Wie Inder in die Ferien gehen

Viele Inder gehen nie in die Ferien. Wenn sie verreisen ist ihr Ziel nie einfach ein paar Tage fern vom Arbeitsplatz zu verbringen. Die wichtigsten Gründe für Reisen in Indien sind immer noch Familienangelegenheiten, wie zum Beispiel Hochzeiten, der erste Haarschnitt eines Kindes - was unserer Taufe entspricht - oder dann Todesfälle.  Autobusse sind die beliebtesten Transportmittel. Sie sind wesentlich billiger als die Eisenbahn oder gar eine Flugreise. Erst wenige Inder vermögen ein eigenes Auto. Wünscht ein Inder nach Hause zu seiner Familie zurückzukehren, so fragt er bei seinen Arbeitgeber um einige Urlaubstagen nach. Meist bleiben sie nicht länger als zehn Tage von der Arbeit fern. 

Viele indische Betriebe arbeiten auch heute noch sechs Tage in der Woche. Die Indische Wirtschaft kennt nur zwei einwöchige Unterbrüche: einen im Frühjahr für das Holi Fest und einen Anfangs Herbst für die Durga Puja. Mit dem Holifest wird das Ende des Winters gefeiert. Während dem ausgelassenen Treiben beschmiert man sich gegenseitig mit Farbpulver und wünscht sich schöne Festtage. Für das Durga Puja Fest werden bereits Tage zum Voraus aufwändige Tempel aus Tüchern aufgebaut in denen während dem Fest die Lehmfiguren der Göttin Durga verehrt werden. Am Ende des Festes werden die Figuren zu einem nahen Gewässer gefahren und dort in einer Zeremonie versenkt. Beeinflusst von der westlichen Konsumwirtschaft wird neuerdings in vielen Betrieben auch von Weihnachten bis zum Jahresende nicht gearbeitet. 

Neben den bereits erwähnten Feiertagen gibt es aber noch viele mehr. Der indische Kalender kennt alle Feiertage der verschiedener Religionen - dies sind ungefähr zweihundert !  Wann ein Mitarbeiter nicht zur Arbeit erscheint hängt eben davon ab ob er Christ, Hindu, Budhist, Moslem oder Sikh ist. Die Toleranz zwischen den Religionen in Indien ist wesentlich grösser als im Westen angenommen wird. Eine Abwesenheit auf Grund von Feiertagen oder religiösen Handlungen ist in Indien nie ein Thema.

Ferien in unserem Sinne kennen die Inder erst seit den achziger Jahren und das auch nur in den besser gestellten Kreisen. Grössere Betriebe begannen ihre eigenen Ferienheimen auf zu bauen. Die Kosten für die Bahnreise und die Unterkunft wird meist vom Arbeitgeber übernommen. Beliebte Ziele die Bergkurorte am Fusse des Himalayas. Hier ist es im Sommer angenehme fünfundzwanzig Grad, so dass man die vierziggrädige Gluthitze von Delhi vergessen kann. Diese Bergkurorte wurden von den Engländern erbaut. Die Kolonialregierung verlegte jeden Sommer während den heissesten Monaten ihren Sitz von New Delhi nach Shimla. Heute hat die morderne Zeit auch hier Einzug gehalten. Es ist kein Problem am Abend im Internetcafe seinen Freunden ein E-Mail zu senden um vom aufregenden Whitewater-Rafting zu berichten !  Einzig nach Kashmir reisen auch die Inder nicht mehr. Die angespannte politischen Lage verhindert den Besuch der schweizerisch anmutenden Landschaft, die besonders für Hochzeitsreisen beliebt war. 

Pilgerreisen stossen auch auf grosses Interesse. Ist jemand schwer Krank oder müssen aus anderen Gründen die Götter günstig gestimmt werden, können Inder über tausend Kilometer weit reisen. Die beliebteste Pilgerdestinationen ist sicher Varanasi, wo die Bestattungen im heiligen Fluss Ganges stattfinden.  Heute tritt der rein religiöse Zweck der Reise manchmal etwas in den Hintergrund und man kann durchaus anschliessend an den Besuch der heiligen Orte noch einige Tage in einem Ferienort verbringen.

Am Jahresende zieht es die wohlbetuchteren Inder an die Strände im Süden. Neben Goa gibt es viele kleinere Orte am Meer, die ebenfalls Touristen aufnehmen und erst noch billiger. Die Unterkünfte gibt es in jeder Preisklasse - von der einfachen Hütten für ein paar Rupien bis zum fünfstern Hotel mit dreistelligen Dollarpreisen.

Die obere Mittelklasse, die sich erst in den letzten Jahren herangebildet hat, vermag auch Auslandreisen. Um den eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten entgegenzukommen, lassen sich die meisten Arrangement mit Ratenzahlung buchen . 

Inder fahren eigentlich nie alleine in die Ferien, weil sie die Einsamkeit ganz und gar nicht mögen. Deshalb trift man meist ganze Gruppen von Familien an. Männer und Frauen bleiben aber unter sich, weil sich die beiden Geschlechter in der Öffentlichkeit nicht mischen oder sogar Liebkosungen austauschen ! Wenn also drei Familien am Strand von Kochi spazieren, sieht man den Männern im Abstand von einigen Metern die Frauen folgen, was ganz normal ist. Im weiteren Gegensatz zu den westlichen Kulturen mögen die Inder keine nackte Haut und wollen schon gar nicht braun werden. Deshalb sieht man an den indischen Stränden meist auch nur westliche Touristen in Badanzügen - die Inder gehen in den Strassenkleidern baden...

Bei Inder beliebte Destinationen

Bergkurorte:

Pilgerorte:

Badeorte:

Auslandreisen:

 

Links

Express Travel and Tourism
Shikhar Indian Travel News

Indiand pick up strange customs: time off

Indian's growing middle class


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Peter Christener