANK YOU BABY",
"WHY DO I CONTINUE TO LOVE YOU", "THE LETTER" und "TRIALS AND
TRIBULATIONS", die der Produzent Senator Jones der jungen Soul-Sister exakt
massgeschneidert auf den Leib geschrieben hat. Diese vier "Superslowies"
strahlen eine fast "ätherische" Stimmung aus, nicht zuletzt wegen der
unaufdringlichen und "auf den Punkt" reduzierten Keyboard/Synthesizer-Begleitung
(der CD-Text schweigt sich leider aus, wer diese liefert möglicherweise Tonya
selbst?). Fazit: Fans gefühlvoller, aktueller Soul/Blues-Musik sollten dieses Album
unbedingt auf ihre "Want-List" setzen.
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GOOD NEWS übrigens für alle Tonya Youngblood-Fans:
Diverse Songs ihres neusten CD-Albums "SUGAR DADDY" (Mardi Gras MG-1083) wie
"STOP CHASING WHAT YOU WANT"; "GIVE CREDIT WHERE CREDIT IS DUE";
"BABY MAKER" oder "MEET ME AT THE PARTY" figurieren zwar schon seit
längerem auf den Play-Lists der amerikanischen Soul/Blues-Radiostationen, obwohl die
Scheibe bis vor kurzem nirgends erhältlich zu sein schien. Jetzt ist das Album aber
endlich in den grösseren Internet-CD-Shops wie CD-Universe, CDQuest, Amazon.com
oder Barnes & Noble aufgetaucht und kann dort, oder auch direkt bei Tonyas
Plattenlabel Mardi Gras Records,
bestellt werden! |
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